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06.06.2012

08:47 Uhr

Ex-Präsident

Bill Clinton vermasselt Obama die Tour

VonNils Rüdel

Er schmeichelt dem Gegner, lobt Finanzhaie und will Bushs Steuergeschenke für Reiche verlängern. Clinton ist ein wichtiger Verbündeter Obamas - doch sein Ego und seine Unabhängigkeit machen es dem Amtsinhaber schwer.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton (rechts) unterstützt den gegenwärtigen Amtsinhaber Barack Obama. dapd

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton (rechts) unterstützt den gegenwärtigen Amtsinhaber Barack Obama.

WashingtonAm Montagabend war er noch der brave Bill Clinton. Der Bill Clinton, der macht, was von ihm erwartet wird. „Barack Obama hat das beste aus einer wirtschaftlich miserablen Situation gemacht“, sagte der Ex-Präsident bei einer Spendengala in New York. Deshalb habe er es mehr als verdient, wiedergewählt zu werden. Ein Sieg von Gegner Mitt Romney wäre dagegen „verheerend für die USA und die Welt“. Obama und Clinton winkten danach gemeinsam in die Kameras, und es sah so aus, als würde zwischen die beiden Superstars der Demokratischen Partei kein Blatt Papier passen.

Die Behaglichkeit hielt keine 24 Stunden. Am Dienstagnachmitag wollte Clinton nicht mehr der brave Bill sein. In einem Interview mit dem TV-Sender CNBC sprach sich der Ex-Präsident dafür aus, die Steuergeschenke für Reiche aus Zeiten der Regierung von George W. Bush vorerst zu verlängern. „Das wäre wahrscheinlich das beste, was man jetzt tun kann“, sagte Clinton.

Das Team hinter Romney

Matt Rhoades

Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

Bob White

White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

Beth Myers

Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

Eric Fehrnstorm

Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

Peter Flaherty

Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

Spencer Zwick

Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Die Aussage klingt wie eine Lappalie, aber sie alarmiert die Demokraten, weil sie den Kern der gesamten Wiederwahlstrategie Obamas berührt: Der Präsident verkauft sich als Kämpfer für die Gerechtigkeit. In Zeiten, in denen weite Teile der Mittelschicht in die Armut abzurutschen drohen, während Reiche immer reicher werden, will Obama, dass „jeder seinen gerechten Anteil übernimmt“. Dazu gehört, dass Obama und die Demokraten die zu Jahresende auslaufenden Steuerkürzungen für Einkommen oberhalb von 250.000 Dollar nicht mehr verlängern wollen. De fecto also sollen Reiche dann mehr Steuern zahlen.

Clinton allerdings hält das für gefährlich, und ist damit ganz bei Obamas Gegner Mitt Romney und den Republikanern. Grund: Man dürfe in wirtschaftlich unsicheren Zeiten den Amerikanern nicht noch mehr Geld aus der Tasche ziehen. Wer die Wohlhabenden höher besteuere, der treffe eben auch Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen wollen. Clinton plädiert stattdessen für eine pragmatische Lösung: Erst einmal weitermachen und nach der Wahl neu verhandeln – das Gegenteil dessen, was Obama will. „Mit Freunden wie diesen müssen Obamas politische Gegner nicht viel tun“, höhnte folglich am Dienstag die Politik-Website Politico.

Dabei ist der beliebte Ex-Präsident für Obama ein wichtiger Wahlkampfhelfer. Das Verhältnis der beiden Staatsmänner gilt eher als professionell, man geht zusammen golfen, aber eine Freundschaft ist es nicht. Vor vier Jahren hatte Clinton Obama noch hart bekämpft, als der damalige Senator aus Illinois mit Hillary Clinton um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten rangen. Nun sammelt Bill Clinton brav Spenden für Obama, verdammt Republikaner und umschwärmt Wähler, die der Amtsinhaber schwer erreicht.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

06.06.2012, 09:12 Uhr

Wenn es dem EX unter der Schädeldecke hämmert, ist es Obamas erste Pflicht, für ausreichend Praktikantinnen zu sorgen.

Baluba

06.06.2012, 11:03 Uhr

...ich sags ja...Fachkräftemangel wie in den deutschen Führungsetagen...

Account gelöscht!

06.06.2012, 11:18 Uhr

Baluba

Da fehlt die Quotenregelung und schon läuft alles wie geschmiert!

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