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27.10.2011

07:56 Uhr

Euro-Krisengipfel

Banken verzichten auf die Hälfte ihrer Griechen-Forderungen

VonRuth Berschens

Nach stundenlangen Verhandlungen feiert die Eurozone den Durchbruch: Die Banken müssen auf die Hälfte ihrer Griechen-Forderungen verzichten, der Krisenfonds EFSF bekommt mehr Feuerkraft - aber das Risiko steigt.

Europas Banken müssen auf Forderungen verzichten. dpa

Europas Banken müssen auf Forderungen verzichten.

BrüsselDie Euro-Zone hat sich einem achtstündigen Verhandlungsmarathon mit den privaten Gläubigern Griechenlands auf einen Schuldenschnitt geeinigt. "Wir haben eine dauerhafte Lösung für Griechenland gefunden", sagte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "großen Kraftanstrengung". Das nun erzielte Ergebnis sei "alles andere als selbstverständlich."

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Nach Angaben Merkels und Sarkozys wurde folgende Einigung erzielt: Die Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland, was in absoluten Zahlen 100 Milliarden Euro entspricht. Vollzogen wird der Schuldenschnitt mit einem Anleihen-Tausch im Januar. Dann sollen griechische Bonds gegen neue Anleihen mit einem um die Hälfte reduzierten Nennwert eingetauscht werden.

Der EFSF wird eine Teil-Garantie für die neuen Bonds abgeben. Dafür stellt der Euro-Krisenfonds 30 Milliarden Euro bereit. Eine entsprechende Vereinbarung mit der Euro-Zone unterschrieb Charles Dallara, Geschäftsführer des Weltbankenverbandes IIF am frühen Donnerstag morgen.

Wie Europas Regierungen unter Druck geraten

Italien

Regierungschef Silvio Berlusconi kämpft um sein politisches Überleben. Nach unbestätigten Medienberichten soll er seinen baldigen Rückzug. Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erwarten verbindliche Zusagen für den Abbau der horrenden italienischen Staatsschulden.

Frankreich

Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2012 ist die Krise für Staatschef Nicolas Sarkozy eine schwere Belastung. Mehr als die Hälfte der Franzosen hat starke Zweifel am Kurs des 56-Jährigen.

Spanien

Die Krise dürfte zu einem Machtwechsel führen. Bei den vorgezogenen Wahlen am 20. November droht den regierenden Sozialisten ein Debakel. Die Konservativen können auf eine absolute Mehrheit hoffen.

Portugal

Die sozialistische Regierung von José Sócrates ist angesichts der schweren Wirtschaftskrise im Juni abgewählt worden. Auch die neue liberal-konservative Regierung unter Ministerpräsident Pedro Passos Coelho steht schon mächtig unter Druck. Kritiker werfen ihr vor, bei den Sanierungsmaßnahmen den Bogen zu überspannen.

Großbritannien

Die Bankenrettung von 2008 hat Großbritannien in eine schwere Schuldenkrise gestürzt. Premierminister David Cameron reagierte mit einer massiven Sparpolitik. Unter anderem opferte er zehntausende Jobs. Gewerkschaften und Opposition laufen Sturm.

Irland

In Irland hat die Schuldenkrise im vorigen Jahr Premierminister Brian Cowen das Amt gekostet. Mit seinem Finanzminister Brian Lenihan drückte er aber noch einen Sparhaushalt durch. Der neue Premier Enda Kenny hält den Sparkurs strikt ein.

Finnland

Die Eurokrise hat den Rechtspopulisten („Wahre Finnen“) einen strahlenden Wahlsieg beschert: Sie konnten im April ihren Stimmenanteil auf fast 20 Prozent vervierfachen.

Slowakei

Der Streit um die Euro-Rettung hat einen innenpolitischen Scherbenhaufen hinterlassen. Die christlich-liberale Premierministerin Iveta Radicova hatte die erste Parlamentsabstimmung am 11. Oktober über eine Ausweitung des EFSF mit der Vertrauensfrage verknüpft und verloren.

Slowenien

Die Regierung ist gestürzt, weil sie die rasant steigende Verschuldung nicht eindämmen konnte. Am 4. Dezember soll neu gewählt werden.

Rumänien

Die bürgerliche Regierung hat wegen der Krise stetig an Popularität eingebüßt. Die 2012 anstehende Parlamentswahl dürfte sie verlieren. Wahlkampfgeschenke soll es angeblich keine geben, stattdessen aber weitere Sparmaßnahmen.

Die Euro-Zone beschloss außerdem, Griechenland bis 2014 zusätzliche Hilfskredite in Höhe von 100 Milliarden Euro zu gewähren. Private Gläubiger und staatliche Geldgeber würden es Griechenland auf diese Weise gemeinsam ermöglichen, seine Gesamtverschuldung von derzeit 165 Prozent auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020 zu senken.

Kommentare (69)

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Bazooka

27.10.2011, 05:46 Uhr

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich möchte die Merkel gerne mit faulen Eiern bewerfen!

Bazooka

27.10.2011, 05:57 Uhr

http://www.youtube.com/watch?v=aVLmK_Km7E0

Account gelöscht!

27.10.2011, 06:09 Uhr

Muss ich jetzt noch arbeiten gehen? Wenn alle faulen und überschuldeten Leute und Länder Geld geschenkt bekommen wird doch wohl auch noch was für mich übrig sein? Warum soll ich dieses Theater mit meinen Steuern mit bezahlen? Die Spinnen doch! Und Eier könnte ich auch in deren Richtung werfen!

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