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17.11.2011

00:00 Uhr

Eurokrise

Auf das was kommt, ist die EU nicht vorbereit

VonSven Afhüppe

Ein massiver Käuferstreik bedroht Europas Anleihemärkte. und spitzt damit die Krise in der Eurozone zu. Zeit, dass der Rettungsfonds EFSF seine Feuerkraft erhält. Doch Kritiker sehen das Projekt grandios scheitern.

Sven Afhüppe ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatt. Pablo Castagnola

Sven Afhüppe ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatt.

BerlinEin Schuldenschnitt für Griechenland, zusätzliches Kapital für die europäischen Banken, ein Sparpaket für Italien - und ein Euro-Rettungsfonds mit mehr Feuerkraft. Erst drei Wochen ist es her, dass die Regierungschefs der Euro-Zone die Ergebnisse des jüngsten Gipfels als Durchbruch in der Schuldenkrise feierten. "Wir haben gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben", schwärmte Bundeskanzlerin Angela Merkel über die eigene Leistung.

Doch das Versprechen der Politik, jetzt die Krise in den Griff zu bekommen, ist nicht eingelöst worden. Der Griechenland-Virus frisst sich durch immer mehr Länder in Europa. Außer für Italien stiegen in den vergangenen Tagen auch die Zinsen für französische, österreichische, niederländische und finnische Staatsanleihen.

Am Mittwoch entspannte sich die Situation an den Anleihemärkten zwar wieder ein wenig. Doch die Ruhe ist trügerisch. Nicht die Fortschritte bei der Umsetzung der jüngsten Gipfelbeschlüsse glätteten die Wogen, sondern einmal mehr die Europäische Zentralbank. Um einen Flächenbrand schon im Keim zu ersticken und die nächste Eskalationsstufe zu verhindern, versuchte die Frankfurter Notenbank, mit Anleihekäufen das Feuer zu löschen. Wie viel Geld sie dafür erneut einsetzen musste, kann niemand sagen. Doch die Beruhigung der Märkte dürfte von Tag zu Tag teurer werden.

Die Situation ist auf jeden Fall ernster, als es sich die Staats- und Regierungschefs auf dem jüngsten EU-Gipfel vorstellen konnten. Denn mittlerweile geht es nicht mehr nur um einen partiellen Nachfrageschwund bei Staatspapieren besonders hoch verschuldeter Länder wie Griechenland. Was droht, ist ein regelrechter Käuferstreik bei Staatsanleihen. Und darauf ist die EU nicht vorbereitet. Der Alarmismus von Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der am Mittwoch von einer "systemischen Krise" sprach, hilft in dieser Situation allerdings nicht weiter.

Erschreckend ist vor allem die Tatsache, dass die versprochene zusätzliche Feuerkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF immer noch nicht zur Entfaltung gebracht werden konnte. Auf eine Billion Euro sollten die noch verfügbaren Mittel des Fonds gehebelt werden, hatten Europas Regierungschefs versprochen. Ein schlagkräftiger Rettungsfonds sei der Schlüssel zur Lösung der Euro-Krise, hieß es immer wieder. Doch in den Euro-Ländern und in Brüssel setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass das Projekt grandios scheitern könnte. Zwar haben die wichtigsten Ratingagenturen dem neuen Fonds auch nach den jüngsten Beschlüssen weiter die höchste Bonität bescheinigt, doch die Investoren machen bisher einen weiten Bogen um den EFSF.

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