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27.03.2013

14:27 Uhr

Euro

Zypern gibt Malta eine Lektion mit auf den Weg

VonRegina Krieger

Die winzige Insel Malta hat große Banken. So wie Zypern. Daher interessiert die Malteser das Gezerre um die Zypern-Rettung brennend. Ein ähnliches Schicksal wollen sie verhindern, an ihrem Finanzsektor aber festhalten.

Malta will das Schicksal Zyperns verhindern - an seinem großen Finanzsektor aber festhalten.

Malta will das Schicksal Zyperns verhindern - an seinem großen Finanzsektor aber festhalten.

Die Verhandlungen um das Rettungspaket für Zypern wird der maltesische Finanzminister Edward Scicluna so schnell nicht vergessen. „Es gibt nichts unwürdigeres als der Anblick einer bankrotten Person, die um Hilfe bettelt“, schrieb er drei Tage nach dem ersten nächtlichen Verhandlungsmarathon in einem Gastbeitrag für die größte maltesische Tageszeitung „Times of Malta“. Das Einlenken seines zyprischen Amtskollegen erklärt er sich wie folgt. Ihm sei die „Pistole an den Kopf“ gesetzt worden. Nach zehnstündigen Verhandlungen sei er dann körperlich und geistig so erschöpft gewesen, dass er dem Abkommen zugestimmt habe.

Scicluna hat aus dem Gezerre um die Zypern-Rettung einen Schluss gezogen: „Niemals im Leben möchte ich in eine ähnliche Situation kommen.“ Auf dem Papier gibt es jedoch frappierende Parallelen zwischen beiden Mittelmeerinseln: So ist der Bankensektor auf Malta gemessen an der Wirtschaftsleistung noch größer als der auf Zypern. Die Bilanzsumme des Finanzsektors ist 7,9 Mal so groß wie die Wirtschaftsleistung – auf Zypern ist er 7,2 mal so groß.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Im kleinsten Mitgliedsstaat der Europäischen Union, mit einer Einwohnerzahl von rund 420.000 so groß wie etwa Duisburg oder Stettin, wächst daher die Sorge, in den Sog der Zypern-Krise zu geraten. „Zypern ist eine Fallstudie dafür, wie man mit einem kleinen mediterranen EU-Staat umgeht, wenn er jemals in die Lage geraten sollte, von den Nachbarstatten Hilfe zu brauchen,“ schreibt Scicluna.

Zwischen zyprischen und maltesischen Banken gibt es auch Kapitalverflechtungen. Die zweitgrößte zyprische Bank Laiki ist mit 49 Prozent an der maltesischen Lombard Bank beteiligt. Die Abwicklung der Laiki Bank habe jedoch keinerlei Konsequenzen für Malta, erklärt Joseph Said, CEO der maltesischen Lombard Bank. „Ein Aktionär wie jeder andere auch“, sagt Said dazu nur. Die Mehrheit an der Bank halten maltesische Investoren. Ein Verkauf der Anteile müsse von der Finanzaufsicht MFSA genehmigt werden.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Kommentare (19)

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oeflingen

27.03.2013, 14:48 Uhr

Das Geschäftsmodell, mit Niedrigsteuern aus anderen EU-Ländern Geld abzuziehen, aber wenn's schief geht, auf deutsche Solidarität in Form von Steuergeldern zu pochen, wird weder in Malta noch Irland auf Dauer funktionieren.

Vicario

27.03.2013, 14:55 Uhr

Zitat : „Die Situation in Zypern bietet uns die große Möglichkeit, aus Malta ein Finanz-Portal für Europa für Investoren aus Russland, China und den arabischen Staaten zu machen. Wir müssen solche Investoren anziehen mit hohen Standards und aus Malta ein Singapur machen“, schreibt ein Kommentator in der „Times of Malta“ am Tag nach der Zypern-Lösung

Da können die Malteser lange träumen.....die Russen werden niemals mehr ihre Gelder in einem Land des €-Raumes deponieren !

Übrigens ist das Klischee mit "Schwarzgeld" und Russischer Mafiageldwäsche ein Märchen aus den Anfängen der 90-er Jahre !

Die Russen hatten den Finanzplatz Zypern aus einem ganz anderen Grund stark gemacht :

und dieser Grund heißt "VERLÄSSLICHES RECHTSSYSTEM" auf britischer Basis.

In Russland selbst hinkt die Gesetzgebung der Entwicklung hinterher und ist durchkorrumpiert.

Deswegen werden sich Russen aus Zypern in den Anglo-sächsischen Raum verziehen...z. B. Vergin-Islands zu UK !

Den Chinesen und Arabern ist das Fiasko mit dem "Langen Arm" der EUtopia-Dilettanten auch nicht entgangen...!

Also kann Malta erst mal ruhig schlafen.....und nachdenken, wie es ihnen gehen wird, wenn sie bei der EU Hilfe beantragen sollten...!

Hermosa

27.03.2013, 14:57 Uhr

Es wird auf Dauer nicht funktionieren!

Nur, wer fragt uns, deutsche Bürger schon!

Die Bürger müssen in Abstimmungen mit einbezogen werden....es ist schließlich auch unser Geld!

Ja zur Volksabstimmung!

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