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10.10.2014

17:54 Uhr

Ex-Sowjetrepubliken

Putin kritisiert EU-Freihandelsabkommen

Kremlchef Putin fühlt sich von der EU bei Handelsabkommen mit Ex-Sowjetrepubliken übergangen. Die Russen fürchten Auswirkungen auf die eigene Wirtschaft – und fordern stärkere Rücksichtnahme auf ihre Interessen.

Prinzipiell habe der Kremlchef nichts gegen eine EU-Annäherung von GUS-Mitgliedern, sagte Wladimir Putin bei dem Gipfeltreffen. Reuters

Prinzipiell habe der Kremlchef nichts gegen eine EU-Annäherung von GUS-Mitgliedern, sagte Wladimir Putin bei dem Gipfeltreffen.

MinskKremlchef Wladimir Putin hat Freihandelsabkommen der EU mit Ex-Sowjetrepubliken scharf kritisiert und eine stärkere Rücksichtnahme auf russische Interessen gefordert. Ein Problem gebe es, weil niemand offen mit Moskau über die Risiken für die russische Wirtschaft spreche, sagte Putin beim Gipfeltreffen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in Minsk am Freitag. Russland sei aber nicht prinzipiell gegen eine EU-Annäherung von GUS-Mitgliedern wie die Ukraine oder Moldau, sagte er in der weißrussischen Hauptstadt.

Der Kreml befürchtet, dass durch Freihandelszonen mit der EU günstigere europäische Produkte nach Russland gelangen und so der kaum konkurrenzfähigen Wirtschaft schaden könnten. Wegen Moskaus Bedenken wurde ein Handelsabkommen zwischen Brüssel und Kiew bis Anfang 2016 ausgesetzt. Dies sei eine Möglichkeit, für Russland gefährliche Punkte des Abkommens zu korrigieren, sagte Putin Agenturen zufolge. Er forderte eine ähnliche Lösung für Moldau, das im Juni ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterschrieben hatte.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ließ sich in Minsk von seinem Botschafter vertreten. Beobachter vermuten, dass der prowestliche Poroschenko die Nähe zur russisch dominierten GUS wegen der Parlamentswahlen in der Ukraine in drei Wochen scheut. Der usbekische Staatschef Islam Karimow kritisierte, Poroschenkos Abwesenheit trage nicht zu einer Lösung des Konflikts in der Ostukraine bei. Der Gastgeber des Gipfels, der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko, forderte ein Ende der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Konfliktgebiet Ostukraine.

Armenien besiegelte in Minsk seinen Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion. Mit der Organisation, zu der Russland, Weißrussland und Kasachstan gehören, soll ein gemeinsam koordinierter Markt geschaffen werden. Zudem wurde ein Zeitplan für eine Aufnahme Kirgistans beschlossen. Auch für die Ukraine und Moldau war eine Mitgliedschaft angedacht, doch lehnten diese zugunsten einer stärkeren EU-Anbindung ab.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.10.2014, 18:39 Uhr

Putin kritisiert EU-Freihandelsabkommen

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Jetzt wo es eine Eurasische Union gibt ist es doch nicht anders zu erwarten als dass sich Putin hinter der Einstellung stellt :

Die Eurasische Union ist mir wichtiger als die EU und die Ukraine vor der Haustür ist eine Rosine vom Kuchen dass auch ich für die Eurasische Union haben will ?

Darüber hinaus ist der Freihandelsabkommen falsch Aus verhandelt worden...

WEIL diese EU zu spät aufgewacht ist.

Hätte man sich als EU wirkliche Wirtschaftliche und Politische Mühen noch im Jahr 2013 gemacht...

und dieses Freihandelsabkommen schneller zustanden kommen lassen...

dann wäre die Krim heute nicht in russischer Hand und es wären niemals so viele Menschen Leben in der Ukraine zu Opfer gefallen.

Wie bei allem zögert und zögert diese EU bei dessen Handlungen...

dabei ist diese heutige EU schon Handlungsunfähig aus der eigene reihe.

Wenn man die Abstimmung der 28 EU-Länder abverlangen würde für alle Angelegenheiten der EU...

dann könnte sich der EU-Steuerzahler viele Milliarden an Steuer-EURO ersparen...weil man die überteuerte EU-Politik gar nicht benötigen würden...

denn die Einigung innerhalb der EU ist an einem Maß angekommen dass man gar nicht sich einig ist.

Diese heutige EU nennt sich noch Demokratisch ?

Eine Echte demokratische EU wird es erst geben wenn :

" DIESE EU AUS DIREKTE DEMOKRATIE GEWÄHLT WIRD und auch die 500 Millionen Europäer JEDER ANGELEGENHEIT DER EU IN EINE JEDESMAL DIREKTE WAHLENTSCHEIDUNG MIT WÄHLEN DARF ! "

Die EU würde gerne haben dass sich die Europäer mehr in Politik einbringen ?

Die EU würde gerne erreichen dass sich die EU-Bevölkerung mit mehr Motivation sich zeige ?

All das wird nur mit DIREKTE DEMOKRATIE INNERHALB DES EUROPÄISCHEN KONTINENT ERREICHBAR WERDEN.

Politiker müssen mit Lobbyismus endlich Schluss machen und SICH DEN TATSÄCHLICHEN WÜNSCHE SEINER WÄHLER WIDMEN !

Herr wilfried feuster

15.10.2014, 17:46 Uhr

Euro Dekandenz...

Was ist aus MH17 geworden? Ich möchte mich in die Angehörigen versetzen...siehe auch:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=26&cad=rja&uact=8&ved=0CD4QFjAFOBQ&url=http%3A%2F%2Fquer-denken.tv%2Findex.php%2F738-malaysische-presse-beschuldigt-ukrainische-regierung-flug-mh17-abgeschossen-zu-haben&ei=o7w3VOW4Bc3tO-DwgcgL&usg=AFQjCNHXphnYunYYD99t-YWSGssWNEzd2A

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