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22.07.2015

14:21 Uhr

Eurostat-Bericht

Stärkster Schuldenabbau der EU in Griechenland

Griechenland hat von allen Ländern der EU den stärksten Schuldenrückgang zu verzeichnen – schultert aber nach wie vor die höchste Schuldenlast. Bis das Maastricht-Kriterium erfüllt wird, ist es noch ein weiter Weg.

Laut dem Vertrag von Maastricht müssen die Länder der Europäischen Union ihre Schuldenlast auf höchstens 60 Prozent des BIPs senken. dpa

Maastricht-Vertrag

Laut dem Vertrag von Maastricht müssen die Länder der Europäischen Union ihre Schuldenlast auf höchstens 60 Prozent des BIPs senken.

LuxemburgGriechenland hat in der EU immer noch die höchste Schuldenlast – auch wenn die Lage sich etwas gebessert hat. Am Ende des ersten Quartals dieses Jahres betrug die öffentliche Verschuldung gemessen an der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt BIP) 168,8 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Dies ist aber immerhin eine Verbesserung gegenüber dem Vorquartal mit 177,1 Prozent und dem Vorjahreszeitraum mit 174,3 Prozent. Der größte Teil waren Kredite mit 129 Prozent des BIP.

Griechenland schaffte damit laut Statistik den stärksten Rückgang. Allerdings schreibt der Maastricht-Vertrag für die Europäische Währungsunion vor, dass die Staaten ihre gesamten Staatsschulden auf lediglich 60 Prozent begrenzen müssen - dieses Ziel wurde weit verfehlt. Die griechischen Schulden beliefen sich im ersten Vierteljahr auf insgesamt 301 Milliarden Euro.

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Das hochverschuldete Griechenland hat seit 2010 zwei internationale Rettungspakete von 240 Milliarden Euro erhalten und verhandelt derzeit ein drittes Programm.

An zweiter Stelle der Negativ-Liste stand Italien mit einer Verschuldung von 135,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Platz drei belegte Portugal mit 129,6 Prozent. Die niedrigsten Quoten meldeten Estland (10,5 Prozent), Luxemburg (21,6 Prozent) und Bulgarien (26,6 Prozent).

Wie ein Schuldenschnitt Europas Steuerzahler belasten würde

Ein riesiger Schuldenberg...

... drückt Griechenland. Ein teilweiser Schuldenerlass und massive Hilfe durch die Euro-Partner über die vergangenen fünf Jahre haben die Probleme des Krisenlandes nicht kleiner werden lassen. Angesichts des drohenden Staatsbankrotts wird nun wieder über einen Schuldenschnitt diskutiert. Er würde aber dieses Mal direkt die europäischen Steuerzahler treffen.

Wie haben sich die griechischen Schulden entwickelt?

Griechenlands Schulden liegen inzwischen bei über 300 Milliarden Euro. Noch im Jahr 2008 lag die Staatsverschuldung nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's nur bei 109,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für dieses Jahr rechnet sie mit 177,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Grund für den Anstieg sind auch die massiven Hilfskredite der Euro-Partner.

Wie viel Geld haben die Euro-Staaten Griechenland bisher in der Krise geliehen?

183,8 Milliarden Euro. Die Euro-Partner gewährten in einem ersten Hilfspaket 2010 bilateral Kredite von 52,9 Milliarden Euro, Deutschland übernahm davon 15,2 Milliarden Euro. Im zweiten Hilfspaket von 2012 erfolgte die Hilfe über den Euro-Rettungsfonds EFSF, für den aber auch die Euro-Staaten bürgen. Aus dem Fonds wurden bis zum Auslaufen des Hilfsprogramms am Dienstag 130,9 Milliarden Euro ausgezahlt. Deutschland muss für 29,1 Prozent der Summe gerade stehen, also für rund 38 Milliarden Euro.

Was umfasste der Schuldenschnitt von 2012?

Im März 2012 wurden Griechenland 53,5 Prozent der Schulden vor allem bei privaten Gläubigern wie Banken erlassen. Dies entsprach einer Verringerung um etwa 107 Milliarden Euro. Seitdem hat Athen Schulden vor allem nur noch gegenüber öffentlichen Geldgebern wie Staaten und internationalen Organisationen.

Wie sind die Euro-Länder Athen bisher entgegengekommen?

Ende 2012 gestanden die Euro-Staaten Athen auch deutlich bessere Kreditkonditionen zu. So wurden die Zinszahlungen auf das erste Paket deutlich gesenkt und dem Land beim zweiten Programm bis zum Jahr 2022 erlassen. Mit der Schuldenrückzahlung muss Athen beim ersten Programm zudem erst ab 2020 beginnen und beim zweiten Programm ab 2023. Gleichzeitig wurde die Laufzeit der Kredite um 15 auf durchschnittlich 30 Jahre angehoben. Letztlich hat Griechenland dadurch Milliarden gespart. Mache Experten sprechen deshalb von einem weiteren, "verdeckten" Schuldenschnitt.

Braucht Griechenland einen weiteren Schuldenschnitt?

Die Regierung des Linkspolitikers Alexis Tsipras fordert das schon seit ihrem Amtsantritt im Januar - stieß damit aber bei den Euro-Partnern auf Ablehnung. Doch auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zweifelt daran, dass Griechenland seine Schuldenlast tragen kann. Am Donnerstag erklärte der Fonds, ein Schuldenschnitt sei kaum zu vermeiden, wenn die Haushaltsziele wegen der verschlechterten Lage deutlich aufgeweicht werden müssten. Dann müssten die europäischen Geldgeber nach IWF-Einschätzung möglicherweise mehr als 53 Milliarden Euro abschreiben.

Wie stark wäre Deutschland betroffen?

Die Bundesregierung ist in beiden Hilfspaketen mit jeweils rund 29 Prozent der Summe dabei. Nach dem IWF-Szenario müsste Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gut 15 Milliarden abschreiben - seine schwarze Null im Haushalt wäre dann futsch, wenn er nicht an anderer Stelle spart.

Gäbe es Alternativen zu einem Schuldenschnitt?

Möglich wäre eine "weitere Verlängerung der Laufzeiten und Absenkung beziehungsweise Stundung der Zinsen", sagt Volkswirt Nicolaus Heinen von der Deutschen Bank. "Dies wäre politisch einfacher zu vermitteln." Auch der IWF schlägt vor, es zunächst mit einer weiteren Streckung der Rückzahlungsfristen zu versuchen: 20 Jahre soll Griechenland demnach gar nichts zurückzahlen und dann über 40 Jahre tilgen. Deutschland und Co. bekämen ihr Geld damit erst bis zum Jahr 2075 vollständig zurück.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Ingo Ulrich

22.07.2015, 15:49 Uhr

"...............auch wenn die Lage sich etwas gebessert hat."

Welcher "Journalist" , der dieses immer noch schreibt, läuft noch frei herum, aus medizinischer Sicht ?
Unglaublich !!!

Herr Peter Spiegel

22.07.2015, 15:59 Uhr

Herr Ingo Ulrich@
Der"Journalist" ist Hellseher und hat den Schuldenschnitt schon mit bearbeitet.

Herr Peter Noack

23.07.2015, 09:31 Uhr

Was meint dpa?
Welcher Grieche würde sich denn freiwillig mit dem Euroland Estland oder dem EU - Staat Bulgarien vergleichen lassen oder umziehen wollen? Was soll dann der ganz Unfug? Sind Staatsschuldenquoten von 10 oder 20 Prozent besser als 60, 70 oder 100 Prozent? Was hat der Bürger davon, wenn er nicht in Luxemburg wohnt?

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