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06.06.2011

18:52 Uhr

Europa in der Schuldenkrise

Warum Sparen allein nicht hilft

VonGerd Höhler, Anne Grüttner, Dirk Heilmann

Für Griechenland, Portugal, Spanien und auch Italien geht es nicht nur um die schnelle Reduzierung der Haushaltsdefizite. Strukturreformen sind für eine neue wirtschaftliche Dynamik bitter nötig.

'Greece - Not for Sale': Südländler protestieren gegen die Sparpläne ihrer Regierungen. Ohne tiefere Strukturreformen werden die Krisen aber nicht zu bewältigen sein. Quelle: dpa

'Greece - Not for Sale': Südländler protestieren gegen die Sparpläne ihrer Regierungen. Ohne tiefere Strukturreformen werden die Krisen aber nicht zu bewältigen sein.

Düsseldorf/Madrid/AthenDer Reformstau in Südeuropa ist enorm. Aufgeblähte Bürokratien, fehlende Grundbücher, zunftartig abgeschottete Berufsgruppen, ein investitionsfeindliches Mietrecht – die Liste ist lang. Die Südeuropäer bräuchten eine radikale Wende – wie Großbritannien unter Maggie Thatcher. Das Problem ist nur: Selbst wenn die Regierungen Reformgesetze durch das Parlament bringen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch umgesetzt werden. In der öffentlichen Verwaltung bleiben die neuen Vorschriften oft stecken. Das zeigte sich zum Beispiel an den Privatisierungen, die Griechenland zwar beschlossen, aber bis vor kurzem noch nicht angegangen hatte.

„Die Haushaltsprobleme sind letztlich nur ein Reflex tiefergehender Probleme“,  sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.  „Diese Länder haben keine offenen, wettbewerblich organisierten Volkswirtschaften und dazu einen ineffizienten Staat.“ Wenn es kein Grundbuch gebe, Justiz und Verwaltung nicht ordentlich funktionierten und große Teile der Wirtschaft von Interessengruppen abgeschottet seien, dann entmutige das Unternehmer und schaffe den Nährboden für Korruption und Mafia.

Wo die Probleme wirklich liegen, zeigt laut Krämer der „Ease of Doing Business“-Index der Weltbank. Er gibt an, wie leicht es Unternehmer in einem Land haben. Griechenland bekleidet in der Rangliste Platz 109, Italien liegt auf Rang 80 zwischen China und Jamaica. „Griechenland hat eine Standortqualität wie ein Schwellenland“, sagt Krämer.

Die OECD erwartet, dass die Wirtschaft in Portugal im laufenden Jahr um 2,1 Prozent und in Griechenland um 2,9 Prozent schrumpft. In Spanien erwartet sie ein mageres Wachstum von 0,9 Prozent, in Italien 1,1 Prozent und in Irland Stagnation. Und je länger die Krisenländer in der Rezession bleiben, desto schwerer fällt die Sanierung der Staatshaushalte.

Kommentare (5)

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06.06.2011, 19:29 Uhr

ist ja alles schön und gut, aber was ist mit der einbeziehung von banken, millionären etc. ??

Skyjumper

06.06.2011, 19:45 Uhr

Man könnte das laute Lachen kriegen wenn es nicht so abgrundtief traurig wäre.

Was bringen denn die gebetsmühlenartig als Allheilmittel gepriesenen Strukturreformen? Sie bringen viel........wenn man jedes Land isoliert betrachtet. Sie verbessern die Wettbewerbsposition des Landes. Und dann?

Was Portugal durch bessere Strukturen vielleicht an Exporten gewinnt fehlt auf der anderen Seite dann Spanien, oder Italien, oder vielleicht auch Deutschland. Die Empfehlungen von IWF, OECD und all den klugen Ökonomen laufen am Ende darauf hinaus Tips zu geben, wie man dem Nächsten die schlicht zu kurze Bettdecke erfolgreich ein Stückchen wegziehen kann.

Wo liegt der Vorteil wenn Griechenland seine abgeschotteten Berufsstände öffnet? Statt 100 Bäckern gibt es dann vielleicht 200. Nur die Anzahl an verkauften Broten wird sich kaum deutlich ausweiten. Es wird also in der Folge zu ruinösen Preisdumping kommen in dessen Verlauf die Qualität der Brote und die Einkommen der Bäcker leiden.

Man wird sich irgendwann einmal der Erkenntnis stellen müssen, das Lebensqualität und Wohlstand genauso endliche Güter darstellen wie Wasser und Luft. Sie erscheinen unendlich, aber sie sind es nicht. Und ob Griechenland, Deutschland, Norwegen oder Portugal: Wir leben seit geraumer Weile auf Pump. Auf Pump zu Lasten der Entwicklungsländern, auf Pump zu Lasten der nächsten Generation und auf Pump zu Lasten unserer Staatsfinanzen.

Wachstum, auch Wachstum von Wohlstand und Lebensqualität ist möglich. Aber nicht in dem Maße und in der Geschwindigkeit wie man es uns jahrzehntelang versprochen und zugestanden hat. Die Rechnung kommt gerade langsam aus der Kasse.......und simple Zechprellerei wird leider nicht helfen.

Beschissen ist am Ende der normale Grieche genauso wie der normale Deutsche. Wir werden alle verlieren.

Wolfi

06.06.2011, 20:25 Uhr

ein Artikel voller Worthülsen, substanzlosen Stammtischparolen und Beratersprech.

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