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01.04.2014

14:55 Uhr

Europäische Union

Leichtere Vergabe von Visa soll mehr Besucher anlocken

Europa will Geschäftsleute und Wissenschaftler mit einer unkomplizierteren Visumvergabe anlocken. Auch Touristen aus nicht-europäischen Staaten sollen davon profitieren. So könnten die Kassen von Hotels lauter klingeln.

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström will der europäischen Wirtschaft mit mehr Besuchern einen Schub geben. dpa

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström will der europäischen Wirtschaft mit mehr Besuchern einen Schub geben.

BrüsselBürger aus Ländern außerhalb der EU sollen künftig leichter mit einem Visum in die Europäische Union einreisen und länger bleiben können. Damit will die EU Fachkräfte und Geschäftsleute anlocken, aber auch Studenten, Künstlern und Touristen das Reisen quer durch Europa erleichtern. Einen entsprechenden Vorschlag zu einer unkomplizierteren Visumvergabe für die Schengen-Staaten hat die Kommission am Dienstag in Brüssel vorgestellt.

Mehr Besucher sollen der europäischen Wirtschaft einen Schub geben. Die EU-Behörde rechnet mit rund 130 Milliarden Euro Mehreinnahmen für Hotels, Restaurants und Geschäfte sowie 1,3 Millionen neuen Jobs in der Tourismusbranche. „Die Vorschläge sind gut für Wachstum und Beschäftigung“, sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström.

Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen, damit er Gesetzeskraft erhält. Dieser Prozess kann erst im Herbst nach den Europawahlen beginnen.

Konkret sollen die Behörden Visa-Anträge künftig schneller bearbeiten und bereits nach 10 statt bislang 15 Tagen darüber entscheiden. Anträge sollen auch online und in Konsulaten anderer EU-Staaten möglich sein. Wer häufig in die EU reist, kann Mehrfachvisa bekommen, die drei Jahre gültig sind. Bei Großveranstaltungen wie etwa der Weltausstellung Expo 2015 in Mailand könnten die Staaten Visa-Erleichterungen vorsehen. Neu ist ein geplantes Rundreise-Visum, mit dem sich ein Reisender ein Jahr lang im Schengen-Raum aufhalten darf, wobei er in einem Staat maximal 90 Tage innerhalb eines halben Jahres bleiben kann.

Welche Rechte habe ich als EU-Bürger, wenn ich in ein anderes EU-Land ziehe?

Die ersten drei Monate

Alle EU-Bürger haben durch die Verträge das Recht auf Freizügigkeit. Dazu gehört auch das Recht, in einem anderen Mitgliedstaat Arbeit zu suchen. In den ersten drei Monaten darf sich jeder EU-Bürger ohne Vorbedingungen in einem anderen EU-Land aufhalten. Nach den ersten drei Monaten gelten je nach Status unterschiedliche Bedingungen.


Arbeitnehmer und Selbstständige

Arbeitnehmer und Selbständige sowie ihre direkten Familienangehörigen haben ein Recht auf Aufenthalt, das keinen Bedingungen unterliegt.

Arbeitssuchende

Arbeitsuchende haben – ohne Bedingungen – sechs Monate oder sogar länger ein Recht auf Aufenthalt, wenn sie im EU-Aufnahmeland weiter nach einer Beschäftigung suchen und eine „begründete Aussicht“ auf Arbeit haben. Arbeitsuchende können während der Arbeitsuche in einem anderen Mitgliedstaat mindestens drei Monate lang Arbeitslosenunterstützung von ihrem Herkunftsmitgliedstaat erhalten, wenn sie dort zuvor als arbeitslos registriert wurden.

Nichterwerbstätige

Studierende und andere Nichterwerbstätige (z. B. Arbeitslose, Rentner) haben länger als drei Monate ein Recht auf Aufenthalt, wenn sie für sich selbst und ihre Familie über genügend finanzielle Eigenmittel verfügen, so dass sie für das Sozialsystem des EU-Aufnahmelandes keine Belastung darstellen, und eine Krankenversicherung haben.

Fünfjahresfrist

Nach fünfjährigem ununterbrochenem rechtmäßigem Aufenthalt erwerben EU-Bürger und ihre Familienangehörigen das Recht auf Daueraufenthalt im Aufnahmemitgliedstaat und unterliegen damit nicht mehr den in den vorangegangenen fünf Jahren geltenden Bedingungen.

Seit Jahren nehmen die Visa-Anträge kontinuierlich zu. So stieg die Zahl von 10,2 Millionen im Jahr 2009 auf 17,2 Millionen im Jahr 2013. Mit Abstand am häufigsten beantragen Reisende aus Russland ein Visum für Europa. 2012 kam Russland auf mehr als 6 Millionen Visa für den Schengen-Raum. Auf Platz zwei lag die Ukraine (1,3 Millionen Visa) und China mit 1,2 Millionen. Die meisten Schengen-Visa wurden in Frankreich ausgestellt (2,1 Millionen); Deutschland belegte Platz zwei (1,7 Mio), gefolgt von Spanien.

Die EU-Kommission wies Kritik zurück, eine leichtere Visa-Vergabe leiste der Kriminalität Vorschub. „Wir sorgen an unseren Grenzen weiter für ein hohes Maß an Sicherheit“, sagte Malmström.

Seit 1985 haben die Schengen-Staaten nach und nach die Schlagbäume an ihren Grenzen abgeschafft. Inzwischen gehören 26 Staaten dazu, 22 EU-Länder sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Bürger aus Staaten, die nicht dem Schengen-Raum angehören, benötigen zur Einreise ein Visum.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

01.04.2014, 15:10 Uhr

Die Besucher, die mit dieser Maßnahme angelockt werden, sind die, die unerwünscht bei Nacht mit Stemmeisen kommen ...

Account gelöscht!

01.04.2014, 15:49 Uhr


Geldige Reisende erhalten grundsätzlich ein Visum.

Oder sie kaufen sich in Bulgarien/Malta/Rumanienn gleich den Paß mit.
Welch Dummzielrichtung.

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