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23.10.2011

12:07 Uhr

Euro-Rettung

Griechischer Top-Ökonom warnt vor Schuldenschnitt

Der frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos hat eindringlich vor einem drastischen Schuldenschnitt für Griechenland gewarnt. Damit seien große Risiken verbunden.

Eine griechische Euro-Münze. dapd

Eine griechische Euro-Münze.

AthenDie Pläne der Euro-Partner für einen größeren Schuldenschnitt Griechenlands treffen in der Athener Regierung auf Widerstand. Eine deutlich stärkere Beteiligung der privaten Gläubiger als die vereinbarten 21 Prozent seien gefährlich für die Euro-Zone, erklärte der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank und jetzige Regierungsberater, Lucas Papademos.

In einem Kommentar für die Sonntagsausgabe der Zeitung „To Vima“ warnte Papademos, dass ein größerer Schuldenerlass die Freiwilligkeit der Beteiligung der Finanzbranche infrage stelle und damit die Risiken erhöhe. Sollten die Ratingagenturen dies als Zahlungsausfall bewerten, drohe ein Übergreifen der Probleme auf die Banken. Dann könnte es zu einer Kreditkrise mit schweren Folgen für die Wirtschaft kommen, was wiederum die staatlichen Sparanstrengungen untergraben dürfte. Daher sei es im Augenblick ratsam, die Beschlüsse vom Euro-Gipfel im Juli umzusetzen und angemessen zu stärken.

Im jüngsten Lagebericht der Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) hieß es allerdings, das damals verabredete zweite Rettungspaket über 109 Milliarden Euro reiche nur, wenn die privaten Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Schuldenstand Griechenlands könnte dann bis 2020 auf tragfähige 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt werden nach einem Höchststand 2013 von voraussichtlich 186 Prozent. Die Staats- und Regierungschefs der EU suchen am heutigen Sonntag auf dem Gipfel in Brüssel nach einem Ausweg aus der Schuldenkrise. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte bei einem Treffen der europäischen Konservativen am Samstagabend im Vorfeld des Gipfels laut Teilnehmern, dass der Schuldenschnitt für Griechenland mindestens 50 bis 60 Prozent betragen müsse.

Dabei sollen die Banken in Europa offensichtlich einen größeren Beitrag leisten - und zugleich notfalls mit zusätzlichem Kapital in Höhe von 100 Milliarden Euro ausstaffiert werden, um diesen Schuldenschnitt verkraften zu können. Die Finanzminister streiten aber noch über das genaue Vorgehen bei der Bankenkapitalisierung. Der Forderungsverzicht werde nahe bei 50 Prozent der Verbindlichkeiten Griechenlands gegenüber privaten Gläubigern liegen, sagte der belgische Finanzminister Didier Reynders dem französischen TV-Sender France 24 am Samstag am Rande der Sondersitzung der EU-Finanzminister in Brüssel. Zuvor hatte schon Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bekräftigt, von den Banken werde ein erheblich höherer Beitrag zur Entlastung Griechenlands gefordert.

Kommentare (18)

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R.B.

23.10.2011, 12:15 Uhr

"Griechischer Top-Ökonom ...".
Die größte Inflation, die wir zur Zeit haben ist die der Top-Ökonomen.

Rainer_J

23.10.2011, 12:17 Uhr

Zitat:"Griechischer Top-Ökonom"

Gibt es das? Wieso hat Griechland dann diese Wahnsinns-Schulden?

beo

23.10.2011, 12:43 Uhr

Quadratur des Kreises. Dieser Sumpf ist nicht zu retten .. dies ist schon lange klar und zeigt sich hier wiedermals.

Griechenland muss raus aus dem Euro - die Bevölkerung dort darf sich dafür bei ihrer korrupten politischen & wirtschaftlichen Elite bedanken, welche das Land in den letzte 50 Jahren in den Bankrott gewirtschaftet hat (Papandreous Familie ist seit 1944 in verschiedenen Regierungen aktiv :-))

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