Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2012

13:53 Uhr

Europäische Zentralbanken

Nationale Hysterie

VonMarc Brost
Quelle:Zeit Online

Erstmals in der jungen Geschichte der EZB haben die Deutschen den Posten des Chefvolkswirts der EZB verloren. Ein Belgier und nicht der Deutsche Jörg Asmussen besetzt den Posten – na und?

Der Belgier Peter Praet wird überraschend neuer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. dpa

Der Belgier Peter Praet wird überraschend neuer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank.

Natürlich kann man der Meinung sein, dass diese Personalie bloß ein weiteres dramatisches Beispiel dafür ist, wie sehr die deutschen Ideen von Stabilität und Solidität innerhalb der Europäischen Währungsunion nach und nach zerschmettert werden. Jörg Asmussen, das steht seit vergangenem Dienstag fest, wird nicht als neuer Chefvolkswirt ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) einziehen – er wird »nur« der Beauftragte für die internationale Zusammenarbeit.

Erstmals in der jungen Geschichte der EZB verlieren die Deutschen damit diesen Posten. Der erste Amtsinhaber Otmar Issing galt zu Beginn der Währungsunion als strenger Gegenpart zum neuen Präsidenten Wim Duisenberg (einem Niederländer!). Jürgen Stark, der Nachfolger Issings, wurde später gern zum unerbittlichen Anwalt deutscher Stabilitätsinteressen hochstilisiert. Stark hatte seinen Job aus Protest gegen die Staatsanleihenkäufe der Notenbank und die Entwicklung der Währungsunion vorzeitig niedergelegt.

Peter Praet im Porträt: Mann der leisen Töne mit viel Einfluss

Peter Praet im Porträt

Mann der leisen Töne mit viel Einfluss

Ihn hatte im Rennen um den Posten als EZB-Chefvolkswirt keiner auf der Rechnung. Oft war Peter Praet bei der Vergabe von Ämtern in der Europäischen Zentralbank leer ausgegangen. Bis jetzt. Ein Porträt.

Und nun? Bekommt ein Belgier diesen wichtigen Posten, der Mann heißt Peter Praet. Ein Notenbanker aus einem Land also, das bis vor Kurzem nicht einmal eine Regierung hatte! Ist das nicht ein Drama?

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

07.01.2012, 15:30 Uhr

Weshalb kein Luxemburger oder wäre es keine Gelegenheit gewesen, gleich einen "Ausländer", z.B. einen Schweizer in die EZB zu nehmen.

Andererseits muss man auch sehen, welcher Schaden mit der Berufung des Belgiers Peter Praet entstanden ist und sehen, mit welchem Gegengewicht "Asmussen" er sich auseinandersetzen musste. Mit Asmussen in "den Kandidatenkampf" zu ziehen war ohnehin eine halbherzige, "alternativlose" Geschichte von Frau Merkel. Danach war die Entscheidung mehr als folgerichtige.

Erst Wulff, dann Asmussen, dann ...(?) Niemand hatte die Absicht ... (?) Alles alternativlos!

Der Fall Merkel liegt auf dem Tisch!

Abwarten

07.01.2012, 15:48 Uhr

Die Deutschen sind bisher immer gut damit gefahren, auf prestigeträchtige Posten zu verzichten und dafür Inhalte durchzusetzen. Wie Entscheidungen tatsächlich in der EZB (bisher ohne deutschen Präsidenten) gefällt werden, wissen nur die Beteiligten. Angeblich gibt es das ungeschriebene Gesetz der Einstimmigkeit, aber wie lange hält das, wenn Italien nach Hilfe schreit und Frankreich womöglich bald von Hollande geführt wird? Nicht umsonst hat sich Sarkozy mit Merkel angelegt und selbst Anspruch auf diesen Posten erhoben.

Account gelöscht!

07.01.2012, 16:09 Uhr

Langt es nicht, wenn der deutsche Steuerzahler den ganzen Spaß bezahlt?
Wozu brauchen wir dann noch den Posten eines Chef-Volkswirts?
Was für eine Anmaßung von uns Deutschen!!!
Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×