Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2014

12:29 Uhr

Ex-Finanzminister

Neuer Notenbankchef für Griechenland

Nach sechs Jahren im Amt muss Griechenlands Notenbankchef George Provopoulos gehen. Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzminister Ioannis Stournaras. Er spricht sich klar gegen ein drittes Hilfspaket aus.

Yannis Stournaras war bisher Griechenlands Finanzminister, im Rahmen einer Kabinettsumbildung wurde sein Posten neubesetzt. ap

Yannis Stournaras war bisher Griechenlands Finanzminister, im Rahmen einer Kabinettsumbildung wurde sein Posten neubesetzt.

AthenDer bisherige griechische Finanzminister Ioannis Stournaras wird neuer Chef der Zentralbank (Bank of Greece) des schuldengeplagten Eurolandes. Dies teilte die zuständige Kommission der Notenbank am Mittwoch mit. Der 56-jährige Ökonom führte das Finanzressort der griechischen Koalitionsregierung seit Juni 2012 in einer der schwierigsten Phase der Finanzkrise. Stournaras wurde am Mittwoch in Berlin erwartet, wo er zusammen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an einer Veranstaltungsreihe des Finanzressorts zu Europa teilnehmen sollte.

Stournaras wird nach der Übernahme seines neues Postens am 19. Juni weiter eine wichtige Rolle bei den Bemühungen für die Stabilisierung Griechenlands spielen. Seine Berufung zum Notenbankchef muss noch formell vom griechischen Ministerrat gebilligt werden. Der griechische Regierungschef Antonis Samaras hatte sein Kabinett zu Wochenbeginn umfassend umgebildet und als neuen obersten Kassenhüter Griechenlands den Finanzexperten Gikas Hardouvelis ernannt.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.

Das hoch verschuldete Griechenland geht nach wie vor davon aus, ohne ein drittes Hilfspaket auszukommen. Der bisherige griechische Finanzminister und neue Chef der Zentralbank (Bank of Greece), Ioannis Stournaras, bekräftigte am Mittwoch in Berlin, sein Land könne die Finanzlücke aus eigener Kraft schließen. „Wir haben Wege, um den Betrag aufzubringen“, sagte Stournaras nach einem Treffen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Es sei aber noch zu früh für Entscheidungen. Schäuble betonte die Bereitschaft der Euro-Partner zu weiteren Hilfen, falls es Bedarf dafür gebe: „Ob das so sein wird, werden wir sehen.“

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte Griechenland zusätzliches Geld benötigen. Grund sind die Finanzlücken bei gleichzeitig sehr hohen Staatsschulden. Athen hatte zuletzt aber mehrfach betont, dass kein drittes Hilfepaket angestrebt werden. Schäuble geht davon aus, dass auch die neue griechische Regierung den bisherigen Kurs fortsetzen wird: „Der Wechsel in der Position des Finanzministers bedeutet keinen Wechsel in der Politik.“ Dies habe ihm die griechische Regierung versichert.

Nach den Worten von Stournaras hat Griechenland es geschafft, das „Schiff in eine andere Richtung zu manövrieren - in Richtung Wohlstand und Aufschwung“. Weitere Reformen seien notwendig, der Rahmen dafür sei aber nicht mehr so eng wie bisher. Ein Problem sei nach wie vor die geringe Liquidität der griechischen Wirtschaft.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.06.2014, 19:08 Uhr

Auch ein weicher Haircut,ist ein Haircut,bleibt ein Haircut zu Lasten der Gläubiger.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×