Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2014

11:19 Uhr

Euro-Rettungsschirm

Zypern hofft notfalls auf Bankenhilfen

Noch immer hat Zypern die Geldprobleme nicht im Griff – notfalls sollen die Banken dann eben mit Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds gestützt werden. Vor einem Jahr nahm das Land bereits zehn Milliarden Euro in Anspruch.

Zypern hatte vor einem Jahr ein internationales Hilfspaket von zehn Milliarden Euro in Anspruch genommen, um eine Staatspleite zu vermeiden. dpa

Zypern hatte vor einem Jahr ein internationales Hilfspaket von zehn Milliarden Euro in Anspruch genommen, um eine Staatspleite zu vermeiden.

BerlinZypern setzt angesichts andauernder Probleme seiner Banken für den Notfall auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds. „Ich hoffe, dass die europäische Entscheidung für eine Bankenunion eine Lösung für alle Schwierigkeiten bereithält und der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM jenen Banken, die Probleme haben, zur Verfügung steht“, sagte Präsident Nikos Anastasiadis der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe). Derzeit gehe er aber davon aus, dass das Euro-Krisenland ohne weitere Hilfen von außen auskommen wird und die zyprischen Banken sich „ohne weitere Hilfen“ wieder erholen.

„Es stimmt, dass 45 bis 50 Prozent der vergebenen Kredite derzeit nicht ordnungsgemäß zurückgezahlt werden“, räumte Anastasiadis allerdings ein. Er hoffe aber, dass bei dem größten Geldhaus des Landes, der Bank of Cyprus, trotz Risiken in Milliardenhöhe eine weitere Zwangsabgabe auf Guthaben vermieden werden könne.

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Die höchsten Schulden bei den Banken hätten nicht einfache Kreditnehmer, sondern große Immobilienunternehmer. „Bauunternehmen, Immobilieninvestoren oder Landentwicklungsfirmen schulden den zyprischen Banken riesige Summen, viele Milliarden Euro“, sagte er. Bei denen würden die Geldinstitute ansetzen.

Zypern hatte vor einem Jahr ein internationales Hilfspaket von zehn Milliarden Euro in Anspruch genommen, um eine Staatspleite zu vermeiden. Im Zuge dieser Rettungsaktion waren neben Gläubigern und Eigentümern auch erstmals große Einlagenkunden der in Schieflage geratenen Banken mit hohen Sanierungsbeiträgen zur Kasse gebeten worden.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.03.2014, 12:55 Uhr

Und außerdem hat Zypern irgendwie den Krieg gewonnen und wir diesmal nicht.

Die halten also diese Tributzahlungen für völlig normal.

Account gelöscht!

17.03.2014, 13:00 Uhr

Da werden dann unsere Volksverräter, die derzeit ach so sehr gegen Steuerhinterzieher wetten wieder dafür abstimmen, mit dem Geld ehrlicher Steuerzahler eine Steueroase zu retten. Mich kotzt das inzwischen nur noch an. Irgendwie bin ich einer der letzten Deppen, der seine Steuern auf internat. Projekten im Ausland erwirtschaftet und die ganze Knete dann in Deutschland abdrückt, während meiner Konkurrenten ihr Salär nach Zypern überwiesen bekommen. Wenn unsere Politiker was für den ehrlichen Steuerzahler tun wollen und es mit Steuergerechtigkeit wirklich ernst nähmen, ließen sie Zypern pleite gehen. Aber auch denen geht es nur darum, das Maximum aus den Deutschen raus zu holen.

Account gelöscht!

17.03.2014, 13:38 Uhr

Welches Euro-Schulden-Banken-Land hofft nicht weiterhin auf die uneingeschränkte Bürgschafts- und Zahlungsverpflichtung der deutschen Merkel-Diktat-Regierung!?
Auch Irland wird bald wieder anklopfen....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×