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13.07.2011

17:32 Uhr

Eurokrise

IWF macht Eurozone für Gefahr von Kettenreaktion verantwortlich

Der IWF greift Europas Politik an: Das schlechte Krisenmanagement der Eurogruppe erhöhe Griechenlands Ansteckungsgefahr für das Finanzsystem dramatisch. Eine Umschuldung wäre ein Ausweg - wenn sie gut gemacht würde.

Christine Lagarde, die neue Chefin des IWF. Quelle: Reuters

Christine Lagarde, die neue Chefin des IWF.

Washington/BerlinAn der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) steht mit Christine Lagarde seit wenigen Tagen eine Frau, die zuvor als Frankreichs Finanzministerin für das Krisenmanagement der Eurozone mit verantwortlich war. Das hindert die Experten des IWF aber nicht daran, eben dieses Krisenmanagement hart zu kritisieren.

In mit großer Aufmerksamkeit erwarteten Griechenland-Bericht warnt der Fonds ausdrücklich vor einer "schlecht umgesetzten Schulden-Operation" sowie vor einem "ungeordneten Zahlungsausfall". Diese Szenarien würden dann eintreten, wenn die Märkte eine Änderung der Spielregeln befürchten müssten - etwa eine Umschuldung vor Mitte 2013.

Die Märkte könnten außerdem das Vertrauen in das Europäische Sicherheitsnetz für Griechenland verlieren. "Dies könnte einen Ansturm auf die Banken zur Folge haben und im europäischen Bankensystem zu Liquditätsproblemen führen", schreibt der IWF. Derartige "Schocks könnten sich schnell rund um den Globus ausweiten", heißt es weiter. Angesichts der Nervosität an den Märkten beobachtet der IWF in dem Bericht bereits eine "dramatischen Verschlechterung" des Marktumfeldes für Griechenland.

Wenn es dagegen gelänge, eine Umschuldung gut zu managen und dies effektiv an den Märkten zu kommunizieren, dann seien direkten Auswirkungen einer Umschuldung beherrschbar, so der IWF: Liquiditätsprobleme würden dann bei den Tochtergesellschaften griechischer Banken in Südosteuropa entstehen, und auch französische und deutsche Banken sowie die EZB müssten Verluste tragen, die aber in diesem Bestcase-Szenario beherrschbar wären.

In Griechenland erwartet der IWF eine noch schlimmere Rezession als bislang erwartet. Trotz des Sparprogrammes würden auch die Schulden stärker steigen. Für dieses Jahr geht der IWF davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um 3,8 Prozent schrumpft. Bislang wurden 3,0 Prozent erwartet. Die Schuldenquote werde wohl im Jahr 2012 mit 172 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ihren Höhepunkt erreichen.

In Banken- und zunehmend auch Politiker-Kreisen wird seit einigen Tagen immer lauter über einen begrenzten Schuldenschnitt Griechenlands nachgedacht. Die Eurogruppe hatte sich zu Wochenbeginn noch nicht auf ein zweites Rettungspaket für das unter enormer Schuldenlast ächzende Griechenland einigen können. Allerdings wollen die Euro-Länder den Euro-Rettungsfonds EFSF künftig noch flexibler zur Stützung einsetzen. Nach Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker schließt das theoretisch auch einen Schuldenrückkauf mit Hilfe des EFSF ein.

Kommentare (29)

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Kackbolzen

13.07.2011, 17:25 Uhr

Jetzt versteh ich die Lagarde erst richtig: Die hat schnell den Zug gewechselt, damit sie nicht für die kommende Katastrophe verantwortlich gemacht werden kann. Perfider geht's wirklich nicht!
Bin gespannt was passiert, wenn die Franzosen endlich merken, dass sie pleite sind! Diese wohlfällige "Grande Nation" - das Spiel ist aus. Rien ne va plus!

C.Frohsinn

13.07.2011, 17:26 Uhr

Aha, vermeindlich Verantwortliche für den kommenden run werden schon benannt, da scheint die Hütte ja kurz davor zu stehen, dass der Schwelbrand über geht in ein veritables Feuer.

Ondoron

13.07.2011, 17:30 Uhr

Nach den ganzen Durchhalteparolen kommen jetzt als Wunderwaffe die Eurobonds. Gewissermaßen das letzte Aufgebot, der Volkssturm!
Es wird so enden wie 1945 - Stunde Null - die vollständige Katastrophe!
Das ist keine Schwarzmalerei, meine Damen und Herren, sondern recht simple Arithmetik, wenn man sich nur traut, eins und eins zusammenzuzählen. Ich verstehe selbstverständlich, wenn die meisten sich jetzt schon aus Selbstschutz weigern, diese Berechnung durchzuführen.

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