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14.10.2013

16:10 Uhr

Euro-Sorgenkind

Irlands Wirtschaft steht weiter auf wackligen Beinen

Das erste Land, das unter den EU-Rettungsschirm flüchten musste, schlüpft nun als erstes wieder darunter hervor. Bis die irische Volkswirtschaft wieder zu alter ökonomischer Stärke zurückfindet, wird es aber noch dauern.

Irland soll ab Mitte Dezember diesen Jahres nicht mehr auf Hilfskredite aus dem EU-Rettungsschirm angewiesen sein. dpa

Irland soll ab Mitte Dezember diesen Jahres nicht mehr auf Hilfskredite aus dem EU-Rettungsschirm angewiesen sein.

Dublin/DüsseldorfErfolgsgeschichten in der Euro-Rettung sind rar und spärlich gesät. Umso größer ist die Freude, dass Irland ankündigt, als erstes Land den EU-Rettungsschirm verlassen zu wollen. Vom 15. Dezember an sei es soweit, kündigte Ministerpräsident Enda Kenny an. Irland nimmt wieder selber Schulden an den Kapitalmärkten auf. Neue Hilfskredite soll es nicht geben. Die „wirtschaftliche Notstandssituation“ in seinem Land sei vorbei, sagte Kenny.

Doch täuschen lassen darf man sich davon nicht. Die irische Volkswirtschaft, die vor Ausbruch der Eurokrise aufgrund eines Wirtschaftsaufschwungs als keltischer Tiger galt, steht immer noch auf wackligen Beinen. Eine Rückkehr zur einstigen ökonomischen Stärke scheint bis auf weiteres nicht in Sicht.

EU-Kommissar Olli Rehn erinnerte die Regierung am Montag allerdings daran, dass Irland vor seinem endgültigen Abschied aus dem Hilfsprogramm Auflagen erfüllen muss. Besonders wichtig seien die noch laufenden Stresstests für Irlands Banken, sagte Rehn am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Luxemburg.
Selbst Kenny musste bei allem Stolz zugeben, dass dem Land weiter unsichere Zeiten bevorstehen: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns.“ Er lobte das „große Opfer“ seiner Landsleute, stimmte sie damit aber gleichzeitig darauf ein, noch ein bisschen durchzuhalten.

Krisenländer im Check

Portugal

- LICHT: Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er-Jahren. Doch der Abwärtsstrudel verliert an Stärke: Die Arbeitslosenquote sank im Mai und im Juni, das Geschäftsklima hellte sich sieben Monate in Folge auf. Die gesamte Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 1,1 Prozent, es war das erste Plus seit rund zweieinhalb Jahren.

- SCHATTEN: Die jüngste Regierungskrise hat Investoren verunsichert und Zweifel geschürt, dass sich Portugal ab Mitte 2014 wieder vollständig über den Finanzmarkt finanzieren kann. Nur ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro bewahrte das Land vor der Staatspleite.

Zypern

- LICHT: Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds hat dem Euro-Land jüngst Fortschritte bei der Sanierung seines Staatshaushalts bescheinigt. Die internationalen Geldgeber müssen Zypern mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite retten.

- SCHATTEN: Wegen des harten Sparkurses als Gegenleistung für das Rettungspaket steht Zypern konjunkturell noch ein tiefes Tal bevor. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt stetig auf gut 17 Prozent – dies ist hinter Griechenland, Spanien, und Portugal der höchste Wert in der EU. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission ein Minus von 8,7 Prozent voraus.

Irland

- LICHT: Die Immobilienkrise, die das Land in den Abgrund getrieben hat, nähert sich ihrem Ende. Die Hauspreise stiegen im Juni erstmals seit Ausbruch der Misere wieder, und zwar um durchschnittlich 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Sie waren seit 2008 um rund 50 Prozent eingebrochen. Dadurch erlitten die Banken des Landes milliardenschwere Verluste. Sie mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum den Staat an den Rand der Pleite trieb. Da die Regierung zahlreiche Reformen umgesetzt hat, hob die Rating-Agentur S&P ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ an.

- SCHATTEN: Die Konjunktur läuft schlechter als erwartet, die Wirtschaft schrumpfte zuletzt drei Quartale in Folge. Die Notenbank senkte deshalb ihre Wachstumsprognose für 2013 von 1,2 auf 0,7 Prozent. Damit wird es auch schwerer, das Defizit wie geplant auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.


Frankreich

- LICHT: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone galt zuletzt als Sorgenkind. Nun verließ das Land aber die Rezession – und das mit deutlich mehr Schwung als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie erwartet.

- SCHATTEN: Die Lage bleibt fragil. Die Regierung in Paris hatte zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 leicht schrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Zudem hat die Regierung Mühe, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Präsident François Hollande, dessen Popularität auf Tiefstwerte gerutscht ist, räumte kürzlich ein, Frankreich könnte sein Defizitziel von 3,7 Prozent der Wirtschaftskraft 2013 verfehlen. Der Internationale Währungsfonds legte Frankreich bereits nahe, aus Rücksicht auf die Konjunktur die Haushaltskonsolidierung abzubremsen.


Italien

- LICHT: Auch Italien hat ein Ende der Rezession vor Augen. Von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft zwar das achte Quartal in Folge, mit 0,2 Prozent aber nur halb so stark wie befürchtet. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass Italien der Dauer-Rezession in den Sommermonaten entkommen kann: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wuchs im Juni mit 0,3 Prozent den zweiten Monat in Folge, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Einzelhandelsumsatz legte nach 14-monatiger Pause zuletzt wieder zu. Und auch die Kauflaune der Verbraucher besserte sich.

- SCHATTEN: Die schwache Konjunktur gefährdet die Sanierung des Haushalts. Im Juli lag das Defizit bei fast neun Milliarden Euro. Italien ist damit weit davon entfernt, die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftskraft zu drücken. Gefährdet wird die Erholung auch von politischer Instabilität. Die Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit und der linken Demokratischen Partei hing zuletzt am seidenen Faden. Mit Warnungen vor einem Bürgerkrieg und Rücktrittsforderungen von Ministern und Abgeordneten machte das rechte Lager gegen die Verurteilung Berlusconis Front, der vom Obersten Gerichtshof zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verdonnert worden war.

Spanien

- LICHT: Das Land nähert sich dem Ende der Dauer-Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Juli den fünften Monat in Folge – um knapp 65.000 auf 4,7 Millionen. Hauptgrund dafür ist der Aufwind der Tourismusindustrie, die in der Ferienzeit viele zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Die Branche macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

- SCHATTEN: Die Industrie kommt nicht auf die Beine. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Juni bereits den 22. Monat in Folge. Der Rückgang zum Vorjahresmonat fiel mit 1,9 Prozent sogar deutlicher aus als erwartet. Sorgen bereitet zudem das hohe Defizit. Der Staat musste bereits mehrfach den Reservefonds der Sozialversicherung anzapfen, um Pensionszahlungen leisten zu können. Spanien leidet immer noch unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückpreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Griechenland

- LICHT: Der Tourismus brummt wieder. In diesem Jahr werden 17 Millionen Urlauber erwartet und damit so viele wie noch nie. Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen kommt das Land langsam voran. Der Primärhaushalt – bei dem die Zinskosten nicht berücksichtigt werden – wies in den ersten sieben Monaten völlig unerwartet einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro aus.

- SCHATTEN: Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 4,6 Prozent so langsam wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Doch das reicht längst nicht aus, um neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit 27,4 Prozent sehr hoch. Die Zentralbank geht davon aus, dass sie noch bis auf 28 Prozent steigen wird. Erst 2015 soll sie zurückgehen.

Der Grund: Im Haushalt für das kommende Jahr, den Finanzminister Michael Noonan morgen vorstellt, geht es ein weiteres Mal zur Sache. Kürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 2,5 Milliarden Euro stehen an. Erwartet wird, dass das Geld vor allem aus Änderungen bei der Besteuerung von Wohneigentum, aber auch bei der Sozialversicherung und der Sozialhilfe kommen wird. Es sei der letzte „wirklich harte“ Sparhaushalt, erklärte die Regierung, doch die Wut und Sorgen der Iren beruhigt das nicht. Sie finden, Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen seien in den vergangenen Jahren unverhältnismäßig stark getroffen worden.

Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsfirma Grant Thornton zufolge hat eine irische Familie im im Monat durchschnittlich 300 Euro weniger auf dem Konto als im Jahr 2008. Konkret bedeutet das: Eine Familie, in der beide Partner 40.000 Euro im Jahr verdienen, muss ein monatliches Minus von 511 Euro hinnehmen. Alleinerziehende mit einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro haben seit 2008 Steuererhöhungen von 125 Prozent erlebt.

Die Finanzkrise 2008 hatte Irland ökonomisch ins Wanken gebracht. Im November 2010 war es als erstes Land mit Finanzhilfen in Höhe von 67,5 Milliarden Euro aus dem offiziellen Rettungsschirm von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) gerettet worden. Insgesamt beläuft sich das Volumen auf 85 Milliarden Euro, von denen Irland 17,5 Milliarden Euro selber aufbringen musste. Seitdem folgte ein Sparhaushalt auf den nächsten. Im September hatte Irland die Rezession verlassen. Es geht aufwärts – aber nur langsam.

Von

dpa

Kommentare (1)

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14.10.2013, 17:19 Uhr

O-Ton Handelsblatt-Überschriften-Troll
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Das erste Land, das unter den EU-Rettungsschirm flüchten musste, schlüpft nun als erstes wieder darunter hervor.
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Griechenland ist im April 2010 unter den Rettungsschirm geschlüpft, Irland im Dezember 2010.

...

Es ist einfach nicht zu fassen.

Selbst einfache zeitliche Abläufe richtig darzustellen ist offensichtlich zuviel verlangt von dieser Redaktion.

Stattdessen ein Artikel voller Belanglosigkeiten:

"Eine Familie, in der beide Partner 40.000 Euro im Jahr verdienen, muss ein monatliches Minus von 511 Euro hinnehmen."

Mir kommen die Tränen.

Wenigstens müssen sich diese armen Leute nicht vor Lampedusa ins Mittelmeer stürzen.

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