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17.05.2014

12:31 Uhr

Europawahl

Auch Schulz fordert Überprüfung von Google

Wie viel Macht darf Google haben? Wie SPD-Parteichef Gabriel fordert Martin Schulz, Spitzenkandidat zur Europawahl, mehr Kontrolle. Die Sammelwut des Internetgiganten passe nicht in eine eine pluralistische Demokratie.

Google steht in Europa immer stärker unter Beobachtung. Wirtschaftsminister Gabriel droht zur Not sogar mit der Zerschlagung. dpa

Google steht in Europa immer stärker unter Beobachtung. Wirtschaftsminister Gabriel droht zur Not sogar mit der Zerschlagung.

BerlinDer sozialdemokratische Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz, hat sich hinter den Vorstoß von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gestellt, die Marktmacht von Internetgiganten wie Google streng zu kontrollieren. „Wer alles über unsere Bürger, Unternehmen und Politiker weiß, gewinnt eine Machtfülle, die nicht in eine pluralistische Demokratie passt“, sagte Schulz am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die enorme Machtmacht von Internetgiganten mache „kartell- und wettbewerbsrechtliche Prüfungen auf nationaler und europäischer Ebene notwendig“, fügte der EU-Parlamentspräsident hinzu.

Gabriel hatte in einem Interview erklärt, sein Ministerium und das Kartellamt beobachteten, ob Unternehmen wie Google ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchten. Als letztes Mittel brachte der SPD-Chef eine Entflechtung des Internet-Giganten ins Spiel, wie sie bei Strom- und Gasnetzen durchgesetzt worden sei. Kartellamts-Chef Andreas Mundt warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen an die Wettbewerbshüter. Das Kartellrecht könne keine Probleme des Datenschutzes oder der Persönlichkeitsrechte lösen.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Schulz begrüßte Gabriels Initiative. Wenn es Europa gelinge, gemeinsame Standards bei Datenschutz und Datensicherheit zu entwickeln, „schützen wir die Grundrechte unserer Bürger und werden einen Wettbewerbsvorteil in der digitalen Ökonomie des 21. Jahrhunderts erringen“.

Angesichts der marktbeherrschenden Stellung von US-Internet-Riesen wie Google oder Facebook warnen Politiker seit langem vor der Gefahr eines Datenmissbrauchs. Rückendeckung bekamen Kritiker vor wenigen Tagen vom Europäischen Gerichtshof: Die Richter entschieden, dass Google unter bestimmten Umständen Verweise auf Internetseiten mit sensiblen persönlichen Daten aus der Liste der Suchergebnisse löschen muss.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.05.2014, 10:38 Uhr

".....passe nicht in eine eine pluralistische Demokratie."

Da habt Ihr "Volksvertreter" lange für gebraucht, für diese Erkenntnis ! Gratuliere, ach ja, es stehen Wahlen vor der Tür, richtig !

Verlogene Politik !

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