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25.02.2015

14:35 Uhr

Europa-Studie

Über ein Drittel der Deutschen will Euro-Austritt

Gut jeder Dritte in Deutschland will laut einer Umfrage einen Austritt aus dem Euro. Auch in anderen Staaten ist das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung und die Brüsseler Institutionen erschüttert.

Die EU-Institutionen haben bei ihren Bürgern an Vertrauen verloren. AFP

Verbrannte Fahne in Athen

Die EU-Institutionen haben bei ihren Bürgern an Vertrauen verloren.

RomGut jeder Dritte in Deutschland will laut einer Umfrage einen Austritt aus dem Euro. 36,8 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass der Euro „nur Komplikationen“ gebracht habe und abgeschafft werden solle. Nur 13 Prozent waren der Meinung, dass der Euro nur Vorteile gebracht hat. Das ergab eine Umfrage italienischer Meinungsforschungsinstitute in sechs EU-Ländern, deren Ergebnis am Mittwoch von der Zeitung „La Repubblica“ veröffentlicht wurde.

In den anderen Ländern sprachen sich zwar weniger Menschen gegen den Euro aus. Aber in Italien waren es immerhin noch 30,8 Prozent, in Spanien 24 Prozent und in Frankreich 22,7 Prozent.

Die Euro-Familie und der Rest der EU

Nachwuchs

Die Euro-Familie hat Nachwuchs bekommen: Mit Litauen sind von 2015 an 19 der 28 EU-Staaten Mitglied der Eurozone. Wie geht es weiter? Die meisten der anderen neun Länder haben keine Wahl. Fast alle müssen aufgrund der EU-Verträge der Währungsunion beitreten, sobald sie dafür reif sind.

Rumänien

Das Land will den Euro nach letztem Stand 2019 einführen. Dies hatte die Regierung Anfang Mai in Brüssel angemeldet. Allerdings ist die Zustimmung in der Bevölkerung kontinuierlich gesunken.

Tschechien

Der deutsche Nachbar ist nach Ansicht der Regierung noch längst nicht bereit für den Euro. Als möglichen Termin hat sie zuletzt das Jahr 2020 genannt.

Ungarn

Die rechts-konservative Regierung des Landes strebt in absehbarer Zeit nicht an, den Forint durch den Euro zu ersetzen: „Wir sprechen da nicht vom nächsten Jahr, sondern vom nächsten Jahrzehnt oder den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten.“ In der Bevölkerung ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung des Euro.

Bulgarien

In dem Land ist der Euro derzeit kein Thema. Das Land werde den Euro einführen, „allerdings nicht um jeden Preis“, lautet das Credo der Regierung. Rund zwei Drittel der Bulgaren wollen die heimische Währung Lew nicht durch den Euro ersetzen.

Kroatien

Auch für Kroatien ist der Abschied von der Landeswährung Kuna kein Thema, zumal die Wirtschaft des jüngsten EU-Mitgliedslandes faktisch schon intensiv mit dem Euro arbeitet. So werden viele Preise auch in Euro angegeben. Notenbankchef Boris Vujcic hält einen Beitritt vor 2019 für unmöglich; die Öffentlichkeit ist gegen den Euro.

Vereinigtes Königreich

Die Briten haben das vertraglich zugesicherte Recht, das Pfund zu behalten, auch wenn sie für den Euro qualifiziert wären. Sie gehören nicht zum Europäischen Wechselkursmechanismus, der als „Vorzimmer“ zum Euro gilt. Bei den euroskeptischen Briten ist keine Abkehr von diesem Sonderweg in Sicht.

Dänemark

Auch die Dänen hat das Recht, sich gegen die Euro-Einführung zu sperren. Im Jahr 2000 entschieden sich die Dänen in einer Volksabstimmung dagegen, die eigene Krone zugunsten der Gemeinschaftswährung aufzugeben. Dänemark gehört zum Europäischen Wechselkursmechanismus.

Schweden

Die Schweden hatten sich in einer Volksentscheidung 2003 gegen eine Ablösung ihrer Krone durch den Euro ausgesprochen. Aktuell verhindert das Land einen Euro-Beitritt, indem es kein Mitglied des Wechselkursmechanismus ist. Vertraglich ist aber geregelt, dass Schweden beitreten muss, sobald es reif für den Euro ist.

Polen

Die Polen haben es mit dem Beitritt zur Eurozone nicht eilig. Die Regierung will sich noch nicht auf ein Datum für die Einführung des Euro festlegen. Es sei zu früh, einen Zeitpunkt zu nennen, heißt es in Warschau.

Generell schwindet das Vertrauen in Europa laut der Studie. Während in Deutschland noch etwa die Hälfte der Befragten (53,4 Prozent) angab, den EU-Institutionen zu vertrauen, sind es in anderen Ländern weit weniger. In Italien glauben zum Beispiel nur 27,4 Prozent der Befragten an Europa, in Großbritannien sind es 28 Prozent.

Zudem fragten die Meinungsforscher in Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich und Polen nach der Einstellung zum Islam. Das Ergebnis fällt äußerst negativ aus. So geben mehr als 75 Prozent in Deutschland an, ein schlechtes Bild vom Islam zu haben - das ist der höchste Wert in allen befragten Ländern. In Großbritannien sagen das zum Beispiel nur rund 38 Prozent, in Frankreich etwa 37 Prozent.

Für die repräsentative Studie hatten die Institute Demos&Pi und Osservatore di Pavia im Auftrag der Stiftung Unipolis zwischen dem 12. und dem 23. Januar jeweils 1000 Menschen in sechs EU-Ländern befragt.

Von

dpa

Kommentare (19)

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Herr Ragin Allraun

25.02.2015, 14:45 Uhr

Es scheint das die Vernunft, Ratio und Verstand über die pervertierte Euroideologie Oberwasser bekommt.

Zu wünschen wär´s. Dann wäre ein Anfang gemacht.

Frau Helga Trauen

25.02.2015, 15:13 Uhr

Der Euro wurde professionell propagandistisch betrommelt vor und während der Einführungsphase. Das "Friedensprojekt", die neue starke Währung, die die EU zur wettbewerbsfähigsten Region der Erde werden lässt.
Alle kritischen Hinweise wurden in arroganter Weise abgebügelt. Leider haben alle Euro-Kritiker der ersten Stunde recht: Der Euro ist nur spannend für die Ideologen, die mittels dieser Währung die Vereinigten Staaten von Europa erzwingen wollen. Dieses "politische Projekt" ist ihnen so eminent wichtig, dass sie dafür sogar die totalitäre EUSSR im Kauf nehmen. Die EU sollte kollabieren, damit die europäischen Nationen endlich ihre Freiheit wieder erlangen...

Herr Ercole Domenico

25.02.2015, 15:18 Uhr

Also fast soviele die damals für die NSDAP gewählt haben, ob es die gleiche sind? Die gleiche schon aber doch nicht die selbe!

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