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26.02.2012

11:03 Uhr

Ex-Finanzminister im Interview

„Wir gehen an unsere Grenzen“

Quelle:Zeit Online

Der ehemalige Finanzminister Griechenlands hat viele Hilfspakete für das Land ausgehandelt. Er glaubt an sein Land und daran, dass es bald wieder aufwärts geht.

Der ehemalige Finanzminister Griechenland: Giorgos Papakonstantinou dpa

Der ehemalige Finanzminister Griechenland: Giorgos Papakonstantinou

DIE ZEIT: Herr Papakonstantinou, die EU hat am Montag das nächste Hilfspaket für Athen freigegeben. Ist Griechenland jetzt gerettet?

Giorgos Papakonstantinou: Die Entscheidung ermöglicht einen Neuanfang. Sie sichert unsere Finanzierung und signalisiert der Bevölkerung, dass es irgendwann wieder aufwärts geht.

Im Moment beschleunigt sich der Absturz noch.

Ich leugne die Probleme nicht. Aber wir sind auch ein Stück vorangekommen. So haben wir rund ein Drittel unserer der Wettbewerbsfähigkeit wiedergewonnen, die wir seit Einführung des Euro verloren hatten.

Ökonomen sagen, die Löhne müssten weiter sinken. Aber schon jetzt gehen die Menschen empört auf die Straße.

Wir müssen darauf achten, dass wir die Gesellschaft nicht zerstören. Das bedeutet, stärker auf eine bessere Lastenverteilung zu achten. Zum Beispiel, indem wir gegen Korruption und Steuerflucht vorgehen. Es bedeutet auch, das richtige Tempo bei den Reformen zu finden. Wir gehen an unsere Grenzen. Einige Leute müssen Gehaltseinbußen von 30 oder 40 Prozent hinnehmen.

Weil die Gehälter vorher zu hoch waren.

Möglich. Aber wir sprechen hier über Menschen. Sie haben Kredite aufgenommen, und nun kommen sie nicht mehr klar.

Aus deutscher Sicht ist das Problem eher, dass Griechenland nicht schnell genug vorankommt. Immer wieder wurden Ziele verfehlt.

Wir haben Fehler gemacht. Man muss aber auch sehen, dass in den vergangenen beiden Jahren das Etatdefizit um acht Prozentpunkte reduziert wurde, wenn man es um die Zinszahlungen bereinigt. Das hat es in Europa noch nie gegeben. Ich wünsche mir, dass die Anstrengungen des griechischen Volkes mehr Anerkennung finden. Einige Beobachter verstehen nicht, wie schwer es ist, ein Land komplett zu reformieren. Und das tun wir. Wir reformieren alles: das Steuersystem, das Rentensystem, den Arbeitsmarkt.

Die Frage ist, ob ihr Land überhaupt eine Perspektive hat.

Es gibt eine Perspektive, wenn wir nicht nur sparen, sondern auch investieren. Ich denke etwa an den Ausbau erneuerbarer Energie. Dazu müssen europäische Gelder mobilisiert werden. Dann kann sich die Stimmung drehen.

Kommentare (10)

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Rainer_J

26.02.2012, 12:00 Uhr

Der Mann ist doch völlig unglaubwürdig. Griechenland hat immer noch einen Spitzensteuersatz von 40% (Dänemark hat z.B. 59%). Abgesehen davon zahlen die meisten Reichen keine Steuern in GR.

Hier von "Wir gehen an unsere Grenzen" zu sprechen ist einfach lächerlich und völlig unglaubwürdig!

Profit

26.02.2012, 12:13 Uhr

Der Mann ist wie alle Griechen eine einzige Zumutung. Griechenland hat Deutsche Anleger und Deutsche Steuerzahler um Milliarden Euro geprellt und betrogen. Mit Griechenland Mitleid? Solidarität? Verachtung ist die bessere Beschreibung des Gemütszustands. Allerdings habe ich in den letzten Wochen wieder gelernt, was ich schon vergessen hatte: Afrika fängt mit der Ägäis an!

hpmalter

26.02.2012, 12:35 Uhr

Weil die Gehälter zu hoch waren...? Ein Automechaniker verdiente selbst in Athen gearede mal 800,-€. Es awr die hemmungslose Selbstbedienung im Öffentl. Diernst, die Griechenland ins Elend führte und das soll wohl so weitergehen: "...Erneuerbare Energien, dafür müssen wir europäische Gelder mobilisieren..." Von Ärmel hochkrempeln und selber etwas tun ist keine Rede. Die Griechen haben wohl noch immer nichts verstanden und die Zeitungsschreiber scheinbar auch nicht.

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