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16.10.2013

11:43 Uhr

Euro-Krise

Warum Wachstum für Spanien nicht reicht

VonFinja Seroka

Die Lage in Spanien ist dramatisch: Jeder Vierte ist arbeitslos, eine wirkliche Trendwende ist nicht in Sicht. Wissenschaftler und Politiker streiten darüber, was jetzt noch helfen kann.

Mehrere Spanier stehen vor einem regionalen Arbeitsamt Schlange:  In der Vergangenheit sind in Spanien erst ab einem Wachstum von zwei Prozent neue Jobs entstanden. dpa

Mehrere Spanier stehen vor einem regionalen Arbeitsamt Schlange: In der Vergangenheit sind in Spanien erst ab einem Wachstum von zwei Prozent neue Jobs entstanden.

Madrid/DüsseldorfSchon seit Monaten spaltet ein Möbelstück die iberische Halbinsel: Hinter den Schreibtischen der Arbeitsämter herrscht Vollbeschäftigung. Davor stehen Millionen Schlange. Denn obwohl die Arbeitslosenquote zuletzt leicht sank, ist immer noch jeder Vierte arbeitslos. Damit führt Spanien die europäische Statistik an, übertroffen nur von Griechenland.

Doch hinter den Zahlen steht mehr als eine Krise: Seit Jahren gilt der spanische Arbeitsmarkt als Sorgenkind Europas. Schon lange ringen Politik und Wissenschaft um eine Lösung für immer mehr erwerbslose Spanier. Es geht um die Frage, ob der Arbeitsmarkt zu rigide ist, ob er Jugendliche benachteiligt, ob Unternehmen produktiver arbeiten müssen – oder ob Spanien nur auf Wachstum warten muss.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationale Währungsfonds (IWF) fordern eine Flexibilisierung: Sie wollen, dass der Kündigungsschutz gelockert wird und Unternehmen mit Kurzarbeit oder Lohnkürzungen auf weniger Aufträge reagieren können. Die Regierung um Premierminister Mariano Rajoy hat im Februar 2012 schließlich eine Reform verabschiedet, die jene Forderung erfüllen sollte.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Geringere Abfindungen

Bis 2012 mussten einem Angestellten in Spanien bei grundloser Kündigung eine Abfindung von 45 Tageslöhnen pro Jahr im Unternehmen gezahlt werden. Die konservative Regierung reduzierte diese Abfindung auf 20 Tageslöhne und legte für die Zahlungen zudem eine neue Höchstdauer von 24 im Unterschied zu davor 41 Monaten fest.

Flexiblere Kündigungen

Lange unterteilte der Arbeitsmarkt in Spanien sich vor allem in zwei Fraktionen: Eine „Elite“ nahezu unkündbarer Festangestellter und Angerstellten, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelten. Die Einführung eines neuen, flexibleren Kündigungsrecht erlaubte 2012 erstmals auch das Aussprechen betriebsbedingter Kündigungen bei sinkenden Unternehmensumsatz.

Lockere Tarifverträge

Gleichzeitig wurden auch Gehälter variabler gestaltet. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

Bonus für junge Angestellte

Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro.

Bonus für alte Angestellte

Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

Zeitverträge mit Limit

Befristete Verträge dürfen nur noch maximal zwei Jahre gelten und nicht mehr verlängert werden. Soll der Angestellte im Unternehmen bleiben, muss der Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt werden.

Obwohl die Arbeitslosenquote in diesem Jahr höher ist als im vergangenen: Die Arbeitsmarktreform habe den Jobabbau im privaten Sektor abgeschwächt, urteilen die Experten im Arbeitsministerium. Unternehmen konnten erstmals den Lohn senken, statt Kündigungen auszusprechen. Gleichzeitig wurden aber Abfindungszahlungen verbilligt – was letztlich doch zu einer Kündigungswelle und damit dem Anstieg der Quote geführt hat.

„Die Reform ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, meint Professor Jordi Costas von der Business School eada in Barcelona. Der Arbeitsmarkt Spaniens sei viel zu rigide, neue Jobs könnten nur entstehen, wenn die Lohnkosten nicht horrend hoch seien. Die Maßnahmen der Regierung allein könnten die hohe Arbeitslosigkeit aber nicht ändern, dafür müsse auch über Spanien hinaus eine wirtschaftliche Erholung einsetzen.

Für 2014 prophezeit die OECD dem Land ein Wachstum von 0,4 Prozent – im Arbeitsministerium ein Grund zum Jubeln. Allerdings: In der Vergangenheit sind in Spanien erst ab einem Wachstum von zwei Prozent überhaupt neue Jobs entstanden, von saisonalen Schwankungen einmal abgesehen.

Kommentare (4)

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Prophet

16.10.2013, 12:03 Uhr

Es muss sich allmählich mal der richtige Gedanke durchsetzen, dass Arbeitslose kein Mangel, sondern eine wichtige und glückliche Errungenschaft der modernen Industriegesellschaft sind. Sie sind das eigentliche Ziel einer jeden Automatisierung. Sie dürfen nicht als überflüssig und arbeitsunwillig dargestellt werden. Arbeitslose sind an dem Ziel angekommen, von dem wir ALLE träumen. Sie müssen durch ein gesichertes und hohes Grundeinkommen entlohnt werden.

EULE

16.10.2013, 12:34 Uhr

Der Teufel steck im Detail. Man schwadroniert über Arbeitsmarktflexibilisierungen und erreicht dennoch nichts! Warum schafft man denn keine Versorgung seiner Bürger und bürded stattdessen immer weniger arbeitenden immer mehr auf? Auf der anderen Seite möchte man anti westliche Kulturen hier ansiedeln. Die Politik der Eurokraten und Eliten ist einfach nicht zu verstehen.

Steinweg

16.10.2013, 12:35 Uhr

eine Verbeamtung waere statt dessen zu erwaegen. Es koennte dann geistiger Wildwuchs beschnitten werden.

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