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03.10.2011

08:09 Uhr

Euro-Rettungsschirm

EZB-Ratsmitglied Noyer offen für Hebeltrick

Eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF hält Frankreichs Notenbank-Chef Noyer für unrealistisch. Eine Hebellösung hingegen kann er sich vorstellen. Heute muss sich auch Finanzminister Schäuble dem Thema stellen.

Ein Frau steht im Regen mit einem blauen EU-Schirm vor dem Gebäudekomplex des EU-Parlaments in Brüssel. dpa

Ein Frau steht im Regen mit einem blauen EU-Schirm vor dem Gebäudekomplex des EU-Parlaments in Brüssel.

Tokio„Aber ich persönlich bin offen für jedes Modell, das eine Hebelung der bestehenden Mittel erlaubt, um größere Interventionskapazitäten bereitzustellen“, sagte EZB-Ratsmitglied Christian Noyer am Montag. Nach den bisherigen Plänen soll der EFSF mit einem Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro ausgestattet werden, um die europäische Schuldenkrise einzudämmen. Viele Akteure an den Finanzmärkten und auch die USA halten dies aber nicht für ausreichend. Daher wird derzeit über Wege diskutiert, den Rettungsfonds durch den Einsatz eines sogenannten Kredithebels (Leverage) zu stärken. Ziel ist es, über die Mobilisierung von Fremdkapital das zur Verfügung stehende Kreditvolumen zu vervielfachen.

Die Euro-Finanzminister sollten dieses Thema am Abend bei ihrem turnusmäßigen Treffen diskutieren. Beschlüsse waren allerdings nicht zu erwarten. Diese könnten am 18. Oktober folgen, wenn sich die Staats- und Regierungschefs im Anschluss an den regulären EU-Gipfel zu einem Euro-Spitzentreffen zusammenfinden. Die Aussichten für eine Hebel-Lösung für den EFSF sind unklar. In der Bundesregierung hat sich die FDP dagegen ausgesprochen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich die Tür für einen solchen Schritt offen gelassen.

Seine österreichische Amtskollegin Maria Fekter sagte der Zeitung „Die Welt“: „Wenn der aktuelle Rettungsschirm EFSF gestärkt werden muss, um mehr Vertrauen in die Märkte zu bringen, dann muss das durch marktnahes Handeln, eine Transaktionssteuer und gewisse Hebel passieren.“ Darüber machten sich Experten derzeit intensiv Gedanken. Wie genau eine solche Hebel-Lösung aussehen könnte, wollte Fekter nicht erläutern. „Es wäre unseriös, wenn ein Finanzminister da vorprescht“, sagte sie dem Vorabbericht zufolge. Höhere Bürgschaften durch die Euro-Staaten im Rahmen des EFSF stehen ihren Worten zufolge „derzeit nicht zur Diskussion“.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hatte sich ebenfalls für eine weitere Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF ausgesprochen. In der „Rheinischen Post“ machte sich der Würzburger Ökonom für die umstrittene Idee des „Kredithebels“ stark. „Der Rettungsschirm reicht nicht für Italien. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, dass die Euro-Staaten jetzt über einen Kredithebel für den EFSF nachdenken“, sagte Bofinger.

Derzeit wird über eine Ausweitung der Schlagkraft des Rettungsschirms diskutiert. Ein Vorschlag ist der sogenannte Kredithebel: Mit einer solchen Hebelwirkung („leverage“) können Hilfen für bedrohte Länder oder Pleitestatten verstärkt werden, indem weitere Geldgeber - etwa Staatsfonds aus Asien oder Arabien - für den EFSF gewonnen werden. Die würden dann auch Haftungsrisiken übernehmen, wobei die Tranchen mit größerer Ausfallwahrscheinlichkeit wohl beim EFSF verbleiben. Einfach gesagt: Aus einem EFSF-Euro werden fünf Euro, ohne das EFSF-Kapital aufzustocken.

Auch der Chef des industrienahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, nannte den Hebel dem Blatt zufolge „unvermeidbar, wenn man davon ausgeht, dass auch Italien oder Spanien geholfen werden muss“. Hüther hielt dies allerdings für noch nicht ausgemacht. Nach dem Bundestag hatte am Freitag auch der Bundesrat die neuen Euro-Hilfen abgesegnet.

Kommentare (18)

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NND

03.10.2011, 09:07 Uhr

Jetzt wird auch noch das gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung verboten - über den Umweg des EFSF 2.0 kauft die EZB fortan Staatsanleihen direkt bei den Pleiteländern an.

Die finstersten Alpträume der Euro-Gegner und DM-Befürworter werden war. Macht ruhig weiter so - mit ihrem Vermögen und Renten verlieren die Leute wenigsten die Lust am Euro.

Während wir die Zukunft dieses Landes verpfänden, können es sich die Schweizer sogar leisten, für ihre Währung an Negativ-Zinsen zu verdienen. Einfach grausam, wenn man bedenkt, dass Schweizer Franken und DM einst im gleichem Atemzug genannt wurden...

schlagtsiefest

03.10.2011, 09:13 Uhr

Die Schildbürgerstreiche werden immer besser, aus 500 Mrd. nichtvorhandenen Geldes einfach 2,5 Bilo. machen, ein Meisterstück der Demokratten. Die Hans Wursten werden bald hängen und zwar gehebelt. Bitte noch verstärkt Anti-Gold-Kampagnien starten, damit es jeder weis. Demokratten sind der letzte Dreck. In der Diktatur wußte man, wo die Schweine sind. Bitte schickt jeden Abgeordneten einen Strick, vielleicht kann er ja was damit anfangen

rxm

03.10.2011, 09:28 Uhr

Italien ist ein reiches Land, nur Berlusconi ist zu träge, um die nötigen Schritte zu unternehmen. Soll die Eurozone für die Arroganz eines Berlusconi zur Kasse gebeten werden?

Der Rettungsschirm, wie groß auch immer, wird übrigens nie reichen. Nach jeder Ausweitung wird ein weiteres Land attackiert! Und zwar so lange bis die gesamte Eurozone finanziell ruiniert ist. Dass ist in meinen Augen doch das Ziel der Spekulanten. Und wenn das so weitergeht haben die ihr Ziel in einigen Monaten oder Jahren auch erreicht.

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