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18.10.2011

15:55 Uhr

Euro-Rettungsschirm

Versicherungsmodell soll EFSF mehr Feuerkraft geben

Die Lösung für eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds wird konkreter: Durch eine Versicherungslösung soll der EFSF seine Feuerkraft in der Finanzkrise verfünffachen. Die Idee einer Banklizenz ist vom Tisch.

Auf eine Europafahne fallen Euro Münzen. dpa

Auf eine Europafahne fallen Euro Münzen.

BrüsselIm Streit über eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF zeichnet sich EU-Kreisen zufolge als einzige Lösung ein Versicherungsmodell bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen ab. Nach dem Konzept würden 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens neuer Anleihen von Ländern, denen hohe Finanzierungskosten am Markt drohen, vom EFSF gegen Verluste abgesichert.

Diese Idee setze sich durch, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag. Ein anderer Insider bestätigte, Alternativen wie die einer Banklizenz für den EFSF seien verworfen, weil dies die Mitwirkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erfordere, die das aber ablehne.

Nach dem jetzt diskutierten Modell würde der EFSF den privaten Investoren zusichern, das Verlustrisiko von 20 bis 30 Prozent der neu begebenen Anleihen zu übernehmen. Der Fonds könnte mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro etwa für Spanien oder Italien sicherstellen. Mit der Garantie des Fonds in der Tasche werden die Investoren dann mit niedrigeren Zinsen zufrieden sein, so die Hoffnung.

Die Teilkasko-Lösung für den Rettungsschirm

Verlustabsicherung

Im Streit über eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF favorisiert Deutschland ein Versicherungsmodell bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen. Nach dem Konzept würden 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens neuer Anleihen von Ländern, denen hohe Finanzierungskosten am Markt drohen, vom EFSF gegen Verluste abgesichert.

Alternativen abgelehnt

Ein Insider bestätigte, Alternativen wie die einer Banklizenz für den EFSF seien verworfen, weil dies die Mitwirkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erfordere, die das aber ablehne.

Restrisiko beim Investor

Der Fonds könnte mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro etwa für Spanien oder Italien sicherstellen. Der EFSF würde jedoch nur für die 20 Milliarden Euro haften, das Restrisiko liegt beim Investor.

Zinsrückgang erwünscht

Als Nebenwirkung erhoffen sich die Politiker einen Rückgang der stark gestiegenen Zinsen auf schon umlaufende Staatspapiere.

Entscheidung erst im Bedarfsfall

Beim Euro-Gipfel werde eine Größenordnung für die geplanten Garantien aber nicht festgelegt, sondern darüber im Einzelfall entschieden, sagte Sony Kapoor von der Beratungsfirma Re-Define. Der Experte hatte das Garantiemodell vorgeschlagen und berät unter anderem die Bundesregierung. Der EFSF müsse sich Flexibilität bewahren. Der abgesicherte Verlust werde vom jeweiligen Land, der Anleihelaufzeit und der aktuellen Marktlage bei der Ausgabe der Anleihe abhängen.

Der EFSF würde jedoch nur für die 20 Milliarden Euro haften, das Restrisiko liegt beim Investor. Als Nebenwirkung erhoffen sich die Politiker davon auch einen Rückgang der stark gestiegenen Zinsen auf schon umlaufende Staatspapiere.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder wollen bei ihrem Krisengipfel am Sonntag über die Einsatzmöglichkeiten des EFSF und das gesamte weitere Vorgehen im Kampf gegen die Euro-Krise entscheiden.

Kommentare (17)

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donolli

18.10.2011, 15:48 Uhr

Wenn dem so wäre was bedeutet das im falle Griechenland bei einem Schuldenschnitt:

30% übernimmt der Fond un die anderen 30% die Anleger und die EZB! Die bekommt ein Eigenkapitalproblem damit.

Folglich:

1. Sie wird als erstes die Anleihen der EZB übernehmen müssen und hat dann damit schon die Hälfte Ihres Kapitals verfeuert.
2. Wenn Staaten wackeln werden die 30 % nicht ausreichen. Ergo der Fond wird auch Anleihen übernehmen müssen.

Es wird nur eine Scheinsicherheit gewährt, eben ein Taschenspielertrick. Die profis fallen darauf nicht rein!


Dagobert

18.10.2011, 16:14 Uhr

@donolli
Wissen Sie denn, welchen Durchschnittspreis die EZB für die Griechen-Bonds bezahlt hat?
Das Versicherungsmodell hat Charm, da die Verluste der Investoren dann begrenzt sind. Für das verbliebene Risiko wird der Markt einen Preis in Form des Zinses finden, der dann spürbar unter den aktuellen Zinsen der "Problemländer" liegen sollte. Damit sind für sie die Schulden wieder eher tragbar.
Man kann auch alles schlecht reden wenn man will.
Insgesamt sicherlich keine schlechte Lösung, die aber nur funktioniert, wenn glaubhaft vermittelt wird, wie der Schuldenirrsinn beendet werden kann (auch für Deutschland, das mit "Schattenverpflichtungen" wie Renten, Pensionen etc bei einer Schuldenquote von 200% liegt).

Dagobert

18.10.2011, 16:17 Uhr

@ewolfgang
bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Der EFSF soll Garantien geben. Das sind keine CDS. Der EFSF verkauft geht keinen Swap ein bei dem er bei einer Pleite eines Staates dessen Papiere angedient bekommen kann und diese verwertet. Er übernimmt lt. Artikel für Spanien/Italien die ersten 20% des Verlustes. Den Rest muss der Investor tragen.

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