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03.01.2005

14:44 Uhr

Europäer und Amerikaner wappnen sich gegen Flut von Billigtextilien

Peking streift die Fesseln ab

VonJ. D. Herbermann und J. Hoenig

Das Ende des Welttextilabkommens Anfang 2005 gibt der leistungsfähigen chinesischen Industrie freie Bahn: Ungehindert von Restriktionen, kann sie ihre Produkte weltweit exportieren.Die Verbraucher freuen sich über niedrige Preise.Die Bekleidungshersteller in anderen Ländern fürchten um ihre Märkte.

GENF/BRÜSSEL. Der Countdown läuft: Ab 2005 droht eine globale Wirtschaftsschlacht um Textilien. Die großen Konfliktparteien: die USA, die EU, China und arme Länder wie Bangladesch. Die Ursache: Ab dem neuen Jahr wollen Textilmultis aus dem Reich der Mitte eine massive Exportoffensive rund um die Erde starten. Hosen, Strümpfe, Hemden, Jacken - alles soll billiger und noch mehr soll made in China werden. Schon jetzt ist die aufstrebende Wirtschaftsmacht der größte Textillieferant der Erde. 2005 könnten die Chinesen den Wert ihrer Ausfuhren um rund 25 Prozent auf 100 Milliarden US-Dollar schrauben - so die Voraussage der Regierung in Peking. Das Volumen aller Textilexporte beläuft sich auf rund 400 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Noch legt das Welttextilabkommen der Welthandelsorganisation (WTO) den Produzenten aus dem Reich der Mitte Fesseln an: Das komplizierte System aus Quoten und Ausfuhrbeschränkungen läuft aber Ende 2004 aus. Danach, so warnen Industrievertreter, bedroht Chinas Angriff auf die Weltmärkte Millionen Jobs in Textilfabriken - vor allem in einkommensschwachen Ländern. Die WTO jedoch unterstreicht die Vorteile offener internationaler Märkte: "Insgesamt wird die Weltwirtschaft gewinnen", wirbt WTO-Generaldirektor Supachai Panitchpakdi. "Die Konsumenten werden von besseren Zugängen zu den Märkten und effizienterer Produktion profitieren."

In Europa und den USA, so ein Szenario der WTO, dürften die Preise in Boutiquen und Bekleidungsabteilungen der Warenhäuser purzeln. Deutsche Produzenten könnten unter massiven Druck geraten. Die EU-Kommission, die für den Außenhandel der Union zuständig ist, will sich deshalb wappnen. Schon bald sollen Leitlinien für den Schutz der europäischen Hersteller vorliegen. "Die Maßnahmen sollten nur ergriffen werden, wenn sie erforderlich werden", sagt EU-Handelskommissar Peter Mandelson. Gleichzeitig sollen die Textilimporte in die EU überwacht werden.

Die europäischen Hersteller beschäftigen nach Angaben der EU- Kommission in den 25 Mitgliedstaaten rund 2,6 Millionen Mitarbeiter. Die knapp 180 000 Unternehmen der alten EU-15 erwirtschafteten 2002 einen Umsatz von rund 200 Mrd. Euro. Dies waren zirka vier Prozent der Produktion des verarbeitenden Gewerbes. Am härtesten wird die Marktöffnung das Heimatland des EU-Kommissionspräsidenten Barroso treffen: Portugal.

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