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25.05.2012

11:38 Uhr

Eurobonds

Weidmann lehnt Hollandes Vorschläge ab

Jens Weidmann lehnt die Vorschläge des neuen französischen Präsidenten Francois Hollande größtenteils ab. Eurobonds könnten die aktuelle Finanzkrise in Europa nicht lösen, sagte der Bundesbankchef in einem Interview.

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, in der Chefetage der Bundesbank in Frankfurt. dpa

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, in der Chefetage der Bundesbank in Frankfurt.

BerlinIn einem zunächst im Internet veröffentlichten Interview der Pariser Zeitung "Le Monde" vom Freitag reagierte der deutsche Notenbanker erwartungsgemäß unterkühlt auf die französische Idee, mit gemeinschaftlichen Anleihen im Euroraum zur Beruhigung der Krise beizutragen. "Der Glaube, dass Euro-Bonds die aktuelle Krise lösen könnten, ist eine Illusion."

Eine Vergemeinschaftung der Refinanzierungskosten der Euro-Länder könne erst am Ende eines langen Prozesses stehen, zu dem Vertrags- und Verfassungsänderungen gehörten. Schließlich gehe es dabei am Ende um eine Haushaltsunion. "Man vertraut anderen doch seine Kreditkarte nicht an, wenn man nicht die Möglichkeit hat, deren Ausgaben zu kontrollieren." Hollande sieht in gemeinsamen Anleihen ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der Euro-Zone. Schon sein Vorgänger Nicolas Sarkozy war damit bei den Deutschen abgeblitzt.

Weidmann erklärte in dem Interview, sollte es jemals zu einer Art Haushaltsunion kommen, müssten die beteiligten Staaten einen Teil ihrer Souveränitätsrechte abtreten. Allerdings fehle dafür die demokratische Legitimation. "Selbst in Staaten wie Frankreich, wo sich Regierungen für Euro-Bonds stark machen, kann ich weder eine dafür notwendige öffentliche Debatte noch eine Unterstützung der Bevölkerung für eine Übertragung von Souveränität erkennen."

Auch auf den Vorschlag des französischen Präsidenten, die Europäische Zentralbank (EZB) solle mehr für das Wachstum tun, reagierte Weidmann ablehnend: "Wir sind bereits an die Grenzen unseres Mandats gestoßen, insbesondere mit den unkonventionellen Maßnahmen. Letztlich sind das Risiken, die die Steuerzahler tragen - namentlich in Frankreich und Deutschland." Frankreich wünscht sich traditionell eine aktivere EZB, während sich in der deutschen Tradition die Zentralbank darauf konzentrieren soll, stabile Preise zu gewährleisten.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

25.05.2012, 11:54 Uhr

Amen

PRAWDA

25.05.2012, 12:02 Uhr

Wenigstens macht Weidmann das Maul unmißverständlich auf. Die SPD konterkariert die Politik der deutschen Regierung mit Auftritten mit Hollande gegen die Interessen der deutschen Bevölkerung. Plastischer ist absoluter HOCHVERRAT nicht mehr erfahrbar!

Dr.NorbertLeineweber

25.05.2012, 12:06 Uhr

Bravo Herr Weidmann ! Bleiben Sie standhaft und geben Sie der Kanzlerin bitte Argumentationshilfe und Rückendeckung. Hollande will sich als Billigzins-Schmarotzer durch seine Krise lavieren. Da kann man nur die rote Karte zeigen! Jedes Land soll den Bond haben, den es sich verdient hat. Basta. Alles andere dient der Ausheblung von Marktkräften, die vollkommen zurecht die desolate Finanz-und Wirtschaftspolitik des letzten Jahrzehntes abstrafen müssen. Den Spruch: "Mein Name ist Bond, James Bond äähh Hollande Bond", darf es nicht geben.

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