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13.12.2013

09:40 Uhr

Euro-Rettung

Portugal hat zweites Hilfspaket nicht nötig

Der portugiesische Regierungschef Passos Coelho lehnt ein zweites Hilfspaket ab. Er sieht andere Möglichkeiten zur Krisenüberwindung – nach dem Vorbild Irlands, das diesen Monat den EU-Rettungsfonds verlässt.

Das Schlimmste ist überstanden: Portugals Premierminister Pedro Passos Coelho sieht keine Notwendigkeit für ein zweites Hilfspaket für Portugal. AFP

Das Schlimmste ist überstanden: Portugals Premierminister Pedro Passos Coelho sieht keine Notwendigkeit für ein zweites Hilfspaket für Portugal.

LissabonDer portugiesische Regierungschef Pedro Passos Coelho hält ein zweites Hilfspaket der Gläubigertroika nicht für notwendig. In den vergangenen zwei Jahren habe Portugal Ergebnisse erzielt, die ein solches Hilfspaket nicht erforderlich machten, sagte Passos Coelho in Radio- und Fernsehinterviews am Donnerstagabend. Zur Überwindung der Krise verwies er auf zwei Möglichkeiten: ein EU-Kredit mit kurzfristiger Laufzeit oder eine Lösung nach dem Beispiel Irlands, das den Euro-Rettungsfonds diesen Monat als erstes EU-Krisenland verlässt und an die Finanzmärkte zurückkehrt.

Der Ministerpräsident schloss keine der beiden Optionen aus. Ein möglicher Vorsorgekredit würde nach seinen Worten eine „Laufzeit von einem Jahr“ haben. Dazu bedürfe es nicht der Unterstützung durch die Sozialisten, der größten Oppositionspartei, weil die derzeitige konservative Regierung noch bis September 2015 im Amt sei. Portugal werde das weitere Vorgehen im Januar mit den internationalen Gläubigern erörtern, fügte Passos Coelho hinzu.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Kommission, deren Experten sich seit Anfang Dezember in Portugal aufhalten, hatte zuvor eine Lockerung der Portugal auferlegten harten Sparmaßnahmen abgelehnt. Sie hatte das Land im Mai 2011 mit der Bereitstellung von Notkrediten in Höhe von 78 Milliarden Euro vor einer Staatspleite gerettet. Nach Angaben der portugiesischen Regierung beenden die Inspektoren der Troika "im Lauf der kommenden Woche" ihre Überprüfung der Umsetzung des Hilfsplans von 2011.

Von

afp

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

13.12.2013, 10:19 Uhr

Was ist denn der Unterschied zwischen einem Hilfspaket in Form von Krediten und einem EU Kredit? Wollen die uns alle nur noch verarschen?
Oder versteht der Premierminister unter einen EU Kredit ein Geschenk ohne Sicherheiten?

abcxyz

13.12.2013, 10:25 Uhr

Aha, Vorbild Irland. Diese Sanierung war auch sehr interssant, gigantische Laufzeit- und Zinsstreckungen über die nationalen irische Notenbank, ELA, EZB und Rettungsfonds. Laufzeit- und Zinsstreckungen über Jahrzehnte. Rechnet man die gewährten Hilfen an Irland auf die eigene Bevölkerungszahl um, so kommen doch einige Zweifel auf. Ähnlich gelagerter Fall ist Zypern, auch hier war die Hilfs- und Garantievolumen bezogen auf das eigene BIP und die Bevölkerungszahl gigantisch. Die Steuersparmodelle hingegen hat man behalten.

Portugal steckt in einer jahrelangen tiefen Rezession, hat exorbitante hohe Arbeitslosigkeiten und eine nicht ausreichende eigene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Ansteckungsgefahren lauern zudem im spanischen Bankensektor, der in Portugal stark investiert ist.

Die Südzone steckt in der Wettbewerbs- und Überschuldungsfalle des Euro und wird in erster Linie mit massivster Hilfe der EZB subventioniert, finanziert und am Leben erhalten. Daran dürfte sich kaum etwas ändern, die ökonomischen Ungleichgewichte bleiben bestehen, die europäische Bankenunion steht kurz vor ihrem Start. Haftungsausweitungen peu à peu, Vergemeinschaftlichungen von Fremdrisiken und von Fremdschulden und Dauermonetarisierungen durch die EZB sind an der Tagesordnung. Der Einfluß der Buba ist gering, Weidmann völlig isoliert. Draghi's Vize fordert den weiteren massiven Ankauf von Staatsanleihen, ab 2014 kommt ein neues Euromitgliedland hinzu. Die Eurozone war, ist und bleibt ein dysfunktionaler und fragmentierter Währungs- und Wirtschaftsraum, der von riesigen und gewaltigen ökonomischen, technologischen, gesellschaftspolitischen und sozialen Gegensätzen geprägt ist und dies wird auch in Zukunft weiter so bleiben.

Rechner

13.12.2013, 12:07 Uhr

So hat sich Portugals Leistungsbilanz in den letzen zweieinhalb Jahren entwickelt:

---------------------------------------

Portugal Leistungsbilanz in %BSP jeweils letzte 12 Monate bis

Dez 2010 : -10,6%
Mär 2011 : -10,0%
Jun 2011 : -9,3%
Sep 2011 : -8,4%
Dez 2011 : -7,0%
Mär 2012 : -6,3%
Jun 2012 : -4,2%
Sep 2012 : -2,8%
Dez 2012 : -2,0%
Mär 2013 : -1,0%
Jun 2013 : -0,1%

(Quelle: eurostat und eigene Berechnungen basierend auf Zahlen von eurostat)

---------------------------------------

Die Volkswirtschaft ist inzwischen selbsttragend, die Staatsfinanzen können und sollten dem folgen.

Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gegeben.

...

Die meisten Beteiligten - Kreditgeber wie Kreditnehmer - dürften inzwischen gelernt haben, daß eine solide Währung nicht bedeutet daß man Solvenzrisiken außerachtlassen und sich beliebig verschulden kann.

Ohne die Fehlregulierung der Banken durch Basel 123 (die weitgehende Freistellung des Staatskredits von Eigenkapitalunterlegung) wäre es allerdings in geringerem Maße zu derartigem Fehlverhalten der Kreditgeber gekommen.

An dieser Stelle besteht nach wie vor Handlungsbedarf.

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