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30.11.2011

07:02 Uhr

Euro-Rettungsschirm EFSF

Ein Hebelchen für Europa

Privatkapital soll den Rettungsschirm EFSF verstärken, doch der „Hebel“ wird deutlich kleiner ausfallen als geplant: Investoren sind rar. Nun soll der IWF für die Eurozone einspringen, doch niemand weiß, ob das reicht.

Finanzexperte Gerke

„Der EFSF ist der völlig falsche Weg“

Finanzexperte Gerke: "Der EFSF ist der völlig falsche Weg"

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BrüsselDie Finanzminister der 17 Staaten mit Euro-Währung haben einen Rückschlag in der Euro-Krise hinnehmen müssen: Zwar einigten sie sich auf neue Regeln für den Einsatz des Rettungsfonds EFSF. Doch sie räumten ein, dass die geplante Stärkung des Rettungsfonds nicht so gut vorangeht wie erhofft. Deshalb hoffen die Euro-Länder nun auf ein verstärktes Engagement des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Krise.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, sagte, die meisten Eurostaaten seien bereit, dem IWF mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Der IWF solle gemeinsam mit dem Euro-Rettungsfonds „jenen Eurostaaten, die Hilfe benötigen“, beispringen. Über Details müsse noch mit dem IWF verhandelt werden.  

Zuvor hatte der niederländische Finanzminister Kees de Jager gesagt, die geplante Vervierfachung des EFSF-Kreditvolumens durch eine „Hebelung“ werde vermutlich nicht erreicht. Derzeit stehen dem Fond noch 250 Milliarden Euro zur Verfügung - zu wenig, um nötigenfalls auch großen Ländern wie beispielsweise Italien helfen zu können. De Jager sagte, vermutlich sei nur etwa eine Verdopplung des Kreditvolumens möglich. Die Eurogruppe erklärte hingegen, sie gehe mindestens von einer Verdreifachung des Kreditvolumens aus, möglicherweise sogar von einer Verfünffachung.

Die Teilkasko-Lösung für den Rettungsschirm

Verlustabsicherung

Im Streit über eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF favorisiert Deutschland ein Versicherungsmodell bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen. Nach dem Konzept würden 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens neuer Anleihen von Ländern, denen hohe Finanzierungskosten am Markt drohen, vom EFSF gegen Verluste abgesichert.

Alternativen abgelehnt

Ein Insider bestätigte, Alternativen wie die einer Banklizenz für den EFSF seien verworfen, weil dies die Mitwirkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erfordere, die das aber ablehne.

Restrisiko beim Investor

Der Fonds könnte mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro etwa für Spanien oder Italien sicherstellen. Der EFSF würde jedoch nur für die 20 Milliarden Euro haften, das Restrisiko liegt beim Investor.

Zinsrückgang erwünscht

Als Nebenwirkung erhoffen sich die Politiker einen Rückgang der stark gestiegenen Zinsen auf schon umlaufende Staatspapiere.

Entscheidung erst im Bedarfsfall

Beim Euro-Gipfel werde eine Größenordnung für die geplanten Garantien aber nicht festgelegt, sondern darüber im Einzelfall entschieden, sagte Sony Kapoor von der Beratungsfirma Re-Define. Der Experte hatte das Garantiemodell vorgeschlagen und berät unter anderem die Bundesregierung. Der EFSF müsse sich Flexibilität bewahren. Der abgesicherte Verlust werde vom jeweiligen Land, der Anleihelaufzeit und der aktuellen Marktlage bei der Ausgabe der Anleihe abhängen.

Auf dem Euro-Gipfel Ende Oktober war beschlossen worden, dass der EFSF verstärkt werden soll, indem er Geld bei privaten Investoren einwirbt und als Versicherer für Staatsanleihen von Euro-Schuldenländern auftritt. Damals hieß es noch, durch diese Hebel-Modelle sollten die verbleibenden Mittel von rund 250 Milliarden Euro des Rettungsfonds vervier- oder sogar verfünffacht werden. Dieses Ziel ist nun offenbar in weite Ferne gerückt.

Wie groß die Schlagkraft des erweiterten Rettungsschirms genau wird, bleibt offen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble meinte ebenso wie EFSF-Chef Klaus Regling, es sei einfach nicht möglich, eine genau Summe zu nennen. Dies hänge von den Bedingungen an den Finanzmärkten ab. Klar ist dagegen, dass der EFSF soll künftig Käufer von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder in Höhe von 20 bis 30 Prozent gegen einen Verlust versichern soll, damit seine Schlagkraft vervielfacht werden kann. Das Versicherungsmodell soll nach den Worten von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker im Dezember einsatzbereit sein, die EFSF-Sondertöpfe, an denen Privatinvestoren beteiligt sind, im Januar.

Kommentare (27)

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Lachender_Beobachter

30.11.2011, 07:22 Uhr

PIMCO

Eine Erholung bei Euro-Schuldenkrise ist noch lange nicht in Sicht, denn ach Ansicht des größten Bond-Fondsmanager der Welt - Pimco - wird Europa Jahre für die Erholung von der Schuldenkrise brauchen. Der Chef von Pimco, Bill Gross, schrieb in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an Investoren, dass eine schnelle Lösung nicht in Sicht sei und sie sich besser den Schwellenländern zuwenden sollten. Seine pessimistische Prognose: Es werde Jahre dauern, bis Europa und andere Industrienationen sich aus der Zwangsjacke der Verschuldung befreien dürften. Ein auf Pump finanziertes Wachstum sei ein mangelhaftes Geschäftsmodell und die Länder bezahlten jetzt für die zu hohe Staatsverschuldung. Das weltweite Wachstum werde weiterhin kümmerlich bleiben.

PS

26.12.2011
french bonds down
enjoy n have fun !
AA-

Joyeux Noël !

Schlaumeier

30.11.2011, 07:26 Uhr

Woher nehmen die Euro-Staaten das Geld für den IFW? Genau - man macht mehr Schulden. Geld hat doch keines der Länder, dass ist ja das Grundproblem. Wie krank ist die Finanzwelt und unsere Politiker? Der Knall kommt demnächst. Sehr gut so.
Super.

whisky

30.11.2011, 07:50 Uhr

Den Damen und Herren "Finanzmärkte" interessiert wenig, was die Politiker so denken. In den Euro würde erst dann wieder investiert, wenn die EZB klar machen würde, daß sie Staatsanleihen auf jeden Fall aufkaufen würde - wie es die Zentralbanken der USA, von GB, Japan und der Schweiz tun. Also Geld drucken. Ohne die teuren Zwischenhändler Banken.
In Japan wird seit vielen Jahren "Geld gedruckt". Nach gängiger Lehrmeinung von Sinn und Co. müßte das eine Inflation auslösen. Pustekuchen. Seit Jahren das genaue Gegenteil, nämlich Deflation.
Noch was. Toll ist es, wie es die Finanzwirtschaft mit Hilfe unserer Medien hingekriegt hat, die Finanzwirtschaftskrise in eine Staatschuldenkrise umzubenennen. Verschuldung im Euro-Raum 2007 = 71,6 v. H., 2011 = 95,6 v. H. Hier eine Tabelle der OECD: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/Staatsschuldenstaende_1993_bis_2012.pdf

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