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16.06.2012

10:03 Uhr

Europas Musterschüler

Für Polen wird die EM zum Wirtschaftswunder

VonMathias Brüggmann

Polen zeigt sich zur EM selbstbewusst und modern. Kein anderes EU-Land kam so gut durch die Krise - beim Wirtschaftswachstum ist es bereits Europameister. Doch das genügt der Regierung noch lange nicht.

Polnische Fans feiern ihre Mannschaft bei der EM. dpa

Polnische Fans feiern ihre Mannschaft bei der EM.

Berlin, WarschauWenn der Jubel das rot und weiß leuchtende Rund verlässt, können das derzeit Millionen Fußballfans in der ganzen Welt an ihren Bildschirmen verfolgen. Warschaus neues Nationalstadion am Ufer der Weichsel bebt, zuletzt gestern Abend beim Spiel des Gastgebers Polen gegen den Erzrivalen Russland. Die Bilder moderner neuer Stadien, sympathischer polnischer Fans sowie die neu gebauten Flughafen-Terminals, frisch renovierten Bahnhöfe, neuen Züge flimmern um die Welt.

"Wir spielen in der ersten Liga", sagt Außenminister Radek Sikorski selbstbewusst. Polen sei heute ein Staat, "mit dem zu rechnen ist". Es habe sich seit 1989 großartig entwickelt zu einem modernen, weltoffenen Land, bestätigt der Chefredakteur der polnischen "Newsweek", Tomasz Lis. Kritik an Hooligans in Stadien und rassistischen Sprüchen polnischer Fußballfans, wie sie die britische BBC kürzlich anprangerte, wischt sogar die oppositionelle Zeitung "Rzeczpospolita" weg: "Sie können uns Polen nicht verzeihen, dass wir bessere Klempner, Maurer und Informatiker haben und unsere Kinder schon ein halbes Jahr nach dem Umzug nach England Englisch sprechen."

Polens Fußballfans demonstrieren mit ihren weiß-roten Fähnchen einen neuen Nationalstolz. Doch noch immer ist das Land hin- und hergerissen zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Übertreibung - auch weil in Westeuropa das Wunder an der Weichsel so wenig gewürdigt wurde: Polen kam mit 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum im Krisenjahr 2009 als einziges EU-Land ohne Rezession durch die weltweite Finanzkrise. Seither sprechen sie hier vom Wirtschaftswunderland an der Weichsel. Und das größte osteuropäische EU-Mitglied wächst weiter: Um 3,5 Prozent konnte Polens Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal zulegen.

Das Wirtschaftsministerium prognostizierte am Montag eine Zunahme der Wirtschaftskraft im Gesamtjahr um drei Prozent (2011: 4,3). "Polen ist immer noch hungrig nach Erfolg und ein bisschen immuner gegen die Krise", sagt Marcin Mrowiec, der Chefökonom der Bank Pekao. Der große, wenn inzwischen auch schwächer wachsende Binnenmarkt unterscheidet Polen von den anderen östlichen EU-Ländern, die viel stärker vom Export und damit von der Westkonjunktur abhängig sind. Doch die Euro-Schwäche lässt auch Polen nicht kalt: Der Einkaufsmanagerindex liegt mit 48,9 Punkten so niedrig wie seit langem nicht.

Kommentare (16)

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Scratchpatch

16.06.2012, 10:30 Uhr

Polen kann man nur viel Glück wünschen. Für Deutschland ist es ein wichtiger Nachbar und Handelspartner. Allerdings ist Polen auch der größte Nettoempfänger von EU-Hilfen, wie es auch mal Spanien in seinen guten Zeiten war. Man kann nur hoffen, dass die polnische Regierung mehr daraus macht als Spanien.

matze

16.06.2012, 10:58 Uhr

freut mich von herzen! die haben es verdient!

Ben-Wa

16.06.2012, 11:04 Uhr

polen ist größter - vor dem Zusammenbruch der EU wahrscheinlich letzter - Empfänger von EU-Milliarden. und trägt nicht die Last der Euroretterei. Im Lebensstandard werden die Polen in Kürze an den Deutschen vorbeiziehen. Ich gönnees ihnen von Herzen!
Wenigstens sind deren Politiker nicht so dämlich wie die deutschen - hier vor allem rot-grün, diebedenkenlos, gnadenlos und skrupellos das gesamte deutsche Volksvermögen für ein "politisches Projekt" verzocken wollen!

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