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22.08.2012

12:10 Uhr

Euro-Krise

Wie die EZB Griechenland am Leben hält

VonNorbert Häring

Nicht nur die Rettungspakete haben eine griechische Pleite verhindert. Auch die EZB hilft dem Krisenland – mit Krediten für die Banken. Dabei sind die Sicherheiten der Kreditinstitute im Ernstfall wenig wert.

Die EZB hilft griechischen Banken mit Krediten. dpa

Die EZB hilft griechischen Banken mit Krediten.

Die europäischen Regierungen und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenlands Regierung mit zwei Rettungspaketen von insgesamt 240 Milliarden Euro vor dem Bankrott bewahrt. Doch mindestens ebenso wichtig ist die laufende Unterstützung durch Kredite von der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dabei spielen die Käufe griechischer Staatsanleihen durch die EZB ab Mai 2010 eine untergeordnete Rolle. Wie groß genau sie waren, gibt die EZB nicht offiziell bekannt, aber inoffiziell ist die Rede von einer Größenordnung von rund 40 Milliarden Euro. Die eher zaghaften Käufe verhinderten nicht, dass die Renditen der griechischen Anleihen durch die Decke gingen, und die EZB stellte die Käufe recht bald wieder ein.

Über Wasser hält die EZB Griechenland stattdessen durch großzügige Auslegung der eigenen Regeln für die Finanzierung von Kreditinstituten. Die griechischen Banken sind auf ständigen Liquiditätsnachschub von der Notenbank angewiesen, weil das Geld schnell wieder von ihren Konten abfließt – in Form von Bargeld, das die Menschen horten, zur Bezahlung der Importe und des Schuldendienstes ans Ausland, und weil viele Anleger ihr Geld ins Ausland bringen.

Eigentlich leiht die EZB nur Banken mit guter Bonität Geld gegen gute Sicherheiten. Im Verlauf der Krise hat sie jedoch immer wieder die Anforderungen an diese Sicherheiten gesenkt, wenn den Banken der Krisenländer die guten Sicherheiten ausgingen. Für Griechenland und die anderen Länder mit einem vereinbarten Sanierungsprogramm hat die EZB sogar auf das Mindestrating für solche Anleihen verzichtet.

Seit Mai allerdings hängt die Finanzierung der griechischen Banken am seidenen Faden. Die EZB hat entschieden, keine griechischen Anleihen mehr als Sicherheiten zu akzeptieren, weil das Sanierungsprogramm für Griechenland aus der Spur geraten ist. Stattdessen verweist sie die griechischen Banken an die griechische Notenbank, die sie nun mit frischen Euro versorgen darf.

Die Details des Notprogramms sind geheim, aber es ist klar, dass die Sicherheiten, die die Bank von Griechenland hereinnimmt, im Ernstfall wenig wert sind. Der EZB-Rat kann diese Nothilfen jederzeit stoppen. Dann wäre das griechische Bankensystem pleite.

Solange die Hilfen aber laufen, sammelt die griechische Notenbank im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems Target-2 Verbindlichkeiten gegenüber der EZB an. Rund hundert Milliarden Euro sind es derzeit. Auf der anderen Seite hat die Bundesbank gegenüber der EZB eine Target-Forderung von 730 Milliarden Euro.

Doch dieser Tage hat die EZB sogar noch eins draufgesetzt. Weil Griechenland Geld brauchte, um eine auslaufende Anleihe, die bei der EZB lag, zurückzuzahlen, erlaubte die EZB eine Vereinbarung zwischen Notenbank, Regierung und Banken in Griechenland. Die Bank von Griechenland gibt den Banken zusätzliche Kredite, mit denen diese kurzfristige Schuldtitel der Regierung kaufen. Die Regierung verwendete den Erlös, um die Anleihe bei der EZB zu bedienen.

Kommentare (13)

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Pro-D

22.08.2012, 12:25 Uhr

Gebt den Griechen endlich ihre Drachme und ihren Stolz zurück.

Die Griechen haben sich mit Euro nie wohl gefühlt, denn sie ticken und abreiten anders. Griechen sind glücklich, wenn sie ihre Esel über den Acker scheuchen können, oder wenn sie mit dem Boot auf Fischfang gehen dürfen. Dazu ein Glas verdünnter Rotwein am Abend und sie sind glücklich.

Account gelöscht!

22.08.2012, 13:00 Uhr


Die Verbindlichkeiten erreichen bald 1 BILLION EUR (Target 2 ) !. Armes Deutschland.

Das kleine, mickrige, wirtschaftlich angeblich so unwesentliche EU-Griechenland bewegt , siehe obiger Artikel, im Bankenorkus allein paar hundert MRD .

Die Offenbarung wahre Bankenbilanz kommt ja noch.

Der Knall in GR gestaltet sich laut und deutlich, im Falle Spanien platzt die Geldblase...
Alles eine Frage der Zeit, wo blieben die Kredite, im produktiven Bereich Arbeitsplätze jedenfalls nicht.

Samaras jammert nun zu Recht, Griechenland muss fürchten, wieder auf das Niveau der 50er-60er Jahre zu fallen. Beim grossen Euro-Crash hilft Hellas keine mehr, dann beginnt zur Recht die Jagd auf fettige Krisenprofiteure samt Anhang und weiteren illusatren Plündergesellen wie Gewerkschaftsbosse etc.

ND und die "sozialistische" Pasok gehören auf alle Fälle zum Club der zu Greifenden. Hoffentlich stehen wir Germanen besser da, ich bin mir nicht ganz sicher.

golfer

22.08.2012, 13:38 Uhr

Das EZB-Präsidium gehört (wegen Vertrags-/Gesetzesverstöße) vor ein ordentliches Gericht!!!

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