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28.06.2011

09:52 Uhr

Eurokrise

Slowenien wird zum neuen Sorgenkind der EU

VonStefan Menzel

Lange Zeit galt Slowenien als Musterland. Doch jetzt entwickelt es sich zu einem neuen Problemfall für die Euro-Zone. Die Regierung muss kräftig sparen, um griechische Zustände zu vermeiden.

Luxemburgs Ministerpräsident und Eurochef Jean-Claude Juncker. Quelle: Reuters

Luxemburgs Ministerpräsident und Eurochef Jean-Claude Juncker.

Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Eurogruppe und Premier Luxemburgs, hat das kleine Land zu drastischen Sparanstrengungen aufgefordert. Die Regierung in Ljubljana dürfe die Staatsschulden nicht weiter ansteigen lassen, sonst könnte Slowenien ein Schicksal ähnlich wie Griechenland drohen.
Slowenien ist 2007 als erstes osteuropäisches EU-Mitgliedsland der Euro-Zone beigetreten. Das kleine Land mit zwei Millionen Einwohnern galt lange Zeit als wirtschaftlich solide. Doch seit der Finanzkrise wachsen die Staatsschulden von Jahr zu Jahr. Nach der jüngsten Schätzung der EU-Kommission wird sich das Haushaltsdefizit bis zum Jahresende bei 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eingependelt haben. 2010 lag die Quote noch bei 5,6 Prozent. Die Staatsschulden werden im Dezember 42,8 Prozent des BIP ausmachen, ein Jahr zuvor waren es 38 Prozent. Eurogruppen-Chef Juncker kritisiert vor allem, dass die slowenische Bevölkerung in einem Referendum zu Beginn des Monats den Umbau des Rentensystems und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit abgelehnt hatte. "Jetzt muss Slowenien die Probleme anderweitig in den Griff bekommen. Die Zustimmung zur Rentenreform wäre der einfachere Weg gewesen", sagte Juncker nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA. Die Regierung müsse nun "schnelle und brutale" Entscheidungen treffen.

Schon zu Monatsbeginn hatte der slowenische Notenbankchef Marko Kranjec vor einer Ablehnung der Rentenreform gewarnt. Das Land müsse unbedingt etwas gegen die schnell anwachsenden Staatsschulden unternehmen. "Wenn das so weitergeht, findet sich unser Land bald in der Position von Griechenland, Portugal oder Irland wieder", sagte der Notenbankchef.
Slowenien ist zwar mit seinem Schuldenniveau noch ein Stück entfernt vom EU-Durchschnitt, der bei etwa 80 Prozent des BIP liegt. Investoren beunruhigt aber der extrem schnelle Anstieg der slowenischen Staatsschulden in kurzer Zeit. 2005 lag die Quote bei 27 Prozent des BIP, in diesem Jahr wird sie die 40-Prozent-Grenze überschreiten.

Gunter Deuber, Osteuropa-Spezialist bei der Raiffeisen-Bankengruppe in Wien, warnt vor einem zunehmenden Ansehensverlust des kleinen Landes. Bislang habe Slowenien mit seiner offenen Volkswirtschaft immer als ziemlich zuverlässig und solide gegolten. Derzeit würden potenzielle Problemfälle noch von der Griechenland-Krise überdeckt. Slowenien müsse aber aufpassen, internationale Investoren könnten sich bald abwenden. "Slowenien versucht, ein Eigenleben zu führen", beklagt Deuber. Von der früheren Offenheit sei einiges verlorengegangen, das Land schotte sich jetzt immer stärker nach außen ab.

Kommentare (6)

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Petra

28.06.2011, 10:48 Uhr

Slowenien wird nicht der letzte Staat bleiben, der sich auf Kosten der EU (=Deutschland) ein schönes Leben macht!

Griechenland hat es ja vorgemacht: Mit vorsätzlich falschen Zahlen die Mitgliedschaft erschlichen, einige Jahre vosätzlich falsche Zahlen geliefert, mit diesen falschen zahlen Kredite aufgenommen und nun das Problem auf die EU abgeladen...

Clever, die Griechen!

Warum sollten es andere Länder nicht auch so machen? Die wären ja dumm, wenn sie es anderst machen würden! Mit Lug und Betrug wird man schneller reich als mit ehrlicher Arbeit!

JoJojoe

28.06.2011, 11:50 Uhr

Leider ist es so, dass sich Deutschland auf Kosten anderer EU-Länder ein schönes Leben macht. Doch wenn Deutschland und Frankreich mithilfe der EZB alle EU-Länder ruiniert haben, dann sind wird dran! Denke darüber mal nach...

Account gelöscht!

28.06.2011, 11:56 Uhr

Die EZB und Brüssel haben überall fette Köder ausgeworfen in Form von Milliarden-Krediten, die nun aufgezehrt sind.

Nun kommt der Kater danach und das böse Erwachen.

Alle hängen nun nach und nach am Angelhaken und warten auf Hilfe aus Deutschland.

So funktioniert das Angeln. Erst den Köder fressen lassen, dann häbgen sie am Haken.

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