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27.01.2010

17:03 Uhr

Euro-Zone

Roubini sagt Zerfall voraus

Der renommierte New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini stimmt in den Chor der Euroskeptiker ein: Er sei noch nie so pessimistisch gegenüber der Gemeinschaftswährung eingestellt gewesen wie jetzt, sagte er in einem Interview am Rande des World Economic Forum in Davos.

Nouriel Roubini: „In weiterer Ferne, nicht in diesem oder im nächsten Jahr, könnte die Währungsunion auseinanderbrechen.“ ap

Nouriel Roubini: „In weiterer Ferne, nicht in diesem oder im nächsten Jahr, könnte die Währungsunion auseinanderbrechen.“

gof/blo DAVOS. „In weiterer Ferne, nicht in diesem oder im nächsten Jahr, könnte die Währungsunion auseinanderbrechen. Die Risiken steigen“, erklärte der Starökonom. Neben Griechenland nannte Roubini auch Spanien als Beispiel für eine Volkswirtschaft in der Euro-Zone, die durch haushaltspolitische Ungleichgewichte und fallende Wettbewerbsfähigkeit gekennzeichnet ist. „Die Euro-Zone könnte im wesentlichen auf eine Spaltung hinauslaufen. Ein starkes Zentrum und eine schwache Ländergruppe an der Peripherie; und eines Tages könnten einige Länder die Währungsunion verlassen“, sagte der Ökonom, der bereits ein Jahr vor der Finanzkrise vor ihrem Ausbruch gewarnt hatte.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, erteilte jüngst solchen Überlegungen eine klare Absage. Es sei eine „absurde Hypothese“, dass Griechenland zum Ausstieg aus der Euro-Zone gezwungen sein könnte, so Trichet. Griechenland selbst denkt nicht daran, die Gemeinschaftswährung aufzugeben. Laut Notenbankchef Giorgos Provopoulos soll das Land in der Euro-Zone bleiben, denn seine Probleme seien dort „eindeutig einfacher zu lösen“, sagte Provopoulos in einem Beitrag für die „Financial Times“. Der Minister argumentierte, ein Verbleib in der Euro-Zone sei der Abwertung einer neuen Landeswährung vorzuziehen, da dies eine steigende Inflation und steigende Zinssätze nach sich ziehen würde.

In Davos wurde Roubini seiner Rolle als Kassandra gerecht. Die Konjunkturprognose des IWF vom Vortag sei zu optimistisch. Für die zweite Jahreshälfte rechnet er mit einer Abkühlung des Wachstums in den USA, Europa und Japan. „Wachsende Arbeitslosigkeit, hohe Staatsschulden und ein schwacher Konsum prägen die Entwicklung“. Die Gefahr eines „double dips“, eines erneuten krisenhaften Wachstumseinbruchs, sei immer vorhanden. Kritisch sieht Roubini auch die US-Finanzen: Die „extreme Verschuldung“ stelle ein enormes Risiko für die Weltwirtschaft dar.

Kommentare (9)

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Dr. Becker

27.01.2010, 18:24 Uhr

O si tacuisses!

BackermeisterBullerjahn

27.01.2010, 19:05 Uhr

bezahlte Schlechtredner, um dem Dollar seine Rolle als Weltwährung zu sichern, durch die USA. Ja, es gibt andere Währungen, die sich anschicken den Dollar aus seiner Rolle als Leitwährung zu drängen. Obwohl auch ich kein Freund des Euro bin, jetzt erst recht.
bush jr. fing bekanntlich seinen Unrechtskrieg an, weil Saddam drohte seine Lieferungen in Euro abzurechnen. Als mehrere Attentatsversuche gescheitert waren half nurmehr ein Krieg. Derart primitive Methoden müssen in der Weltpolitik ein Ende finden.

EuroExperte

28.01.2010, 13:18 Uhr

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hat dem Anschein nach keine Ahnung. Jeder Ökonom weiß ganz genau, dass eine zentrale Währung zwischen unterschiedlich starken Volkswirtschaften blödsinn ist, weil das Ventil der Wechselkurse blockiert. Das geht nur solange gut, wie massive Zahlungen der reichen Volkswirtschaften an die armen geht. Gerade wir Deutschen führen das "Experiment" seit 20 Jahren mit der Wiedervereinigung durch. Wir sollten es eigentlich besser wissen. Portiert man die deutsch- deutschen finanziellen Transferzahlungen in ihrer Höhe auf die europäischen Ebene dürfte schnell klar werden, dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren kann.Spätestens dann, wenn größere Kandidaten wie Spanien oder italien an die finanzielle Unterstützungstür klopfen. Es sei denn, die starken Länder sind bereit schwächere Mitgliedsländer bedingungslos zu unterstützen. Das geht nur dann, wenn die nationalen Regierungen ihre bürgern massivst belasten, bis hin zur Selbstaufgabe. Das kann politisch in diesen Zeiten aber nicht durchgesetzt werden. Gott sei Dank. So gesehen war die europäische Währung ein netter aber zu tiefst teurer Versuch, insbesondere für Deutschland. Raus aus dem Euro, lieber gestern als heute, mit all seinen Konsequenzen.

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