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19.10.2011

16:48 Uhr

Euro-Krise

Straßenschlachten erschüttern Athen

Die Proteste gegen die Sparpolitik in Griechenland haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Auf dem zentralen Syntagma-Platz stand dicker Rauch. Die Gewerkschaften haben zum Generalstreik aufgerufen.

Demonstranten werfen Molotov Cocktails auf Polizisten am Sytagma Platz in Athen. dpa

Demonstranten werfen Molotov Cocktails auf Polizisten am Sytagma Platz in Athen.

AthenEin Generalstreik und Straßenschlachten haben am Mittwoch das öffentliche Leben im schuldengeplagten Griechenland lahmgelegt. Vor dem Parlament in Athen, das am Abend weitere harte Einschnitte für die Bevölkerung auf den Weg bringen wollte, setzte die Polizei massiv Tränengas gegen gewalttätige Demonstranten ein. Sie hatten die Sicherheitskräfte mit Steinen und Brandsätzen beworfen und zeitweilig zum Rückzug gezwungen.

Auch an anderen Orten kam es vereinzelt zu Zwischenfällen. Der Generalstreik, zu dem die beiden größten Gewerkschaften aufgerufen hatten, soll 48 Stunden dauern. Läden, Ämter, Ministerien und Schulen blieben geschlossen.

Die Gewerkschaften hofften auf die größte Massenbeteiligung an den Protesten seit Beginn der Schuldenkrise vor zwei Jahren. Die Stimmung unter den Zehntausenden Demonstranten war aufgeheizt. Die Polizei, deren Beamte von den geplanten Einsparungen ebenso wie andere Beschäftigte der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes betroffen sind, hatte mehr als 5000 Kräfte im Einsatz. Sie sollten schwere Ausschreitungen wie im Juni verhindern.

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Dennoch gelang es Demonstranten erstmals, bis zu den Stufen am Fuß des Parlamentsgebäudes vorzudringen. Über dem zentralen Syntagma-Platz, an dem auch die Volksvertretung ihren Sitz hat, stand dicker Rauch. Ein Reuters-Reporter berichtete, das Tränengas sei auch im Parlamentsgebäude zu riechen gewesen.

„Wir haben hier keine Zukunft. Alle jungen Leute wollen ins Ausland und sie haben Recht“, sagte die 17-jährige Anastasia Kolokotsa. „Es gibt keine Jobs, hier gibt es nichts.“ Viele der jungen Demonstranten trugen Helme. Auch abseits der Hauptversammlung vor dem Parlament warfen schwarz gekleidete Jugendliche Molotow-Cocktails auf Polizisten, die mit Tränengas reagierten.

Auch der Flugverkehr von und nach Griechenland kam durch den Streik der Fluglotsen zeitweilig zum Erliegen. Am Athener Flughafen fielen bis zum Mittag 150 Flüge aus. Auch die Deutsche Lufthansa war betroffen. Der Ausstand der Fluglotsen dauerte nur zwölf Stunden, da sie den Luftverkehr nicht zu sehr belasten wollten.

Erstmals beteiligten sich auch kleinere Läden wie Bäckereien an dem Ausstand. Am Morgen versammelten sich rund 400 Hafenarbeiter vor den Toren von Piräus, dem größten Seehafen des Landes. Vor dem Justizministerium trafen sich etwa 1000 Strafvollzugsbeamte. Viele Demonstranten forderten den Rücktritt der Regierung. „Wir wollen sie nicht mehr, denn sie bringen uns nur Unglück“, sagte ein 46-jähriger Beschäftigter des öffentlichen Dienst.

Kommentare (16)

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Peter

19.10.2011, 17:09 Uhr

Wenn das so weitergeht werden die arabischen Staaten gemeinsam mit unseren türkischen Freunden demnächst zum Schutze der griechischen Zivilbevölkerung eine Flugverbotszone über Griechenland durchsetzen.

Beo

19.10.2011, 17:21 Uhr

Hier schon mal 200mrd aus der Schweiz von der Griechischen Wirtschafts- und Politelite:

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/eu_griechenland_schwarzgeld_schweiz_steuerabkommen_1.13048769.html

Dazu kommen Gelder in England etc ... so lässt sich das Problem einfach lösen, warum soll der Deutsche Steuerzahler dafür aufkommen???

Kritker

19.10.2011, 17:35 Uhr

Der Euro verient die Völker in Europa und bringt Frieden und Wohlstand .... bla, bla,..... Das sieht man ja in Griechenland und auch in Italien. In Portugal und Spanien wird es auch losgehen.

Der Rettungsschirm wird nun doch gehebelt. Überall Lügen seitens der Politik. Die Politiker sollten sich schämen, jeden Tag eine Vielzahl von neuen Lügen dem Volk zu erzählen. Die unzählige Lügen bezüglich der Griechenlandhilfen, des Rettngsschirmes etc. erreicht eine neue Dimension.
Wie soll man noch Kinder zu Ehrlichkeit und Anstand erziehen, wenn die sogenannten Elite (Eliten der Lügen, des Machthungers und des Kapitalismus)ein solch verlogenes Leben vorlebt

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