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27.02.2017

14:06 Uhr

Eurogruppen-Chef vor der Abwahl?

Dijsselbloem mit dem Rücken zur Wand

Sein Einstieg als Eurogruppen-Chef war holprig. Doch mittlerweile hat sich der niederländische Finanzminister Dijsselbloem als nüchterner Moderator Respekt erarbeitet. Jetzt steht seine Karriere in Brüssel auf dem Spiel.

Dem Chef der Eurogruppe droht mit seiner Partei bei den Wahlen in den Niederlanden das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Reuters, Sascha Rheker

Jeroen Dijsselbloem

Dem Chef der Eurogruppe droht mit seiner Partei bei den Wahlen in den Niederlanden das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte.

BrüsselJüngst zollte ihm selbst Wolfgang Schäuble Respekt: „Der hat gute Arbeit geleistet“, sagte der knarzige Bundesfinanzminister über Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Kurz zuvor hatte der niederländische Minister und Vorsitzende eines der wichtigsten Finanzgremien der Welt wieder einmal durch geschickte Vermittlung einen Teilerfolg im Kampf gegen die griechische Schuldenkrise möglich gemacht. Bei der nahenden Wahl in seinem Heimatland steht Dijsselbloem mit seiner sozialdemokratischen Partei allerdings mit dem Rücken zur Wand: Eine Niederlage dort könnte ihn auch seinen Job in Brüssel kosten.

Im Moment zumindest sieht es für den schlanken Mann mit dem dunklen Lockenschopf alles andere als gut aus. Seiner Partei für die Arbeit droht bei der Wahl am 15. März das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Bei der Wahl 2012 hatte sie überraschend knapp 25 Prozent der Stimmen erreicht, 38 der 150 Sitze in der Zweiten Kammer des Parlaments. Doch nun sagen ihr die Umfragen etwa 13 Mandate oder 8 Prozent voraus. Ob Dijsselbloem sein Amt behalten kann, scheint mehr als fraglich.

Wer kann Den Haag regieren?

Wilders wird Ministerpräsident

Das ist faktisch ausgeschlossen. Wilders PVV könnte nur dann allein regieren, wenn sie 76 der 150 Mandate erringt. In den Umfragen liegt die PVV aber zur Zeit bei etwa 27. Doch in eine Koalition will keine Partei mit ihm treten. Mit einer Ausnahme: die Seniorenpartei 50plus. Die aber kann höchstens auf maximal 10 Sitze hoffen, bei weitem nicht genug, um mit Wilders eine Mehrheit zu erzielen.

Premier Rutte macht´s wieder

Der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte hat beste Chancen, erneut eine Regierung zu bilden. Das wäre dann die dritte unter seiner Leitung. Doch dazu braucht er mindestens drei Partner. Seine VVD liegt zur Zeit mit rund 16 Prozent oder 23-27 Sitzen auf Platz zwei in den Umfragen. Mögliche Partner wären die christdemokratische CDA und die linksliberale D66. Doch das reicht noch nicht aus. Für eine stabile Mehrheit müsste noch Ruttes bisheriger Koalitionspartner, die sozialdemokratische Partei für die Arbeit mitmachen. Doch ob die noch will, ist mehr als fraglich. Der Partei droht die größte Niederlage ihrer Geschichte - nur noch 12 statt jetzt 35 Sitze.

Mitte-Links-Regierung

Das wäre die Riesenüberraschung. Doch nach den Umfragewerten wäre eine Mammut-Koalition von vier linken Parteien mit den beiden größten christlichen Parteien nicht unmöglich. Die Sozialdemokraten, die Sozialisten und die grüne Partei GroenLinks könnten sich wohl schnell einigen. Sie verstehen sich auch relativ gut mit den Linksliberalen D66 und der linken ChristenUnie. Doch ob die eher konservativen Christdemokraten da mitmachen, ist zweifelhaft.

Minderheitsregierung

Angesichts der total zersplitterten Parteienlandschaft ist das wahrscheinlich: Die rechtsliberale VVD könnte eine Minderheitsregierung mit der christdemokratischen CDA und der linksliberalen D66 bilden. Diese würde wohl von den Sozialdemokraten, den Grünen und anderen kleineren Parteien geduldet werden.

Dabei wird Dijsselbloem als Finanzchef des Landes sehr geschätzt, auch seine Rolle als Mr. Euro sehen die Niederländer positiv: holländisch nüchtern und sparsam – das kommt gut an. Seine Partei konnte bislang aber nicht wirklich davon profitieren.

In Europa konnte Dijsselbloem vor allem in den jahrelangen und teils hochdramatischen und spannungsgeladenen Verhandlungen über griechische Finanzhilfen sein Profil schärfen.

Bei seinem Amtsantritt im Januar 2013 als Chef der Finanzminister der 19 Euroländer galt Dijsselbloem dabei zunächst als unerfahren und überfordert. Keine 100 Tage war er zu dem Zeitpunkt als niederländischer Finanzminister vereidigt, Europa-Erfahrung hatte er praktisch nicht. Als Nachfolger des charismatischen und eloquenten Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker musste er zudem in große Fußstapfen treten.

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Mittlerweile wird der Fan britischer Krimi-Serien für seine Nüchternheit, seinen Pragmatismus und seinen straffen Führungsstil geschätzt. Er gilt auch als zuvorkommender Gesprächspartner. „Ich mag seinen Stil. Er ist ein guter Typ“, sagte etwa der slowakische Finanzminister Peter Kazimir über ihn. Bei seiner Wiederwahl 2015 konnte sich Dijsselbloem im Kreis der Finanzminister gegen den konservativen Spanier Luis de Guindos durchsetzen.

Kommentare (2)

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Herr Rudolf Riedl

27.02.2017, 14:25 Uhr

Da muss H. Schäuble ihn ja loben denn Herr D ist sein Chef oder ist der Titel falsch formuliert?

Bei seinem Amtsantritt im Januar 2013 als Chef der Finanzminister der 19 Euroländer galt Dijsselbloem dabei zunächst als unerfahren und überfordert.....................

Herr Vinci Queri

27.02.2017, 14:34 Uhr

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