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07.04.2015

06:17 Uhr

Ex-Chef der US-Notenbank

Ben Bernanke knöpft sich Deutschland vor

VonFrank Wiebe

Seit einigen Tagen bloggt sich der ehemals wichtigste Notenbanker der Welt wirtschaftspolitische Tipps von der Seele. Der deutsche Exportüberschuss ist ihm ein Dorn im Auge. Anders als China lerne Deutschland nicht dazu.

Ben Bernanke, Ex-Chef der US-Notenbank, ist unter die Blogger gegangen. Und fordert eine andere Wirtschaftspolitik in Deutschland. AFP

Ben Bernanke, Ex-Chef der US-Notenbank, ist unter die Blogger gegangen. Und fordert eine andere Wirtschaftspolitik in Deutschland.

Der ehemalige Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, schließt sich dem Chor der angelsächsischen Ökonomen an, die Deutschland wegen seiner hohen Handelsüberschüsse kritisieren und darin eine wesentliche Ursache der wirtschaftlichen Spannungen innerhalb der Euro-Zone sehen. Immerhin erwähnt er dabei auch den niedrigen Euro-Kurs als Motor der hohen Überschüsse.

Seit einigen Tagen bloggt Bernanke für das Washingtoner Brookings-Institut. In einem Eintrag von Karfreitag stellt der Ökonomie-Professor fest, lange Zeit sei vor allem China wegen seiner Überschüsse kritisiert worden. Dieses Land habe seine Wirtschaft aber inzwischen umgesteuert und sei nun weniger von Exporten abhängig als früher - ganz anders sei die Lage in Deutschland, wo der Handelsüberschuss seit 2000 weiter steige.

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Der Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, erörtert die Chancen und Risiken der Inflationspolitik in der Euro-Zone. Für ihn gibt es vier Reaktionsmöglichkeiten für die Politik und die Wirtschaft.

In der Tat hat China in den letzten Jahren die Konsumgüterindustrie gefördert und durch den Aufbau seines Sozialsystems und zuletzt die Einführung einer Einlagensicherung bei den Banken die Voraussetzungen für eine stärkere Binnenwirtschaft geschaffen. Für Deutschland ist das alles freilich kein Vorbild, weil es dort das alles schon lange gibt.

Bernankes Vorschläge für Deutschland sind nicht neu. Er fordert mehr öffentliche Investitionen und verweist auf Mängel bei Brücken, Straßen und Flughäfen. Er schlägt Steueranreize für private Investitionen und Erleichterungen für Bauherren vor. Außerdem sieht er höhere Löhne als wichtig an, um die Wettbewerbsfähigkeit in Europa ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Gewinner der Weltwirtschaft

Volkswirtschaft 2050

Welche Staaten werden in 35 Jahren noch zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt gehören? Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentliche in ihrer Studie „The World in 2050“ unter anderem eine Top Ten der Volkswirtschaften. Für die Prognose gehen die PwC-Volkswirtschaftler von einem durchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent pro Jahr aus. Die Gewinner der Volkswirtschaften:

Quellen: dpa/ots

Nigeria

2014: 1,058 ; 2030: 2,566; 2050: 7,345 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Erstaunlich optimistisch bewerten die Volkswirtschaftler die Aussichten unter anderem Krisenstaaten in Afrika. So werde Nigeria bis 2050 Deutschland überholen und auf Platz neun der stärksten Volkswirtschaften klettern. Nigeria, Vietnam und die Philippinen werden demnach mit durchschnittlich 4,5 bis 5 Prozent Wachstum die dynamischsten Wachstumsregionen der Welt sein.

Mexiko

2014: 2,143 ; 2030: 3,985 ; 2050: 8,014 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Mexikos Wirtschaft ist derzeit im Wandel. 2020 wird das Land auf Platz neun klettern und 2050 Frankreich aus der Spitzengruppe verdrängen.

Indonesien

2014: 2,554 ; 2030: 5,486 ; 2050: 12,210 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Indonesien dürfte bis 2050 von dauerhaft hohen Wachstumsraten und einer jungen Bevölkerung profitieren. 2030 wird die indonesische Wirtschaftsleistung doppelt so groß sein und schafft es 2050 laut der Studie auf Rang vier.

Brasilien

2014: 3,073 ; 2030: 4,996 ; 2050: 9,154 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Brasiliens Wirtschaft wächst in den kommenden Jahren noch mehr. 2030 klettert das Land auf Rang sechs und bleibt auch 2050 in der Top Ten (Platz fünf).

Indien

2014: 7,277 ; 2030: 17,138 ; 2050: 42,205 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Schon heute ist Indien als drittstärkste Volkswirtschaft etwa 50 Prozent leistungsstärker als das viertplatzierte Japan. Mit dauerhaft hohen Wachstumsraten und einer jungen Bevölkerung wird Indien bis 2050 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Die Wirtschaftsleistung soll dann fast zweieinhalbmal so stark sein wie die Indonesiens.

Auf seiner Liste stehen zudem nicht näher erläuterte Reformen im Einzelhandel und bei Dienstleistungen. Und schließlich solle Deutschland die Bemühungen der Europäischen Zentralbank unterstützen, durch leichteres Geld den Abbau der Spannungen in Europa zu ermöglichen.

Kommentare (34)

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Herr Gerd Kintzel

07.04.2015, 07:33 Uhr

Bernanke möchte ebenso wie Krugmann und andere "Wirtschaftskoryphäen" vor allen Dingen Eins: Die Einführung von Eurobonds und damit endgültig die Vergemeinschaftung der Schulden. Das würde den Euro für alle Zeiten zur absoluten Weichwährung machen und als Konkurrenz zum Dollar ausschalten. Er sollte schon so ehrlich sein und es wenigstens sagen.

Herr Wilfried Runft

07.04.2015, 07:59 Uhr

Bernankes Aussagen sind mehr als durchsichtig und seicht und zeigen, der kocht auch nur mit Wasser. Klar würden Eurobonds Deutschland zum Spekulationsobjekt machen und Erpressungen durch die Finanzwelt wären an der Tagesordnung. Anscheinend hat der anglikanische Raum nur ein Interesse daran, wie man der Wettbewerbsfähigkeit des Euro-Raumes Schaden zufügen kann. Jetzt haben wir schon einen ehemaligen US-Bankster zum EZB-Präsidenten gemacht, der nichts unversucht lässt, den Euro weich zu klopfen, dann ist es denen überm Teich auch wieder nicht recht...

Herr Niccolo Machiavelli

07.04.2015, 08:26 Uhr

An alle Neider des vermeintlich deutschen Wohlstands:

Deutschland ist seit Jahrzehnten auf dem abstiegenden Ast und lebt von den Reserven - nicht zuletzt dank der sozialistischen Parteiolitik, welche innovative Menschenn vergrault und Kostgänger hofiert.

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