Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.09.2011

15:31 Uhr

Eurokrise

Merkel lädt zum Weltfinanztreffen ins Kanzleramt

Das Krisenmanagement läuft weiter auf hohen Touren: Die Euro-Finanzminister versuchen, den ständigen Stabilisierungsmechanismus ESM vorzuziehen. Die Kanzlerin trifft am Donnerstag die Spitzen der Finanzinstitutionen.

Angela Merkel und Griechenlands Premier Giorgos Papandreou auf der Dachterrasse der Kanzlerin. Das Bundeskanzleramt wird immer mehr zur Krisenzentrale. dpa

Angela Merkel und Griechenlands Premier Giorgos Papandreou auf der Dachterrasse der Kanzlerin. Das Bundeskanzleramt wird immer mehr zur Krisenzentrale.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Spitzenkräfte des globalen Finanzsystems für den kommenden Donnerstag ins Bundeskanzleramt eingeladen: Zu Gesprächen über die Verbesserung des internationalen Währungssystems nach der Finanzkrise unter anderem die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, Weltbank-Präsident Robert Zoellick und der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, erwartet, kündigte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter an. Vonseiten der Bundesregierung nimmt neben Merkel auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) teil.

Anschließend kommt die Expertenrunde am Abend mit Vertretern internationaler Wirtschafts- und Finanzorganisationen zusammen. Nach Angaben Streiters dient der Austausch auch der Vorbereitung des G-20 Gipfels der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 3. und 4. November im französischen Cannes.

Bereits am Montag treffen sich die Finanzminister der Eurozone in Luxemburg, am Dienstag steht eine Runde im Kreis aller EU-Finanzminister an. Sie wollen beraten, wie der geplante Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) die temporäre EFSF möglicherweise noch vor dem bisherigen Starttermin 2013 ablösen kann.

Der Fahrplan durch die Euro-Krise

11. Oktober

In der Slowakei soll am 11. Oktober abgestimmt werden. Die Zustimmung in der Slowakei, die lange als Wackelkandidat galt, ist nach einem Kompromissvorschlag der Ministerpräsidentin an den Koalitionspartner in greifbare Nähe gerückt, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

14./15. Oktober

Treffen der G20-Finanzminister in Paris.

17./18. Oktober

Rat der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, auf der Agenda unter anderem: die Wirtschafts- und Wachstumspolitik.

Mitte Oktober

Zu dieser Zeit wären die griechischen Staatskassen leer, sollte die nächste Hilfstranche der internationalen Geldgeber nicht überwiesen werden. In Athen ist von einem möglichen Pleite-Datum rund um den 18. Oktober die Rede.

3./4. November

G20-Gipfel: Treffen der wichtigsten Wirtschaftsnationen in Cannes.

Wer hat schon für die EFSF-Erweiterung gestimmt?

Griechenland, Spanien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien, Irland, Slowenien, Finnland, Estland und Zypern haben der EFSF-Erweiterung bereits zugestimmt. Keine bekannten Termine gibt es bislang für die EFSF-Parlamentsentscheidung in Malta, diese gilt aber als unkritisch. Auch in den Niederlanden dürfte die EFSF-Erweiterung das Parlament passieren, da die Minderheitsregierung von drei Oppositionsparteien unterstützt wird. Die EFSF-Abstimmung ist in Den Haag mit der Abstimmung über den Haushalt 2012 zusammengelegt worden und soll in der ersten Oktoberwoche stattfinden.

Wann der künftige, dauerhafte Rettungsschirm ESM von den Parlamenten gebilligt sein wird, ist noch völlig unklar, weil es noch kein Vertragswerk aus Brüssel gibt. Nach bisherigem Stand soll der ESM Mitte 2013 starten.

23. Oktober

EU-Gipfel: Hier sollen entscheidende Weichen gestellt werden, um endlich Ruhe in die Märkte und die Eurozone zu bringen.

24. Oktober

EcoFin: Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU-Mitgliedsstaaten treffen sich.

Schäuble drängte bei der Debatte im Bundesrat, angesichts der anhaltenden Turbulenzen an den Märkten sei es wichtig, dass die neuen Instrumente des europäischen Rettungsschirms möglichst rasch zur Verfügung stehen. „Die Lage an den Finanzmärkten ist nach wie vor besorgniserregend.“ Dies bedeute eine deutliche Belastung für die Weltwirtschaft mit Auswirkungen auch für Deutschland. Es sei mit einer gewissen Abkühlung der Konjunktur in den nächsten Monaten zu rechnen.

Der Bundesrat ließ einen Tag nach dem Beschluss des Bundestages die EFSF-Reform passieren. Dabei schloss Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eine erneute Aufstockung des Rettungsschirmes aus. Er warnte vor dem Weg in eine europäische Transfer- und Haftungsunion. „Weitere Aufstockungen oder größere Risiken aus den übernommenen Garantien, beispielsweise über finanztechnische Hebel, lehnen wir jedoch ab“, sagte der CSU-Chef. Andernfalls könnte auch der Top-Schuldner Deutschland in letzter Konsequenz überfordert sein. In einer Protokollerklärung ließ die bayerische Landesregierung von CSU und FDP unter anderem festhalten, dass sie höhere Kreditlinien für den EFSF ablehnt.

Es gibt Spekulationen, dass mit einem sogenannten „Kredithebel“ und anderen Geldgebern die erweiterten EFSF-Hilfen von 440 Milliarden Euro bald auf Billionen-Beträge erhöht werden könnten - ohne das Kapital des Rettungsfonds selbst und die Garantiesummen dafür aufzustocken.

Am Donnerstag hatte der Bundestag mit großer Mehrheit der Stärkung des EFSF-Fonds zugestimmt. Er kann künftig schneller und mit mehr Geld kriselnden Euro-Ländern helfen. Von dem erweiterten Garantierahmen schultert Deutschland 211 Milliarden Euro. Die Zustimmung aller 17 Euro-Länder wird bis Mitte Oktober erwartet.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

pendler

30.09.2011, 14:39 Uhr

Niemand kann die Hochfinanz hindern, die Preise für Gold, Diamanten, Kupfer, Zink, Eisenerz, Wasser, Saatgut oder Energie um 10, 20 oder 30 Prozent anzuheben und auf diese Weise die gesamte Weltbevölkerung zu Sonderabgaben heranzuziehen. Noch nie hat es eine solche Finanzmacht der Welt gegeben, noch nie war sie für die Gesamtbevölkerung der Welt so gefährlich. Listigerweise hat die US-Hochfinanz die faulen Dollars überwiegend ins Ausland gebracht. Mehr als Dreiviertel der gesamten Dollarbestände sind nicht mehr in den USA, sondern sind bei den Gläubigerstaaten der USA. Die USA haben sich nämlich in den vergangenen Jahren immer kräftiger gegenüber dem Ausland verschuldet. Das Ausland hat Güter geliefert (Sachwerte), dafür aber wertlose Dollars bekommen.

Account gelöscht!

30.09.2011, 15:07 Uhr

Die Politik ist wohl endlich an dem Punkt angekommen, den sie wortreich nach der Lehman-Pleite beschworen hat - eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte in Angriff zu nehmen.
Bisher ist ja nichts wesentliches in dieser Beziehung geschehen, vom Verbot der ungedeckten Leerverkäufe mal abgesehen.
Die Kollegen in den Geldfabriken der Londoner City und der Wall Str. haben mit der Spekulation gegen Staaten überzogen. Hoffentlich gelingt es den Finanzsektor auf ein gesundes Maß zurechtzustutzen. So kann es jedenfalls nicht mehr weitergehen.
Watch your ass "City of London"

walt

30.09.2011, 15:09 Uhr

Und es geht weiter, USA hat mehrere Blasen produziert, durch die hat die Dollars aus der Welt zurüzkgeholt (.com, immobilien,...) und statt Dollars hat die ganze Welt mit wertlosen Aktien und Schuldbriefen bestreut.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×