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14.09.2011

13:49 Uhr

Eurokrise

Allianz-Chefvolkswirt fordert Sanierungssteuer

Die Euro-Krisenstaaten sind arm, ihre Bewohner reich, rechnet die Allianz vor. Das bringt den Chefökonom des Finanzkonzerns auf eine Idee, wie die Eurokrise gelöst werden könnte - ohne deutsche Steuerzahler zu belasten.

Silvio Berlusconi, Italiens Regierungschef und reichster Bürger seines Landes. Reuters

Silvio Berlusconi, Italiens Regierungschef und reichster Bürger seines Landes.

FrankfurtZur Konsolidierung ihrer Staatshaushalte sollten die Euro-Problemstaaten nach Ansicht von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise eine zeitlich begrenzte Sanierungssteuer erheben. Zugleich wandte sich Heise entschieden gegen Forderungen vor allem aus FDP und CSU, Griechenland in die Pleite gegen zu lassen. Das sei nicht nötig und würde zudem die deutschen Steuerzahler massiv belasten, sagte der Ökonom am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Die Privatvermögen in vielen Problemstaaten reichten an die Höhe der Staatsschulden heran, erläuterte Heise. „Es handelt sich um reiche Länder in Europa, die schon in der Lage wären, das Geld herbeizuschaffen“, sagte er und schlug eine zeitlich begrenzte Vermögensabgabe vor.

In mehreren betroffenen Euro-Ländern hatte es zuletzt Initiativen für eine stärkere Besteuerung der obersten Einkommensschichten gegeben. In Italien beschloss die Regierung als Teil ihrer Sanierungsbemühungen eine Steuer für Reiche. Ursprünglich sollte die Abgabe Besserverdiener ab einem Jahreseinkommen über 90.000 Euro treffen - dann wurde die Grenze nach Protesten jedoch auf 500.000 Euro angehoben. Auch Spanien und Portugal haben jüngst die Einführung von Steuern für Reiche beschlossen. In Spanien soll sie ab einem Vermögen von einer Million Euro greifen. Ein Problem dürfte allerdings die schwache Steuermoral vieler Super-Reicher sein. In Griechenland zahlen zum Beispiel viele Spitzenverdiener kaum Steuern, obwohl sie dazu verpflichtet wären.

Zur Euro-Rettung schlägt Allianz-Chefvolkswirt Heise außerdem vor, dass die Mittel aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF kreativ verwendet werden sollten. Dann sei auch eine Rettung Griechenlands vor der Staatspleite „noch nicht unmöglich“, sagte Heise. Eine Möglichkeit sei beispielsweise der Rückkauf zweijähriger griechischer Anleihen.

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Die seien zurzeit zum Spottpreis zu bekommen. Es gebe noch andere Möglichkeiten, die jedenfalls viel schneller einzuführen wären als Euro-Bonds als gemeinsame Schuldverschreibungen der Euro-Staaten. Wichtig wäre, die schon gefassten Beschlüsse der Euro-Staaten jetzt endlich umzusetzen. Das könnte Ruhe in das Griechenland-Problem bringen.

„Wenn wir jetzt sagen, das Projekt ist gescheitert“, und es komme zu einer Umschuldung mit deutlichen Abschlägen zulasten der Gläubiger, dann würden auch die deutschen Steuerzahler „in ganz erheblichem Maße zur Kasse gebeten“, sagte Heise. Zudem sei zu befürchten, dass eine Insolvenz Griechenlands andere Länder mitziehen würde.

Von

dapd

Kommentare (36)

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Thomas-Melber-Stuttgart

14.09.2011, 13:57 Uhr

"Würden zudem die Mittel aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF kreativ verwendet, ..." z.B. 12 Mio EUR für einen Moscheebau in Athen, mit überwältigender Mehrheit im griechischen Parlament beschlossen.

Petra

14.09.2011, 14:09 Uhr

Blödsinn! Immer mehr Steuern und Abgaben... Die Vermögenssteuer wäre genauso wie der Soli oder die Sektsteuer irgendwann permanent!

Deutschland und viele Länder haben kein Einnahmenproblem, sie haben ein Ausgabenproblem!

Wesentlich einfacher wäre es, SteuerVERSCHWENDER genauso hart und unnachgiebig zu verfolgen die Steuerhinterzieher!

Fundierte Berichte über Korruption, Vetternwirtschaft und „Selbstbedienungsmentalität“ auf Kreis-, Landes-, Bundes- und Europaebene lassen erahnen, dass die SteuerVERSCHWENDER größeren Schaden anrichten als alle Steuerhinterzieher zusammen!

Es kann und darf nicht sein, dass mühsam erarbeitet Steuergelder straflos (!) verschwendet werden!

Wurde überhaupt schon einmal ein Steuerverschwender nennenswert bestraft? Strafversetzungen ohne Einkommens- / Pensionseinbußen sind keine Strafen!

Steuerhinterziehern droht neben empfindlichen Geldstrafen sogar Haft. Was passiert Steuerverschwendern? NICHTS

Deshalb: SteuerVERSCHWENDER genauso verfolgen und bestrafen wie Steuerhinterzieher!



Roark

14.09.2011, 14:11 Uhr

Zeitlich begrenzt wie der Soli?

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