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19.08.2012

11:13 Uhr

Euro-Krisenländer ringen um Einnahmen

Steuern prüfen am Strand

VonKatharina Kort

An der Küste Italiens bleiben 40 Prozent aller Einnahmen unversteuert. Das soll sich ändern: Regierungschef Mario Monti schickt jetzt Steuerfahnder an den Strand. Die sorgen allein durch ihre Präsenz für mehr Einnahmen.

Strand Mari Ermi auf Sardinien. An der Küste wollen Italiens Steuerfahnder Geld eintreiben. dpa

Strand Mari Ermi auf Sardinien. An der Küste wollen Italiens Steuerfahnder Geld eintreiben.

Civitanova Marche„Und ich dachte schon, Sie seien von der Finanzpolizei“, sagt die Bäckerin Anna-Maria vom „Fornaio Albanesi“ fast erleichtert, als sie erfährt, dass sie es nur mit einer Journalistin zu tun hat. Doch sie weiß, dass sie jeden Moment kommen können, die Herren und Damen in ihrer grauen Uniform oder auch in zivil. „Die schicken gerne Frauen vorbei, das ist unauffälliger“, sagt die Bäckerin verschwörerisch.

Civitanova ist ein Städtchen an der Adria, in der sich ein Strandbad ans nächste reiht und Mütter im Bikini ihre Kinderwagen die Strandpromenade entlangschieben. Und es ist das geeignete Ziel für Mario Montis „August-Offensive“: Wenn Italien für einen Monat fast geschlossen an die Küste umzieht, schlagen die Steuerfahnder zu.

Von Ligurien bis nach Sizilien sollen sie sich die Vermieter von Sonnenschirmen und Strandliegen, die Eisdielen, Diskotheken und Pizzerien vorknöpfen. Nach Schätzungen des Fiskus bleiben allein bei den Strandbädern 38 Prozent der Einnahmen unversteuert.

Dank Blitzaktionen der Finanzpolizei während der Skisaison in Cortina bei Juwelieren und Hoteliers vervierfachten sich die Steuereinnahmen wie von Wunderhand. Allein weil die Polizei neben der Kasse stand. Jetzt sind jene dran, die in oder mit der Sonne ihr Geld verdienen.

„Bei mir waren sie erst gestern Abend“, erzählt Rolando Cardelli, der bärtige Betreiber des Strandbads G7. „Sie standen draußen und haben meine Kunden nach dem Kassenbon gefragt.“ Ähnlich ging es Gloria mit ihrer Eisdiele „Dolci Tentazioni“ wenige Hundert Meter weiter: „Bei mir haben sie am Samstagabend nach dem Abendessen – also zur Stoßzeit – am Ausgang kontrolliert, ob ich Kassenbons herausgebe“, berichtet die junge Frau. Nur wer Quittungen aus der Kasse ausdruckt, führt auch Steuern ab. Im Vergleich zu früher sieht sie die Finanzpolizei und die anderen Steuerfahnder heute öfter: „Sie sind deutlich präsenter geworden“, sagt die Eisbudendame.

Auch im Yachtklub waren sie schon, wie der Geschäftsführer Mirko berichtet. Dort suchten die Kontrolleure vor allem nach den Namen der Besitzer der Schiffe, die oft über Leasing laufen und deren Halter daher schwieriger auszumachen sind. Diese Namen werden mit den Steuererklärungen abgeglichen. Nicht selten erklären sich nämlich italienische Yachtbesitzer gegenüber dem Fiskus arm.

Koordiniert werden die Kontrollen von Michele Tempesta, dem Comandante der Guardia di Finanza in Civitanova. Der sportliche, gebräunte Mann residiert in einem Büro, das nur hundert Meter von möglichen Übeltätern am Strand entfernt liegt. „Wir schätzen die Steuerhinterziehung hier auf 20 bis 25 Prozent“, sagt er. Vor allem wer mit Endkunden zu tun habe, gebe oft keinen Kassenbon heraus und zahle dann auch keine Steuern. Seine Leute hätten klare Vorgaben, mehr zu kontrollieren und vor allem mehr herauszuholen.

Kommentare (14)

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erika

19.08.2012, 11:46 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Steinweg

19.08.2012, 12:00 Uhr

man sollte Italien und auch Griechenland als vorbildhaft fuer Deutsche Buerger sehen. Waerend wir den Faschismus predigen, die Ueberwaeltigung des Buergers durch die Staatsmacht, wehren sich freie Buerger in Italiener und Griechen gegen den sie um ihr Geld prellenden Staat.

Account gelöscht!

19.08.2012, 15:19 Uhr

Das hat was Gutes: Wenn alle zahlen müssen, kapieren vielleicht auch alle endlich wie viel der Moloch Staat verschlingt. Langfristig wählen sie dann vielleicht auch eine Partei, die den Staat auf ein vernünftiges Maß reduzieren will.

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