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23.03.2014

12:46 Uhr

Ex-NSA-Chef zur Spähaffäre

„Wir haben einen Freund schlecht aussehen lassen“

Für die Spähaffäre als solche wollte sich der frühere NSA-Chef Michael Hayden bei Deutschland nicht entschuldigen – wohl aber für die Folgen der Abhöraktionen. Der Fehler der NSA: „Wir konnten es nicht geheim halten.“

Michael Hayden war in den Jahren 1999 bis 2005 NSA-Chef. dpa

Michael Hayden war in den Jahren 1999 bis 2005 NSA-Chef.

BerlinDer ehemalige Chef der NSA, Michael Hayden, hat bei den Deutschen wegen der Auswirkungen der NSA-Affäre um Entschuldigung gebeten – nicht aber wegen der Abhöraktionen selbst. „Ich gestehe, dass wir Amerikaner nicht nur die Auswirkungen auf die Kanzlerin, sondern auch auf die deutsche Bevölkerung unterschätzt haben“, sagte Hayden dem „Spiegel“. Er sei zwar nicht zu einer Entschuldigung wegen der nachrichtendienstlichen Beobachtung bereit. „Aber ich bin bereit, mich dafür zu entschuldigen, dass wir einen guten Freund schlecht haben aussehen lassen“, sagte Hayden. „Wir konnten es nicht geheim halten und haben damit einen Freund in eine sehr schwierige Lage gebracht. Schande über uns, das ist unser Fehler.“

Weiter sagte der frühere NSA-Chef, wahrscheinlich habe Deutschland bei dem Thema „eine andere Empfindsamkeit“. Er habe während der Münchener Sicherheitskonferenz gemerkt, „dass die Deutschen Privatsphäre etwa so betrachten wie wir Amerikaner vielleicht Meinungs- oder Religionsfreiheit“. Das sei vielleicht nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Hayden war in den Jahren 1999 bis 2005 NSA-Chef. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) soll seit dem Jahr 2002 abgehört worden sein, Merkels Handy später ebenfalls. Ans Licht kamen die Aktivitäten durch den Geheimdienstenthüller Edward Snowden. Hayden sagte zu den Abhöraktionen weiter, es sei zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass das Weiße Haus davon nichts gewusst habe. „Aber es war keine Entscheidung des Präsidenten.“

Vor diesem Hintergrund erteilte Hayden einem von der Bundesregierung gewünschten Anti-Spionage-Abkommen eine Absage. "Wir haben mit niemandem ein entsprechendes Abkommen geschlossen, nicht einmal mit den Briten", sagte der frühere Geheimdienstchef dem "Spiegel". "Ein solches Abkommen wird es nicht geben."

Kommentare (1)

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24.03.2014, 08:40 Uhr

Der ehemalige Chef der NSA, Michael Hayden, hat bei den Deutschen wegen der Auswirkungen der NSA-Affäre um Entschuldigung gebeten – nicht aber wegen der Abhöraktionen selbst. „Ich gestehe, dass wir Amerikaner nicht nur die Auswirkungen auf die Kanzlerin, sondern auch auf die deutsche Bevölkerung unterschätzt haben“, sagte Hayden (Zitat)

Ja- so einfach ist das also, "die deutsche Bevölkerung zu unterschätzen..." und dann mit einer Entschuldigung mal eben sang- und klanglos mit - "ist doch nicht schlimm" zu begründen. Mag sein, dass Fr. Merkel damit zufrieden ist - aber gleich die ganze deutsche Bevölkerung mit einer derartigen primitiven Entschuldigung "besänftigen" zu wollen, dürfte wohl ein Witz sein. Gefragt sind jetzt Maßnahmen zur "Heilung" der Verletzung durch die USA in der deutschen Verfassung. Wenn die USA nun denkt auf der einen Seite schimpfen zu dürfen, wenn Russen auf ihrem ursprünglichen Sowjetgebiet "Grenzen verschieben" aber selbst, deutsche Verfassungen einfach ignorieren . Da stimmt wohl bei den Russen und den Amerikaner "etwas" nicht. Die Bundesrepublik sollte deshalb einfach jegliche Betätigung der NSA auf deutschem Boden verbieten bzw. die NSA in allen deutschen Stationen der US Streitkräfte ohne "Wenn und aber " verbannen ?

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