Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.06.2012

12:08 Uhr

Ex-Präsident Mubarak

Vom Helden zum Hassobjekt

Husni Mubarak ringt mit dem Tod. Auf der Straße findet sein Schicksal kein Mitleid. Einst als Hoffnungsträger gefeiert, ist Ägyptens Ex-Präsident heute ein verhasster Mann.

Ägyptens Ex-Präsident Mubarak: Aus dem Amt gejagt. Reuters

Ägyptens Ex-Präsident Mubarak: Aus dem Amt gejagt.

KairoJahrzehntelang bestimmte Husni Mubarak mit harter Hand die Geschicke Ägyptens. Nach seinem Sturz verschlechterte sich aber auch der Gesundheitszustand des ehemaligen Machthabers immer weiter, die vergangenen eineinhalb Jahre verbrachte er fast ausschließlich in Krankenhäusern. Am Dienstag, weniger als drei Wochen nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft, fiel er ins Koma.

Im Gefängnis in Tora, in das der 84-Jährige nach dem Schuldspruch wegen der Beihilfe zur Tötung hunderter Demonstranten gebracht worden war, war es Mubarak nach Angaben von Gefängnisbeamten von Tag zu Tag schlechter gegangen. Teile der ägyptischen Öffentlichkeit vermuteten aber, dass Berichte über seinen Gesundheitszustand nur ein Vorwand der Militärs waren, um Mubarak eine Sonderbehandlung zukommen zu lassen.

Nach Herzinfarkt

Mubarak lebensbedrohlich erkrankt

Nach Herzinfarkt: Mubarak lebensbedrohlich erkrankt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Dieses Misstrauen sitzt tief. Schließlich war der Ex-Machthaber zuvor auch in einer Luxussuite eines Militärkrankenhauses untergebracht gewesen und auch der Prozess gegen ihn - der erste gegen einen während des Arabischen Frühlings gestürzten Machthaber im eigenen Land - hatte erst Monate nach seinem Abgang unter großem öffentlichen Druck begonnen.

Mubarak wurde von der ägyptischen Staatsanwaltschaft vorgeworfen, während des Volksaufstands Anfang vergangenen Jahres den Einsatz scharfer Munition gegen Demonstranten genehmigt zu haben. Über 850 Menschen kamen im Zuge der Revolution ums Leben. Die Staatsanwaltschaft forderte für Mubarak die Todesstrafe.

Mit einem Rückzug auf Raten versuchte Mubarak zunächst, sich an der Macht zu halten. Doch unter dem Druck der Massenkundgebungen gab der Staatschef auf. Mubarak habe die Macht an das Militär übergeben, verkündete sein Stellvertreter Omar Suleiman am 11. Februar unter dem Jubel Hunderttausender.

Fast drei Jahrzehnte war Mubarak an der Macht. Die Präsidentschaft hatte er nach der Ermordung Anwar al Sadats 1981 aus einer Krise heraus übernommen. Für viele seiner Landsleute war er ein Symbol für Stabilität. Doch der ehemalige Kampfpilot und Luftwaffenchef, der als kampfeslustig und stur gilt, wurde für sein Volk zum eigentlichen Problem.

Mubarak unternahm zaghafte Schritte hin zu demokratischen Reformen, zog sich dann aber wieder auf das autoritäre System zurück, das - gepaart mit Armut und Korruption - die Menschen auf die Straße trieb. Und dass er offenbar seinen Sohn Gamal als Nachfolger heranzog, nahm vielen Ägyptern jede Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

celadensky

20.06.2012, 12:33 Uhr

Was warten wir auf sein Ende wie die Geier?! Lasst doch den armen alten Mann in Frieden und möglichst schmerzfrei sterben. Es ist schlicht geschmacklos, dass manche Medien - möglicht als erste - über seinen letzten Atemzug, seinen letzten Pulsschlag berichten wollen: BLÖD war dabei!

hajohans

20.06.2012, 12:35 Uhr

Die Gunst des Volkes ist der unbestaendigste aller Faktoren. "Halleluja" am Palmsonntag und "Kreuziget Ihn" am
Karfreitag. Mubarak ist nicht mit Jesus zu vergleichen, aber er hat auch viel fuer sein Volk geleistet - nur will es jetzt niemand wahrhaben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×