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18.09.2013

07:24 Uhr

Euro-Krise

Spanien will mit Renten-Reform Milliarden sparen

Spanien will mit einer Rentenreform 33 Milliarden Euro einsparen. Das kommt den spanischen Rentnern teuer zu stehen: 2014 soll der Rentenanstieg klar unter der Inflationsrate liegen. Das könnte die Rentner verärgern.

Für Spaniens Premier Mariano Rajoy ist es ein Akt der Ballance: Mit einer Rentenreform könnte er viele Milliarden einsparen – verlöre aber die Gunst der rund neun Millionen Rentner in Spanien. Reuters

Für Spaniens Premier Mariano Rajoy ist es ein Akt der Ballance: Mit einer Rentenreform könnte er viele Milliarden einsparen – verlöre aber die Gunst der rund neun Millionen Rentner in Spanien.

MadridDas hoch verschuldete Spanien will den Anstieg der Renten nicht mehr automatisch an die Inflationsrate koppeln und damit binnen zehn Jahren 33 Milliarden Euro einsparen. Ein Reformentwurf, den Reuters am Dienstag einsehen konnte, sieht für die Berechnung künftiger Anhebungen vielmehr eine komplexe Formel vor. Erstmals sollen dann unter anderem Faktoren wie die Zahl der Pensionäre und die Finanzlage der Sozialkassen berücksichtigt werden. Für 2014 und die Folgejahre ist damit lediglich ein Anstieg der Renten von mindestens 0,25 Prozent garantiert, was klar unter der erwarteten Inflationsrate von ein bis zwei Prozent liegt.

Die EU fordert von Spanien seit Jahren eine Rentenreform. Bislang hat sich Regierungschef Mariano Rajoy dem aber widersetzt, um die rund neun Millionen Rentner seines Landes nicht zu verärgern. Es wird erwartet, dass die Regierung die Reformpläne in den kommenden Wochen vorstellt und noch in diesem Jahr verabschiedet. Dadurch sollen bereits für 2014 die Rentenausgaben um 800 Millionen Euro sinken. Das soll Spanien helfen, sein hohes Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, das von 6,5 Prozent 2013 über 5,8 Prozent 2014 auf 4,2 Prozent 2015 sinken und 2016 nur noch bei 2,8 Prozent liegen soll.

Spaniens Baustellen

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem. Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.

Immobilienmarkt

In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert. Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken - anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren - gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.

Haushaltslage

In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession. Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen.

Bankenkrise

Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge. Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.

Eine zunächst erwogene schnellere Anhebung des Renteneintrittsalters von derzeit 65 auf dann 67 Jahre ließ Rajoy indes fallen.

Von

rtr

Kommentare (9)

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finfan

18.09.2013, 08:22 Uhr

Wieder so ein Märchen, das dem deutschen Michel erzählt
wird, damit er bereitwillig seine Brieftasche öffnet, weil es dem ach so armen spanischen (nein europäischem) Rentner
bitterlich schlecht geht. Wusste gar nicht, das die spanischen Renten an die Inflationsrate gekoppelt sind. Ist
doch eine feine Sache, wenn andere dieses finanzieren.
Warum ist das hier nicht so? Nein, diese "Rentenreform" ist
in Spanien überhaupt nicht durchsetztbar und das wissen
die Politiker auch!

manthra

18.09.2013, 09:42 Uhr

"Renten sind: SICHER" - existentiell. - Mehr aber nicht.

Regenwurm

18.09.2013, 10:33 Uhr


Im Vergleich zur Auswirkung der deutschen Rentenreformen der letzten 10 Jahre sind die spanischen 33 Mrd. geradezu ein Witz. Wir hatten vor 10 Jahren noch eine vom Sachverständigenrat ausgewiesene implizite Staatsverschuldung von rund 200 Prozent des BIP. Heute sind es dank Riester, modifizierte Bruttolohnanpassung, Nachhaltigkeitsfaktor, Rente mit 67 nur noch 40% des BIP. Die Ansprüche der zukünftigen Rentner wurden drastisch reduziert und zwar um über 2 Billionen Euro.

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