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28.04.2016

03:06 Uhr

Ex-Hewlett-Packard-Chefin

Cruz kürt Fiorina zur Vizepräsidentschaftskandidatin

Von Hewlett-Packard ins Weiße Haus? Ted Cruz will mit seiner früheren Konkurrentin Carly Fiorina an seiner Seite in die entscheidenden Wochen vor dem Nominierungsparteitag der Republikaner. Donald Trump lästert bereits.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat aus Texas, Ted Cruz, hat sich die frühere Hewlett-Packard-Chefin, Carly Fiorina, als Vizepräsidentschaftskandidatin ausgesucht. AP

Zukünftige Partner

Der republikanische Präsidentschaftskandidat aus Texas, Ted Cruz, hat sich die frühere Hewlett-Packard-Chefin, Carly Fiorina, als Vizepräsidentschaftskandidatin ausgesucht.

IndianapolisTed Cruz hat die ehemalige Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft auserkoren.

Knapp drei Monate vor dem Nominierungsparteitag der Republikaner wagt der texanische Senator damit einen ungewöhnlichen Schritt - normalerweise benennt ein Präsidentschaftsbewerber seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten erst, wenn er die Mehrheit der Delegiertenstimmen für den Parteitag sicher hat. Davon ist Cruz jedoch weit entfernt.

Nachdem er am Dienstag gleich in fünf weiteren Vorwahlstaaten gegen Spitzenreiter Donald Trump verloren hat, braucht Cruz dringend Schwung, um sich noch als geeignete Alternative zu profilieren. Mit der 61-jährigen Fiorina wählte er eine mögliche Vizepräsidentin, die sich selbst um die Kandidatur der Republikaner beworben hatte, im Februar nach den Vorwahlen in New Hampshire aber aus dem Rennen ausgestiegen war.

Warum die US-Wahl für Deutschland wichtig ist

Politisches Verhältnis

Weniger herzlich ist das transatlantische Verhältnis geworden. Kühler, zweckorientierter, auch fremder. Die Uneinigkeit Europas und sein Auseinanderdriften besorgen Washington sehr. Wird der nächste Präsident auf Distanz bleiben und die Bindungen nach Asien ausbauen – oder wird er sich wieder um mehr Nähe bemühen?

Flüchtlinge

Wenn die Konflikte im Nahen Osten eskalieren - was bedeutet das für die Flüchtlingsbewegungen und ihr Hauptziel Deutschland? Ein härterer, weniger international denkender Präsident würde noch viel weniger Syrien-Flüchtlinge in die USA lassen. Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen.


Außenpolitik

Wer auch immer Barack Obama nachfolgen wird: Er wird außenpolitisch eine härtere Gangart anschlagen. Mehr Aggressivität im Nahen Osten und in Nordafrika ist wahrscheinlich. Die Erwartungen an den Nato-Partner Deutschland werden steigen.

Energie

Treibt der 45. Präsident der USA die Energieautonomie seines Landes voran, fördert das Fracking weiter? Wenn die USA deswegen ihr Engagement in der ölreichen Golfregion weiter zurückfahren, was heißt das für Deutschlands und Europas Rolle in Nahost?

Klima

Ohne die USA geht beim Klimaschutz nichts voran. Deutschland hat an diesem Thema großes Interesse, ein republikanischer Präsident aber könnte das dagegen ganz anders sehen.

TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll 2017 oder 2018 abgeschlossen werden. Wirtschaftlich wäre das für Deutschland und Europa bedeutend. Wie viel Wert wird der nächste US-Präsident darauf legen wollen, wenn dann das Pendant zu diesem TTIP unter Dach und Fach sein sollte, das gewaltige Abkommen TTP mit den Pazifikanrainern?


Cruz gab seine Wahl am Mittwoch in Indianapolis bekannt. Er lobte Fiorina für ihren beruflichen Aufstieg von der Sekretärin zur HP-Chefin und ihre bereits gezeigte Bereitschaft, Trump herauszufordern.

Immer und immer wieder habe Fiorina unsichtbare Hindernisse zerschlagen, sagte Cruz. Der Co-Vorsitzende seines Wahlkampfteam in Los Angeles, Gary Aminoff, sagte: „Carly ist gescheit, kenntnisreich, bringt großes finanzielles Expertenwissen mit und sie ist eine Frau.“

Die Ausgewählte hatte sich schon kurz nach dem Ende ihrer Präsidentschaftsbewerbung für Cruz stark gemacht. Sie war die einzige Frau im großen republikanischen Bewerberfeld gewesen.

„Das hier ist der Kampf unserer Zeit“, sagte Fiorina am Mittwochabend (Ortszeit) bei Cruz' Bekanntgabe. „Und ich glaube, Ted Cruz ist der Mann, der diesen Kampf anführen wird.“ Sie sei darauf vorbereitet, an seiner Seite zu stehen und alles zu geben, um „die Seele unserer Partei zurückzubringen und Donald Trump zu schlagen, Hillary Clinton zu schlagen, und dieses Land zurückzunehmen.“

Trump kritisierte Cruz' Entscheidung noch vor der offiziellen Bekanntgabe als dumm und lächerlich. „Er sollte niemanden benennen, weil er gar keine Chance hat“, sagte Trump dem Fernsehsender Fox News. Außerdem habe Fiorina im Wahlkampf eine schlechte Figur gemacht.

Auch die Kritik der Demokraten an der Allianz ließ nicht lange auf sich warten. Cruz und Fiorina seien am besten als „böse und böser“ zu beschreiben, sagte die kalifornische Senatorin Barbara Boxer, die Fiorina bei der Senatswahl 2010 besiegt hatte.

Mathematisch gesehen kann Cruz Trump nicht mehr einholen und sich so die Präsidentschaftsnominierung der Republikaner sichern. Er und der weitere Kandidat John Kasich setzen deshalb auf eine Kampfabstimmung auf dem Nominierungsparteitag im Juli, sollte Trump selbst nicht die nötigen 1237 Delegiertenstimmen in den Vorwahlen erreichen.

Dass Cruz seine Wahl in Indianapolis bekanntgab, ist kein Zufall: In Indiana finden am kommenden Dienstag die nächsten Vorwahlen statt. Fiorinas Kontakte nach Kalifornien könnten ihm ebenfalls helfen, um die wichtige Vorwahl in dem US-Staat am 7. Juni zu gewinnen.

Von

ap

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