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30.10.2011

23:11 Uhr

Euro-Rettung

Nach Chinas Jein klopft Regling in Japan an

Für die Euro-Rettung fehlen Investoren. Einige asiatische Länder suchen Anlagemöglichkeiten für ihre Devisenreserven. Deshalb führt Klaus Regling Gespräche in China und Japan. Deren Bedeutung spielt Juncker herunter.

Für Europas Rettungsschirm fragt Regling nach Investitionen aus China und Japan. dpa

Für Europas Rettungsschirm fragt Regling nach Investitionen aus China und Japan.

New York/Peking/BerlinDer Rettungsschirm EFSF soll auf über eine Billion aufgebläht werden. Doch dazu brauchen die Euro-Retter frisches Geld von privaten Investoren. Um das zu bekommen, hat Europa eine neue Investment-Offensive gestartet. Ganz oben auf der Liste stehen Länder mit großen Devisenreserven - sie liegen in Asien.

So hat sich der Chef des Euro-Rettungsschirms EFSF, Klaus Regling, Ende der vergangenen Woche nach Osten aufgemacht. Am Freitag warb er in Peking für Investitionen in Anleihen von Euro-Krisenländern. Für den Rettungsschirm sei es sehr wichtig, mit den großen Investoren wie China in Kontakt zu stehen. Doch die chinesische Regierung will ihre Schatulle nicht ohne weiteres öffnen. Man wolle erst einmal detailliert sehen, wie die Eurozone gerettet werden solle.

Chinas Vizeaußenministerin Fu Ying begrüßte in Peking zwar die „positiven Ergebnisse“ des Euro-Krisengipfels. Vor zusätzlichen Investitionen in einen erweiterten europäischen Rettungsschirms wolle China aber abwarten, wie die technischen Details des geplanten neuen Investmentvehikels aussehen, sagte Vizefinanzminister Zhu Guangyao. Er nannte seine Gespräche mit EFSF-Chef Regling „sehr professionell“.

Warum China den Euro-Ländern helfen wird

Warum sollte China den Euro-Ländern helfen?

Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Länder kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. China hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden. Ein Viertel seiner riesigen Devisenreserven sind bereits in Euro-Wertpapieren wie Staatsanleihen angelegt. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.

Kann sich China das leisten?

Ja. Mit 3,2 Billionen Dollar (rund 2,3 Billionen Euro) besitzt die Volksrepublik die mit Abstand größten Devisenreserven der Welt. Allerdings steht nicht die gesamte Summe zur Verfügung, sondern wohl nur etwa 500 Milliarden Dollar. Der Rest ist entweder schon gebunden oder wird von China in Reserve gehalten, um den eigenen hoch verschuldeten Regionen im Notfall zu helfen.

Gibt es dazu auch kritische Stimmen in China?

Bedenken kommen vor allem aus der Zentralbank. Deren Berater Li Daokui warnt davor, größere Summen in europäische Staatsanleihen zu stecken. Auch Yu Yongding, ein ehemaliger Notenbank-Berater, warnt vor der Anhäufung immer größerer Devisenreserven.

Fordert China Gegenleistungen?

Ja. China möchte von der EU den Status als Marktwirtschaft erhalten. Das würde automatisch den Abbau von Handelshemmnissen bedeuten, über die sich der Exportweltmeister seit langem beklagt. China erhofft sich auch ein Ende des seit dem Massaker gegen die Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geltenden EU-Waffenembargos. Auch größere Garantien für neue Hilfen und eine Reform der Währungsunion werden gefordert.

Steht China trotz der Krise zu den Investitionen in Europa?

China hat seit Ausbruch der Krise vor mehr als einem Jahr immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „Wir haben es zigmal gesagt, dass China bereit ist zu helfen“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao. „Wir werden dort weiter investieren.“ Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.

Kauft China nur Wertpapiere auf?

Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des osteuropäischen Landes modernisieren soll.

Gibt es Kritik an der Shopping-Tour Chinas?

Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt AI-China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“ Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger ist kritisch: „Es ist bedenklich, wenn ein Land, das keine Demokratie ist, Einfluss auf EU-Mitgliedsländer erhält. Ob in Menschenrechts- oder Umweltfragen: China ist in vielen Belangen kein Vorbild.

Nun will Regling einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge noch in dieser Woche in Japan vorsprechen. Das Land hat bereits in der Vergangenheit entsprechende Bonds gekauft, zudem hat Japans Finanzminister Jun Azumi erst vergangene Woche gesagt, er sei bereit, weitere hinzuzukaufen.

Bisher hat Japan etwa 20 Prozent der Schulden aus dem Rettungsfond gekauft. Regling hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass auch China regelmäßig kaufe. Er äußerte sich aber nicht dazu, in welcher Höhe.

EFSF-Chef buhlt um China

Video: EFSF-Chef buhlt um China

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Zu den Ergebnissen der Treffen in Peking habe sich Regling dem „Wall Street Journal“ gegenüber nicht äußern wollen. Zu den Gesprächsthemen habe aber die effektivste Struktur des neuen Rettungsfonds gehört.

In einem Kommentar vom Sonntag warnt die staatseigene chinesische Nachrichtenagentur Xinhua: China habe zwar seine Bereitschaft signalisiert, auf eine „Win-Win“-Art mitzuwirken, aber die Europäer sollten keinen barmherzigen Samariter erwarten und sich auf Zugeständnisse einstellen.

Kommentare (5)

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WahrheitundKlarheit

31.10.2011, 00:45 Uhr

Gipfelergebnisse nun aufgeflogen: "Alles erfunden und erlogen. Ergebnisse nur vorgegaukelt!

Während Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nach dem EU-Gipfel der Öffentlichkeit erklärt hatten, dass Europa nun mehr oder weniger gerettet sei, bitten Barroso und Van Rompu die beiden EU-Vertreter, nach der Absage Chinas, die restlichen G20 Staaten in einem peinlichen Brief (hier im Original) geradezu flehentlich um Hilfe: Unter Aufgabe jeder nationalstaatlichen Souveränitätsrechte versprechen y, dass die EU-Staaten alles tun werden, „um die Maßnahmen rigoros und zeitnah zu implementieren“, mit dem Hinweis, "Europa schaffe jedoch die Bewältigung nicht alleine."

Nach zwischenzeitlich durchgedrungenen Aeusserungen von Konferenzbeobachtern ist absolut nichts verbindliches Vereinbart worden. Das bestaetigten auch de IIF in einem internen Brief an die Mitgliedsbanken.

Mehr hier:
http://steuerembargo.co.de/component/k2/item/103-gipfelergebnisse-nun-aufgeflogen-alles-erfunden-und-erlogen-ergebnisse-nur-vorgegaukelt.html

yoski

31.10.2011, 01:28 Uhr

Es fehlen Investoren? Ja das ist schlimm. Ich kenne das Problem selbst, denn mir ergeht es genauso. Ich versuche seit einiger Zeit Hundekacke am Stiel zu vermarkten aber seltsamerweise finde ich auch keine Investoren. Woran das nur liegen mag? Ich bin voellig ratlos.

Account gelöscht!

31.10.2011, 04:51 Uhr

Es ist Träumtänzerei, wenn man erwartet, daß Regling auf seiner Betteltour offene Türen einrennt.

Kein vernünftiger Investor gibt Geld ohne Zugeständnisse; es ist auch ganz normal, daß Gläubiger Zinsen, Tilgungen und Sicherheiten verlangen.

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