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24.05.2012

13:38 Uhr

Eurovision Song Contest

Regime in Baku geht gegen Opposition vor

Die Führung Aserbaidschans will keine „Politisierung“ des Eurovision Song Contest. Kein Wunder, denn es verhält sich kritisch. Die Polizei nimmt Kritiker fest und die Menschenrechte werden systematisch verletzt.

Beamte in Zivil lösen in Baku eine Demonstration auf. dpa

Beamte in Zivil lösen in Baku eine Demonstration auf.

BakuZwei Tage vor dem Finale des Eurovision Song Contest (ESC) ist die Polizei in Aserbaidschan gegen oppositionelle Demonstranten vorgegangen. Bis zu 35 Menschen seien heute bei einem nicht genehmigten Protest am Sitz des Staatsfernsehens in der Hauptstadt Baku festgenommen worden, sagte eine Oppositionssprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Zwei der Festgenommenen hielten demnach ein Plakat in die Höhe, auf dem sie freie Medien forderten. Das staatliche Fernsehen berichtet stets umfangreich über die Reden von Präsident Ilham Alijew, der seit langem die Opposition in seinem Land unterdrückt.
Die Führung des vorderasiatischen Landes wandte sich gegen eine „Politisierung“ des ESC. Hintergrund war ein Treffen der schwedischen Teilnehmerin Loreen mit Menschenrechtsaktivisten am Mittwoch. Ein Vertreter des Präsidentenbüros in Baku forderte die European Broadcasting Union (EBU) auf solche „politisierten Aktionen“ zu unterbinden und einzuschreiten. Die EBU verantwortet das Finale des Wettbewerbs.
Nicht gefallen dürfte dem Regime, dass Amnesty International die Menschenrechtslage des Landes kritisierte. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit seien auch im vergangenen Jahr systematisch eingeschränkt worden, hieß es im heute erschienenen Menschenrechtsbericht der Organisation. Mit einer „millionenschweren PR-Kampagne“ versuche die aserbaidschanische Regierung, das Land „als modern und demokratisch darzustellen“, erklärte Amnesty. Allerdings sehe die Realität anders aus.
Aserbaidschan ist Gastgeber des Eurovision Song Contest, bei dem am Samstag der Industriemechaniker Roman Lob für Deutschland im Finale antritt. Während die Staatsführung im Vorfeld den Druck auf Regierungskritiker verschärfte, versucht die Opposition, das große Medieninteresse an dem Land auf die Beschränkung der Bürgerrechte zu lenken.

Von

afp

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