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16.06.2011

16:32 Uhr

Euro-Schuldenkrise

Wann springt das Griechenland-Virus über?

VonAnne Grüttner, Katharina Kort, Michael Maisch

Gebannt schauen Portugal, Irland, Italien und Spanien auf das Chaos in Griechenland. Scheitert die Rettungsaktion für Athen, dann wackelt die Refinanzierung aller angeschlagenen Staaten - und die Kettenreaktion beginnt.

Den designierten portugiesischen Premierminister Pedro Passos Coelho erwartet eine schwere Aufgabe. Quelle: Reuters

Den designierten portugiesischen Premierminister Pedro Passos Coelho erwartet eine schwere Aufgabe.

Madrid/Mailand/LondonDer erste Kandidat für eine Ansteckung aus Griechenland ist Portugal - denn wenn Athen umschuldet, dann wird es für Lissabon sehr schwierig, in zwei Jahren mit Auslaufen des gerade vereinbarten, 78 Milliarden Euro starken Rettungspakets wieder an die Finanzmärkte zurückzukehren. Dann müsste vielleicht auch Portugal umschulden.

Soweit die Logik der Anleger, die aus Angst vor diesem Ansteckungseffekt das kleine iberische Land derzeit genauso abstrafen wie die Griechen: Als Portugal gestern drei- und sechsmonatige Schatzpapiere über insgesamt rund eine Milliarde Euro auf dem Markt aufnahm, musste es dafür praktisch den gleichen Zinsaufschlag zahlen wie Griechenland einen Tag zuvor. Die Kosten für Portugals Kreditausfallversicherungen liegen zwar noch deutlich hinter denen Griechenlands, sind in den vergangenen Tagen aber kräftig angezogen.

Laufen die Dinge in Griechenland schief, so „würde das die Glaubwürdigkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus aufs Spiel setzen und die Logik der Hilfsprogramme in Frage stellen, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Irland und Portugal“, argumentiert die Ratingagentur Fitch. Entsprechend seien „Portugal und Irland natürlich daran interessiert, dass ein kurzfristiger griechischer Default vermieden wird“, meint Antonio García Pascual von Barclays Capital.

Abgesehen von der mittel- bis langfristigen Sorge, wann Portugal wieder die Finanzmärkte zu tragbaren Zinsen wird anzapfen können, ist eine Ansteckung auf direkterem Wege im Fall Portugal aber praktisch nicht möglich: Portugiesische Finanzinstitute halten griechische Schuldtitel im Wert von nur 3,6 Milliarden Euro, gerade ein Prozent aller weltweit umlaufenden griechischen Schuldpapiere.

Dennoch fielen die Aktienkurse der drei großen Banken BCP, BPI und BES gestern in den Keller, nachdem die europäischen Finanzminister sich nicht auf eine Lösung für Griechenland hatten einigen können. Auch die Finanzmärkte sind weiterhin geschlossen für die Banken und die Unternehmen des Landes. Immerhin sind im Rahmen des Rettungspakets zusätzliche Liquiditätshilfen für die Banken vorgesehen. Zudem können die Geldhäuser auf die Finanzierung der EZB zurückgreifen.

Der konservative Politiker Pedro Passos Coelho, dessen Partei aus den Wahlen Anfang Juni als Sieger hervorging, wurde indes gestern offiziell vom Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva zum neuen portugiesischen Regierungschef ernannt. Heute soll der Koalitionsvertrag mit der christdemokratischen Partei CDS unterzeichnet werden. Die neue Regierung will die Amtsgeschäfte noch vor dem 23. Juni übernehmen, wo Passos Coelho Portugal bereits beim EU-Gipfel in Brüssel vertreten soll. Schon Ende Juli kommt die Troika aus EU, EZB und IWF-Vertretern erstmals nach Lissabon, um die Einhaltung der ersten Umsetzungsphase des Rettungspakets zu überprüfen.

Kommentare (14)

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Petra

16.06.2011, 17:14 Uhr

Kaum ein EU-Land kann seine Zinsen noch begleichen. Die meisten EU-Länder finanzieren sich über EU-Gelder, die von wenigen Geber-Ländern stammen. EU-Beitrittskandidaten sind im Regelfall ebenfalls Netto-Zahlungsempfänger. Durch das Griechenland-Beispiel erkennen die Beitrittskandidaten wie leicht die Finanzierung über die EU ist.
Statistiken so lange manipulieren, bis die Beitrittskriterien erfüllt sind. Einige Jahre geschönte Zahlen an die EU liefern und mit Krediten die Wirtschaft stimulieren. Irgendwann erklären, daß die Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllt werden können und auf die lockere Geldvergabepolitik der Geberländer schimpfen, die an allem Schuld sind. Krönung ist dann noch die Forderung von Entschädigungszahlungen oder Kreditverzichten, was auf das Gleiche rauskommt. Die Politiker dieser Länder haben das Spiel der Politik verstanden. Die Politiker der Geberländer leider nicht!

Ondoron

16.06.2011, 17:23 Uhr

Aber selbstverständlich wird es so kommen. Und alle sollen wissen: Das ist genau die Situation, die Prof. Hankel schon vor 10 Jahren vorhergesagt hat. Reichlich merkwürdig, dass das immer noch in arroganter Weise ignoriert wird.
Wer von der Situation überrascht ist, lebt im Wolkenkuckucksheim - technokratengleich. Wie früher die Betonköpfe im Ostblock.
Aber langsam wird es ja Mainstream. Die Katastrophe entwickelt sich. Aber das wirklich Dramatische ist, dass es sich nicht mehr ändern lässt. Der Staatsbankrott auch Deutschlands zeichnet sich ab!

FREIDENKER

16.06.2011, 17:46 Uhr

Rettungspaket, Rettungsplan, Rettungsschirm, Marschallplan…und wie nennen unsere Politiker das Kind Morgen?


Kann ein europäischer Marschallplan die Lösung sein?


Haben Griechenland und andere EU-Nettoempfänger-Staaten in der Vergangenheit keine finanzielle Unterstützung (Solidarität) von uns erhalten?


Waren die ca. 70 Millarden Euro Subventionszahlungen die Griechenland seit es EU-Mitglied ist (bei Spanien sind es gar stolze ca. 150 Millarden) erhalten hat, kein XXL-Marschallplan?


Haben diese schon geleisteten Zahlungen nicht bewiesen, dass sich trotzt Subventionszahlungen in Millardenhöhe bestimmte Mentalitäten und Lebensweisen anderer Völker nicht ändern lassen? Griechenland war bereits bei dem realen US-Marschallplan von 1948-1952 Leistungsempfänger wie auch Deutschland und weitere 14 Länder (siehe wikipedia).


Warum sollen 27 befreundete und sich respektierende Nachbarn ihr eigenens Haus aufgeben und in eine grosse Wohngemeinschaft ziehen?


Kann eine politisch erzwungene Wohngemeinschaft, in der man dank gegebener Kulturunterschiede ständig mit seinen 26 Mitbewohnern Kompromisse eingehen muss, ein Ort des friedlichen Zusammenlebens darstellen?


Hat uns die Vergangenheit nicht schon mehrfach gezeigt ( siehe UDSSR, Jugoslavien, Kalmarer-Union….usw.), dass politisch erzwungene Länder-Unionen sich am Ende wieder trennen und es dabei häufig in Gewalt und Hass enden?


ZENSUR IN DEUTSCHEN MEDIEN


In den Schein-Medien welt.de, Zeit.de, faz.net, focus.de werden meine Kommentare nicht veröffentlicht, bzw. gelöscht....wie man es sonst nur aus Ländern wie China erwartet!

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