Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.12.2011

17:05 Uhr

Euro-Krise

Und wenn doch alles zusammenbricht?

VonFrank Wiebe

Der Generalplan von „Merkozy“ zur Euro-Rettung ist einen Versuch wert, aber die Umsetzungschancen sind klein. In den Chefetagen wird durchgespielt, was ein Black Friday, ein Crash des Finanzsystems, bedeuten würde.

Ein Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Kunden der Northern Rock Bank in London, die 2007 zusammen brach. AFP

Ein Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Kunden der Northern Rock Bank in London, die 2007 zusammen brach.

Immer deutlicher stellt sich in der Krise die Frage, wie der schlimmste Fall aussehen könnte. Das wäre ein Zusammenbruch des Finanzsystems. Auslöser dafür könnte die Zahlungsunfähigkeit eines größeren Landes sein oder die Kettenreaktion nach dem Crash einer bedeutenden Bank. In den Chefetagen der großen Geldhäuser werden solche Szenarien durchaus durchgespielt.

Sollte ein Staat zusammenbrechen, dann müssten dessen Anleihen abgewertet werden, und so wäre ein großer Teil des Vermögens in den Banken vernichtet, die diese Anleihen halten. Außerdem gäbe es einen Run auf die Banken, wahrscheinlich europaweit.

Wie bekommt man die Banken wieder flott? Bevor sie wieder geöffnet werden, muss glasklar sein, wie es weitergeht, sonst setzt sich der Bank-Run fort.

Wie die neue Währungsunion funktionieren soll

Vertragsänderungen

Sarkozy und Merkel streben neue Europäische Verträge an. Sie bevorzugen einen neuen Vertrag aller 27 EU-Staaten, sind aber entschlossen, notfalls einen Vertrag nur der 17 Euro-Länder abzuschließen. Dem könnten sich auch Nicht-Euro-Länder anschließen. Die Verhandlungen sollten bis März abgeschlossen sein.

Sanktionen

Es soll auf jeden Fall automatische Sanktionen gegen Schuldensünder geben - also Länder, die bei der Neuverschuldung gegen die Defizitregel von 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung verstoßen. Automatische Sanktionen sollen nur mit qualifizierter Mehrheit von 85 Prozent verhindert werden können.

Schuldenbremse

Alle 17 Euro-Länder sollen bindende Schuldenbremsen in ihren jeweiligen Verfassungen aufnehmen. Diese sollen auf europäischer Ebene harmonisiert werden. Ihre Ausgestaltung wird vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) überprüft. Der EuGH soll nicht die jeweiligen nationalen Budgets annullieren können, sondern die Vereinbarkeit der Schuldenbremse mit den Verträgen prüfen. Deutschland hat bereits eine Schuldenbremse im Grundgesetz verankert, andere Länder wie Österreich stehen davor.

ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm ESM soll nach dem Willen von Deutschland und Frankreich auf Ende 2012 vorgezogen werden. Bisher soll er Mitte 2013 starten. Für diese Entscheidung soll laut Sarkozy eine qualifizierte Mehrheit von 80 Prozent ausreichen. Auch sollen künftig nicht mehr einzelne Länder ESM-Hilfen aufhalten können. Daher soll künftig laut Merkel eine Mehrheit von 85 Prozent reichen.

Gläubigerbeteiligung

Die Beteiligung privater Banken und Versicherer an einer Entschuldung soll „in schwierigen Fällen“ nach den Regeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfolgen. Es wird bekräftigt, dass es keine Sonderregeln („Lex Europa“) geben soll, die Anleger von Staatsanleihen im Euro-Raum mehr verunsichern als Investoren anderswo. Der freiwillige Schuldenschnitt Griechenlands sei ein Sonderfall.

Europäische Zentralbank

Merkel und Sarkozy sind sich „außerordentlich einig“, dass die Europäische Zentralbank (EZB) unabhängig ist. Maßnahmen der EZB sollen nicht kommentiert werden - weder positiv noch negativ.

Eurobonds

Gemeinsame Staatsanleihen der Euroländer, sogenannte Eurobonds, sind aus Sicht von Berlin und Paris „auf gar keinen Fall“ eine Lösung der Euro-Schuldenkrise. Die Schulden dürften nicht vergemeinschaftet werden.

Steuerung / Wirtschaftsregierung

Die Staats- und Regierungschefs sollen Sarkozy zufolge regelmäßig zusammenkommen im Rahmen einer Art europäischen „Wirtschaftsregierung“. Laut Merkel will die Euro-Gruppe monatlich zusammenkommen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu überprüfen und Wachstum anzukurbeln. Es wurde zunächst nicht gesagt, auf welcher Ebene. Auch Nicht-Euro-Länder könnten teilnehmen.

Zunächst müsste die Politik die Entscheidung treffen: Sollen die Sparer oder die Steuerzahler den Schaden tragen? Oder vielleicht alle Sparer oberhalb einer bestimmten Anlagesumme, zum Beispiel 30.000 Euro? Wenn diese Entscheidung getroffen ist, muss festgelegt werden, zu welchem Prozentsatz die Einlagen zusammengestrichen werden. Durch das Zusammenstreichen vermindert sich der Schuldenstand der Bank, so dass die Bilanz wieder in die Balance kommt.

Straubhaar im Video

„Dieser Schuss muss sitzen“

Straubhaar im Video: "Dieser Schuss muss sitzen"

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Was aber passiert, wenn die Sparer geschützt werden sollen oder die Kürzung der Spareinlagen nicht ausreicht, um die Bilanz wieder herzustellen? Dann muss der Staat oder zum Beispiel eine EU-Institution einspringen - oder die Notenbank, die freilich eigentlich nicht dafür zuständig ist.

Kommentare (86)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

leser

07.12.2011, 17:34 Uhr

Nettes Szenario, bei dem es auch noch Trost gibt: immer wieder erfreulich.
Mal sehen was die Bürger dazu sagen werden: und zwar nicht nur die in Deutschland, soviel dürfte doch schomal gleich klar sein.

yoski

07.12.2011, 17:43 Uhr

Langsam gehen den Europhantasten die Tricks aus um frisches Geld aus dem Nichts zu zaubern. Egal wie man es dreht und wendet, Bilanzen frisiert, Geld druckt, Rettungsschirme spannt, Schuld anderen zuschiebt oder unsinnge Argumente erfindet, der Markt fuer solche faulen Tricks scheint gesaettigt.
Es gibt nur 2 Moeglichkeiten.
1. Geld drucken bis der Arzt kommt
2. Radikaler Haircut
Beide Moeglichkeiten koennen verschiedene Formen annehmen die versuchen die harten Tatsachen zu verschleiern aber wer pleite ist hat nicht viele Moeglichkeiten. Entweder der Offenbarungseid oder er beschafft sich schnell durch die Notenpresse frisches Geld.
Alles andere ist nur Verzoegerungstaktik. Ich habe den Verdacht das da zwischen Weihnachten und Neujahr eine ganze grosse Schweinerei auf uns zukommt. Schnell noch die letzten Sparguthaben in Sachwerte anlegen.
Frohe Weihnachten.

Account gelöscht!

07.12.2011, 17:47 Uhr

Dämliche Panikmache. Hatten wir vor ein paar Monaten auch schon mit USA.

Kosto: "Bankenkrise?Staatspleite? Dafür habe ich nur eine Meinung. Viel Lärm um nichts"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×