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29.08.2014

12:23 Uhr

Euro-Zone

Preise steigen kaum – Sorgen vor Deflation wachsen

0,3 Prozent – die Teuerungsrate in der Euro-Zone ist auf den niedrigsten Wert seit fast fünf Jahren gefallen. Das Zwei-Prozent-Ziel gerät in immer weitere Ferne. Der Druck auf die EZB steigt.

Die Preise in der Euro-Zone steigen kaum noch – die EZB gerät immer mehr unter Druck. dpa

Die Preise in der Euro-Zone steigen kaum noch – die EZB gerät immer mehr unter Druck.

Luxemburg/BrüsselDie Preise in der Euro-Zone steigen kaum noch und nähren damit die Sorgen vor einer Deflation. Die Teuerungsrate fiel im August auf 0,3 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit Oktober 2009, als die Preise im Strudel der globalen Finanzkrise sogar gefallen waren. Schon im Juli hatte die Inflationsrate bei nur noch 0,4 Prozent gelegen. Die Entwicklung verstärkt den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), ihren Kampf gegen Deflationsrisiken zu forcieren.

„Die Inflation fällt und fällt. Das Notenbank-Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent liegt in weiter Ferne“, betont Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Teuerungsrate wird insbesondere durch sinkende Energiekosten im Zaum gehalten. Sie fielen im Durchschnitt um 2,0 Prozent. Werden sie ausgeklammert, ergibt sich eine Inflationsrate von 0,6 Prozent. Dies ist zumindest ein Lichtblick für die Währungshüter, da der Wert im Juli noch einen Tick niedriger gelegen hatte.

In Deutschland liegt die Teuerung mit 0,8 Prozent etwas höher als im Euroraum. In Spanien fielen die Preise hingegen um 0,5 Prozent zum Vorjahr - der niedrigste Wert seit fast fünf Jahren. Dennoch sieht die Regierung in Madrid das Land nicht in der Deflation. Die fallenden Energiepreise verzerren ihrer Ansicht nach das Bild, das sich bereits Ende des Jahres wieder aufhellen soll. In Italien, das anders als Spanien die Rezession nicht abschütteln konnte, sinken die Preise ebenfalls.

Meilensteine der EU

25. März 1957

Die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlanden schließen die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM).

1968

Die Länder der EWG vollenden den Binnenmarkt und schaffen alle Zölle auf gegenseitige Exporte und Importe ab.

1. Januar 1973

Dänemark, Irland, Großbritannien und Nordirland treten der EWG und EURATOM bei.

1. Januar 1981

Griechenland tritt der EWG bei.

1. Januar 1986

Portugal und Spanien treten der EWG bei.

7. Februar 1992

Maastrichter Vertrag über die Europäische Union. Die europäische Zusammenarbeit wird über die Politik hinaus auf Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Verbraucherschutz, Industrie, Entwicklungshilfe, Außen- und Sicherheitspolitik, Justiz und Inneres erweitert. Außerdem wird die Gründung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro beschlossen.

1. Januar 1995

Österreich, Schweden und Finnland treten der Europäischen Union bei.

16 März 1995

Inkrafttreten des Schengener Abkommens über den Wegfall der Personenkontrollen an den Binnengrenzen.

1. Januar 1999

11 EU-Länder führen die Gemeinschaftswährung Euro ein – darunter Deutschland. Zunächst als Buchgeld, ab 1. Januar 2001 mit eigenen Münzen und Scheinen.

1. Mai 2004

Die EU erweitert sich nach Osten und nimmt Polen, Tschechien, Ungarn die Slowakei, Slowenien und die drei baltischen Staaten auf. Außerdem treten Zypern und Malta der EU bei.

1. Januar 2007

Bulgarien und Rumänien werden EU-Mitglied.

10. Dezember 2012

Die EU erhält den Friedensnobelpreis wegen ihres Beitrags zur Förderung von Frieden, Versöhnung und Demokratie.

Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi wollen vermeiden, dass es in der Euro-Zone zu einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen kommt. Eine solche Deflation kann eine Wirtschaft lähmen, wie Japan schmerzlich erfahren musste. Deren Notenbank stemmte sich dagegen und heizte mit massiven Geldspritzen die Inflation wieder an. Die EZB, die am Donnerstag zu ihrer Zinssitzung zusammenkommt, hat ein ähnliches Rezept in der Schublade und will es notfalls auch einsetzen.

Die Wirtschaft stagnierte zuletzt und ist nach Draghis Worten auf einem holprigen Pfad der Erholung. Dies zeigt auch die Lage am Jobmarkt. Sie hellte sich zuletzt nicht weiter auf. Die Arbeitslosenquote für die 18 Staaten im Währungsraum verharrte im Juli bei 11,5 Prozent. Rund 18,4 Millionen Männer und Frauen waren dabei offiziell auf Jobsuche. Damit stieg die Zahl der Arbeitslosen zum Vormonat zwar minimal, sank aber binnen Jahresfrist um 725.000.

Am niedrigsten ist die Quote - nach vergleichbarer EU-Rechnung - in Deutschland und Österreich mit 4,9 Prozent, am höchsten in Griechenland (27,2 Prozent im Mai) und Spanien (24,5 Prozent). Deutlich höher ist die Arbeitslosigkeit bei jungen Frauen und Männern, obwohl es auch hier Lichtblicke gibt. Rund 3,33 Millionen Jugendliche unter 25 Jahren hatten im Juli keinen Job und somit 226.000 weniger als im Vorjahr. Damit blieb die Arbeitslosenquote zum Juni unverändert bei 23,2 Prozent, einen niedrigeren Wert hatte es zuletzt vor rund zwei Jahren gegeben.

Von

afp

Kommentare (2)

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Frau Dagmar Kohlrausch

29.08.2014, 14:40 Uhr

Warum will man uns 2% Inflation für gut verkaufen. Wünschenswert für Normalverdiener ist eine Null, das gibt Sicherheit. Aber das passt natürlich nicht zu unserem Fiatgeldsystem.

Herr Manfred Zimmer

29.08.2014, 20:05 Uhr

Wäre es nicht an der Zeit einmal einen Kassensturz zu wagen?

Wem hat die EZB-Politik genützt? Was hat ihre Politik diesen Begünstigten gebracht?

Wem hat die EZB-Politik geschadet? Was hat ihre Politik diesen Geschädigten gebracht?

Weshalb gibt es eine derartige Institution ohne Aufsicht?

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