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18.05.2012

17:22 Uhr

Euro-Schuldenkrise

Es sieht düster aus für Spanien

VonDana Heide

Die viertgrößte Bank verstaatlicht, die Kreditwürdigkeit von 16 weiteren herabgesetzt, die Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt. Spanien musste im Mai schwere Schläge hinnehmen. Die Stimmung ist am Boden.

„Stoppt die Zwangsräumungen“, steht auf dem Schild einer Demonstrantin in Barcelona. dapd

„Stoppt die Zwangsräumungen“, steht auf dem Schild einer Demonstrantin in Barcelona.

San Sebastian„Gemeinsam für unsere Zukunft" so lautet seit Februar der Werbeslogan der spanischen Bank Bankia. Heute erscheint dieser Slogan fast satirisch, denn seit einer Woche gehört das Geldinstitut de facto ihren Kunden, der Staat musste als Eigentümer einspringen.

Doch damit nicht genug der schlechten Nachrichten. Am Donnerstag gab die Rating-Agentur Moody's bekannt, dass sie die Kreditwürdigkeit von 16 spanischen Banken  schlechter bewertet - Bankia ist nicht darunter. Die Aktien der großen spanischen Banken starteten daraufhin mit einem Minus in den Handelstag.

Es sieht düster aus für Spanien.

Spanien in der Krise: Keine Ziele und unklare Ansagen

Video: Spanien in der Krise: Keine Ziele und unklare Ansagen

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Das Land steckt in einer Rezession, zwei Quartale in Folge ist die Wirtschaft geschrumpft. Immer mehr Menschen fragen sich, wie die Regierung den Schlamassel wieder gerade biegen will.

Vor allem die Arbeitsmarktreform hat viele Spanier verärgert, Ende März legten bei einem landesweiten Generalstreik Millionen Menschen ihre Arbeit nieder. „Ich verstehe, dass es bei den hohen Schulden des Landes auch Kürzungen geben muss“, sagte damals die 33-jährige Verkäuferin Marta aus San Sebastiàn, einer Touristenstadt in Nordspanien. „Aber nicht mit dieser Reform. Sie nimmt den jungen Menschen ihre Zukunft.“

Mehr Flexibilität, lockerer Kündigungsschutz, geringe Abfindungen - das ist für die konservative Regierung unter Mariano Rajoy die Zauberformel für Beschäftigungswachstum. Dabei gehören die Spanier bereits zu den flexibelsten Europäern. Bereits im Jahr 2010 hatte laut den aktuellsten Zahlen von Eurostat jeder vierte einen befristeten Arbeitsvertrag. Zum Vergleich: In Deutschland hatten im gleichen Zeitraum nur 15 Prozent eine Stelle mit Verfallsdatum, im EU-Durchschnitt waren es 13,8 Prozent.

Kommentare (4)

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doc_johnny

18.05.2012, 18:27 Uhr

Als Deutscher, der ich seit fast 20 Jahren in Spanien lebe, ist es nicht schwer zu wissen, wo die Krise herkommt. Ich habe mir Stein und Bein geschworen, NIE WIEDER einen festen Arbeitsvertrag zu machen. Wer das nicht versteht, dem kann ich nur empfehlen ein Unternehmen in Spanien zu gründen und feste Arbeitsverträge mit den Arbeitnehmern einzugehen; Sie werden ihr blaues Wunder erleben.

In diesem Sinne wundert es mich fast, dass angeblich nur 14% der Arbeitsverträge temporär sind.

Account gelöscht!

18.05.2012, 18:37 Uhr

Wieviele spanische "Hochleistungsakademiker" braucht es denn wohl in Deutschland, um uns ähnlich produktiv wie Spanien werden zu lassen?

Comun

18.05.2012, 19:20 Uhr

@doc-johnny
Sie kennen sich in Spanien aus.
Das kann man vom Autor dieses Artikel nicht behaupten.
Der Arbeitsmarkt in Spanien ist alles andere als flexibel.
Vor allem kleine Firmen und mittelständige Unternehmer sind wesentlich schlechter dran, als in Deutschland.
Schon bei einem Mitarbeiter drohen hohe Abfindungen,
abghängig von den Arbeitsjahren.
Im Krankheitsfall können ebenfalls endlose Kosten entstehen.
Man ünerlegt es sich 1000-mal bis man jemand fest einstellt.
Das ist mit Sicherheit einer der Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit.

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