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02.09.2012

11:19 Uhr

Europa-Studie

Griechen zahlen offene Rechnungen zu spät

Die griechischen Verbraucher sind im europäischen Vergleich am zögerlichsten bei der Begleichung offener Rechnungen. Doch auch die Deutschen sind längst nicht Spitze - vor ihnen liegen zwei osteuropäische Staaten.

Gemüsemarkt in Athen. Reuters

Gemüsemarkt in Athen.

HamburgDie Verbraucher in Griechenland zahlen einer Studie zufolge ihre Rechnungen oft nicht pünktlich. Im europäischen Vergleich seien die Griechen die unzuverlässigsten Zahler, heißt es in der Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des internationalen Finanzdienstleisters Eos.

Sie bezahlen nur 69,5 Prozent ihrer Rechnungen innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist. Bei den griechischen Unternehmen sieht es nicht besser aus: Mit 64,8 Prozent pünktlichen Zahlungen liegen sie ebenfalls auf dem letzten Platz unter zehn untersuchten europäischen Ländern.

Griechenlands Hausaufgaben

Bereits abgehakt

Mit dem Sparpaket im Februar wurde der Mindestlohn von 751 auf 586 Euro gesenkt. Auch das Arbeitslosengeld wurde gekürzt, von 461,50 auf 322,34 Euro. Zugleich wurden die Lohnzuschüsse abgeschafft und die Löhne der Staatsbediensteten eingefroren. Lohnverhandlungen werden nicht mehr auf Branchen-, sondern auf Betriebsebene geführt. Renten wurden um rund ein Fünftel gekürzt.

Im Kampf gegen die überbordende Bürokratie wurde die Anwaltspflicht bei Hauskäufen abgeschafft. Auch die Anwaltsgebühren wurden gesenkt. Alle Rentenkassen wurden zwangsvereinigt, Kostenobergrenzen für Verwaltung und Personal eingeführt.

Schon 2010 wurden die Benzin-, Heizöl- und Alkoholsteuer um jeweils zehn Prozent angehoben. Auch eine Solidaritätsabgabe auf Einkommen wurde eingeführt; sie soll bis 2103 erhoben werden. Die Mehrwertsteuer wurde von 21 auf 23 Prozent heraufgesetzt. Auch das Renteneintrittsalter wurde angehoben, wobei es noch keine einheitliche Regelung für alle Berufe gibt.

Ins Stocken geraten

Die Steuereinnahmen entwickeln sich schlechter als erwartet. Im ersten Halbjahr blieben sie um fast eine Milliarde Euro hinter dem Ziel zurück. Da die Wirtschaftsleistung 2012 um mehr als sieben Prozent statt der geplanten 4,7 Prozent einzubrechen droht, dürfte das Defizitziel verfehlt werden. Eigentlich soll die Neuverschuldung von 9,3 Prozent im Jahr 2011 auf 7,3 Prozent gedrückt werden.

Der Stellenabbau im öffentlichen Dienst kommt langsamer als geplant voran. Ursprünglich sollten 30.000 von 700.000 Bedienstete gehen, deren Löhne und Gehälter etwa zwei Drittel des Staatshaushalts verschlingen. Tatsächlich fielen nur 6500 Stellen wegen, vorwiegend durch Vorruhestand. 2011 sollte nur eine von fünf frei werdenden Stellen wieder besetzt werden, tatsächlich waren es zwei.

Die Öffnung abgeschotteter Berufe - von Taxiunternehmen, Speditionen, Apotheken, Optikern, Maklern, Buchhaltern bis hin zu Tankstellen - kommt nicht voran. Sie wurde zwar beschlossen, um die Beschäftigung zu erhöhen. Allerdings steht das bislang nur auf dem Papier.

Erste positive Ergebnisse

Die Produktion lag im Juni nach über drei Jahren stetigen Schrumpfens erstmals wieder über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Unternehmen stellten 0,3 Prozent mehr her als im Vorjahresmonat. Im Vergleich zum Vormonat gab es mit 4,0 Prozent den zweiten Anstieg in Folge. Die Industrie steuert etwa 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung Griechenlands bei.

Auch das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal erstmals seit Krisenausbruch wieder etwas gewachsen. Während die Exporte wieder zulegen, fallen die Importe wegen der schwachen Binnennachfrage.

Die Arbeitskosten sinken seit 2009 spürbar, allein 2011 um sechs Prozent. Das erhöht die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Nach fünf Rezessionsjahren in Folge sagt die EU-Kommission für 2013 eine stabile Wirtschaftsleistung voraus.

Pünktliche Zahler seien vor allem die rumänischen Verbraucher, die 92,2 Prozent aller Forderungen fristgerecht begleichen. Damit liegen sie auf Platz eins vor den russischen (90,0 Prozent) und den deutschen (82,4 Prozent) Konsumenten. Generell sei die Zahlungsmoral in Osteuropa etwas besser als in Westeuropa. Private Verbraucher zahlen schneller als Unternehmen, sowohl im Osten wie auch im Westen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Zahlungsmoral habe die allgemeine Wirtschaftslage. Gründe für ausbleibende Zahlungen seien oft Überschuldung und fehlende Liquidität.

Von

dpa

Kommentare (11)

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MikeM

02.09.2012, 11:25 Uhr

Wer einem Griechen was auf Rechnung verkauft ist selber Schuld!

Kroisos

02.09.2012, 11:43 Uhr

eben. die Mehrwertsteuer könnte man sich sparen

ThomasWieder

02.09.2012, 11:43 Uhr

In einigen der osteuropäischen Staaten agieren starke und furchteinflößende Mafias,die einen beachtlichen Teil des dortigen Wirtschaftslebens direkt und indirekt kontrollieren.Welcher Schuldner dort möchte sich schon mit diesen anlegen ?

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