Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2015

13:16 Uhr

Euro-Krise und Griechenland

Hellas im Abseits

VonRuth Berschens, Jan Hildebrand

Der griechische Finanzminister hat beim Treffen mit seinen Kollegen aus der Euro-Zone eine Abfuhr bekommen. Daraufhin schien er zu Kompromissen bereit - machte dann aber einen Rückzieher. Eine Lösung ist damit weit weg.

Yanis Varoufakis

Der griechische Bruce Willis

Yanis Varoufakis: Der griechische Bruce Willis

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Brüssel/BerlinVor Mitternacht war die Welt für Wolfgang Schäuble noch in Ordnung. Als der Bundesfinanzminister Mittwochnacht gegen 23.15 Uhr in Brüssel aufbrach, glaubte er, eine erste Vereinbarung mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis sicher in der Tasche zu haben. Doch als Schäuble knapp zwei Stunden später in Berlin landete, war alles ganz anders: In der Zwischenzeit hatte Varoufakis seine Zustimmung zu seiner ersten gemeinsamen Erklärung mit der Eurogruppe wieder zurückgezogen. Darüber war nicht nur der deutsche Finanzminister sauer.  „Die Stimmung in der ganzen Runde war am Ende sehr pessimistisch“, sagte ein EU-Diplomat und fügte hinzu: „Vielleicht verstehen die Griechen einfach nicht, wie Verhandlungen in der Euro-Gruppe geführt werden.“

Genau den Eindruck erweckte Griechenlands neuer Kassenwart Varoufakis von Beginn an in seiner ersten Eurogruppen-Sitzung. Anwesend war alles, was in der Währungsunion und darüber hinaus in der internationalen Finanzwelt Rang und Namen hat: EZB-Präsident Mario Draghi, die EU-Kommissare Valdis Dombrovskis und Pierre Moscovici, IWF-Chefin Christine Lagarde und die Finanzminister der anderen 18 Euro-Staaten. Sie alle waren sehr gespannt darauf, was Varoufakis denn nun mit seinem Land vorhat. Doch die dringend erwarteten konkreten, mit Zahlen untermauerten schriftlichen Unterlagen hatte der Grieche nicht dabei. Stattdessen wiederholte er seine zuvor schon oft genug öffentlich geäußerte Kritik am laufenden Hilfsprogramm für sein Land und präsentierte einige allgemeine Forderungen. „Das war kein wirtschaftspolitischer Plan, sondern eine Wahlkampfrede“, berichtet ein Teilnehmer. 

Die nächsten Stationen im griechischen Schuldendrama

27. Februar

Genau drei Jahre, nachdem der Bundestag dafür gestimmt hatte, ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland aufzulegen, haben die Abgeordneten dieses um vier Monate verlängert. Damit soll Athen mehr Zeit bekommen, die Auflagen umzusetzen, damit noch nicht ausgezahltes Geld aus den Hilfstöpfen fließen kann. Das geschieht aber nicht sofort.

28. Februar

Um Mitternacht wäre das geltende Hilfsprogramm ausgelaufen.

Ende April

Bis dahin sollen Athen und die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die bislang nur grob vereinbarten Reformvorhaben weiter ausarbeiten und mit konkreten Zahlen unterlegen. Sind alle einverstanden, kann Geld ausgezahlt werden. Dafür ist auch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags nötig.

Wie viele Euro Griechenland noch zustehen, ist nicht ganz klar. Da ist zum einen die noch ausstehende Tranche aus dem Hilfsprogramm von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem liegen rund 1,9 Milliarden Euro aus Gewinnen der EZB mit griechischen Staatsanleihen bereit. Einschließlich weiterer Mittel des IWF hofft Athen auf eine Summe von 7,2 Milliarden Euro.

30. Juni

An diesem Tag läuft das nun verlängerte zweite Hilfsprogramm aus. Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass anschließend ein drittes Hilfspaket für Griechenland nötig sein wird. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dies nie ausgeschlossen. Ob und in welcher Höhe ein solches Programm kommt, dürfte für neue harte Debatten sorgen.

20. Juli

Griechenland muss Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Analysten zufolge dürfte Athen bis zu diesem Termin finanziell über die Runden kommen. Danach wäre das Land aber vermutlich auf weitere Hilfe angewiesen, um den Staatsbankrott zu verhindern.

20. August

Weitere 3,2 Milliarden Euro an die EZB werden fällig.

Nach dem griechischen Vortrag waren die Vertreter der Euro-Zone an der Reihe. Erst sprachen Dombrovskis, Moscovici und Draghi, dann Frankreichs Finanzminister Michel Sapin und sein deutscher Kollege Schäuble. Alle redeten Varoufakis ins Gewissen: Griechenland müsse sich an die Konditionen des von der Vorgänger-Regierung unterschriebenen Kreditvertrages halten.

Die Finanzminister Spaniens und Portugals erinnerten Varoufakis, dass auch sie schwierige Spar- und Reformjahre hinter sich hätten. Schon allein deshalb könnten sie Griechenland jetzt nicht einfach aus seinen Pflichten entlassen. Die Minister der Slowakei und der baltischen Staaten machten unmissverständlich klar, dass sie auf keinen Fall höhere Mindestlöhne und Renten in Griechenland finanzieren würden – zumal ihr eigenes Sozialsystem viel schlechter ausgestattet sei als das griechische.

Kommentare (32)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Behrends

12.02.2015, 13:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Herbert Maier

12.02.2015, 14:01 Uhr

Ist doch ganz einfach: Griechenland wendet sich an Putin, der sagt großzügige Unterstützung zu. Dagegen findet sich sicher eine kleine Protestbewegung in Griechenland, die lieber weiter mit der EU zusammenarbeiten will; diese wird dann von der EU finanziell und mit ein wenig.... ähem personeller Unterstützung versehen, macht richtig Zoff inklusive Kollateralschäden, stürzt letztlich die griechische Regierung und dann wird mit Hilfe der EU eine neue EU-freundliche Regierung eingesetzt. Der Bürgerkrieg dauert zwar noch etwas an, aber das wird dann später mal gelöst.

Account gelöscht!

12.02.2015, 14:11 Uhr

Griechenland hat nichts mehr zu verlieren, weil Griechenland eh schon am Boden liegt. Und solange die EZB-Draghi-Merkel den Griechen nicht aus dem EURO-Raum verlieren will, solange wird dieses Spielchen so weiter gehen. Die Schulden werden wachsen und die Unruhe im EURO-Raum mit ihnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×