Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.12.2013

17:31 Uhr

Euro-Schuldenkrise

Griechenland will baldigen Kompromiss mit Troika

Griechenland soll nächstes Jahr aus der Rezession kommen. Doch die Probleme für das Krisenland sind noch lange nicht überwunden. Premier Samaras nutzt einen Brüssel-Besuch für Zusicherungen.

Antonis Samaras (links) am Mittwoch in Brüssel beim Treffen mit EU-Kommissionschef José Manuel Barroso: Der griechische Ministerpräsident wies darauf hin, dass Griechenland im kommenden Jahr die Rezession verlassen werde. AFP

Antonis Samaras (links) am Mittwoch in Brüssel beim Treffen mit EU-Kommissionschef José Manuel Barroso: Der griechische Ministerpräsident wies darauf hin, dass Griechenland im kommenden Jahr die Rezession verlassen werde.

BrüsselGriechenland will die Auseinandersetzung mit der Geldgeber-Troika um weitere Einschnitte bald lösen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr das ganze Paket dieser Verhandlung positiv angehen können“, sagte der griechische Regierungschef Antonis Samaras am Mittwoch in Brüssel nach einem Treffen mit EU-Kommissionschef José Manuel Barroso. Samaras und mehrere Kabinettsmitglieder bereiteten mit der EU-Behörde die griechische EU-Ratspräsidentschaft vor, die am 1. Januar 2014 beginnen und sechs Monate dauern wird.
Die Troika der Geldgeber hatte ihre – schon seit Monaten – laufende Mission in Athen unterbrochen. Wann die Experten in die griechische Hauptstadt zurückkehren werden, ist bisher offen. Samaras ging nicht auf Details der Meinungsverschiedenheiten ein. Griechenland habe einige Haushaltsziele sogar übererfüllt. „Wir sind immer noch auf dem Zug der Verhandlung. Ich würde das nicht als eine Sackgasse beschreiben.“

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Ein fertiger Troika-Bericht ist Voraussetzung für weitere Zahlungen aus dem Hilfsprogramm. Griechenland bekommt insgesamt rund 240 Milliarden Euro Hilfen der Geldgeber, um einen Staatsbankrott zu umschiffen. Der Troika gehören die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds an. Auch Barroso zeigte sich nach der Begegnung zuversichtlich: „Es ist möglich, die derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden.“ Er wies darauf hin, dass Griechenland im kommenden Jahr die Rezession verlassen werde.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rudolfo

04.12.2013, 18:18 Uhr

Ja Griecheland wird nächstes Jahr die Rezession verlassen und die Troika wird wiederkommen. Same Procedure than every year! Weihnachten wird auch nächstes Jahr am 24.12. stattfinden und Griechenland wird auch nächstes Jahr Lippenbekenntnisse und stramme
Absichtserklärungen vorlegen. Passieren wird wie seit 3 Jahren nichts. Schulden zu BIP 176%, darus gibt es kein Entrinnen.

Deutschland und ESF werden zahlen, wie auch in der Vergangenheit und es wird sich nichts ändern.

Originalton und Aussage und Lüge Herr Schäuble 2010: "Die Hilfsprogramme laufen 2012 ja aus.

Schönen Abend noch

r-tiroch@t-online.de

04.12.2013, 19:17 Uhr

350 MRD Schulden mit 240 MRD rettung um wieder bei 365 MRD zu liegen? weil sie auf einem guten Weg sind, muß erneut gerettet werden? mit der nachhaltigen Routineretterei komme ich nimmer mit!

DschingisKhan

05.12.2013, 09:09 Uhr

Griechenland ist doch angeblich auf einem so guten Weg - es wurden doch angeblich sogar Überschüsse erwirtschaftet. Weshalb benötigt es dann schon wieder Milliardenhilfen? Das ist die Gretchenfrage. Wer diese Frage schlüssig beantworten will, kommt wohl nicht umhin, zuzugeben, dass dieser 'Überschuss' nur schön gerechnet werden konnte, weil die Zinszahlungen schlicht nicht berücksichtigt wurden bei der Präsentation dieses 'tollen Erfolges'. Es handelt sich also schlicht wieder einmal um Lug, Betrug und Trickserei. Nothing has changed.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×