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11.02.2014

06:15 Uhr

Ex-UBS-Chef zur Volksabstimmung

„Die Schweiz bietet weiterhin attraktive Arbeitsplätze“

VonHolger Alich

Oswald Grübel ist Deutscher und hat zwei Schweizer Großkonzerne geführt. Im Interview spricht er über das Ergebnis der Volksabstimmung zur Zuwanderung: „Ich teile nicht den allgemeinen Pessimismus.“

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel: „Die Schweiz hat weiterhin attraktive Arbeitsplätze.“ AFP

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel: „Die Schweiz hat weiterhin attraktive Arbeitsplätze.“

Oswald Grübel war einer der prominentesten deutschen Manager in der Schweiz. Von 2003 bis 2007 führte er die Großbank Credit Suisse, von 2009 bis 2011 die UBS.

Herr Grübel, die Schweizer wollen künftig die Zahl der Zuwanderer wieder über Kontingente steuern. Machen Sie sich über Ihre Aufenthaltsgenehmigung schon Sorgen?

Ich habe zwar keinen Schweizer Pass, aber ich Sorge mich nicht darum, dass ich meine Aufenthaltsgenehmigung verlieren könnte. Ich habe viele Jahre hier gearbeitet und glaube nun nicht, dass man mich jetzt noch rauswirft. Gestern wurden Regeln zur Begrenzung der Zuwanderung beschlossen und keine Ausschaffungs-Initiative.

Wie bewerten Sie das Votum?

Ich habe das so erwartet. Und ich habe großes Verständnis für die Entscheidung der Schweizer. In der Schweiz leben bereits fast ein Viertel Ausländer, soviel wie kaum in einem anderen Land in der Welt. Das konnte nicht so weiter gehen. Ich bin zudem sicher, dass auch in Deutschland eine vergleichbare Abstimmung ähnlich ausgegangen wäre, obwohl in Deutschland nur acht Prozent der Bewohner Ausländer sind. Wir Deutschen sollten also vorsichtig sein mit Kritik am Schweizer Votum.

Welche Folgen befürchten Sie für die Wirtschaft?

Kurzfristig keine. Denn jetzt hat die Regierung ja drei Jahre Zeit, um eine Lösung zu finden. Und die Wirtschaft braucht nur wenige der 80 000 Menschen, die jedes Jahr kommen. Ich bin zuversichtlich, dass auch weiterhin die Menschen ins Land kommen werden, die die Wirtschaft braucht. Und die Schweiz hat weiterhin attraktive Arbeitsplätze zu bieten, so dass auch weiterhin Hochqualifizierte ins Land kommen werden.

Ausländische Führungskräfte in der Schweiz

Ausländer in Schweizer Großkonzernen

Ausländeranteil in den Führungsetagen der 100 größten Schweizer Unternehmen:

45 Prozent

Quelle: Schilling Report 2013

Ausländer unter Neuberufungen

Ausländeranteil der neu berufenen Geschäftsführungsmitglieder und Vorstände im Jahr 2013:

52 Prozent

Ausländer in Verwaltungsräten

In den Aufsichtsgremien (Verwaltungsräten) beträgt die Ausländerquote:

36 Prozent

Ausländeranteil der Vorstandschefs („CEOs“)

42 Prozent

Fürchten Sie denn keinen Verwaltungsaufwand durch Kontingente?

Als ich in die Schweiz gekommen bin, hat es solche Kontingente bereits gegeben. Und aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nicht sagen, dass das Land damit schlecht gefahren ist. Zudem kann ich mir vorstellen, dass mit den heutigen technischen Möglichkeiten sich der Verwaltungsaufwand begrenzen lässt.

Fällt aber die Freizügigkeit, ist auch der EU-Marktzugang bedroht. Ist Ihnen das egal?

Nein, sicher nicht. Niemand weiß aber derzeit, was genau die Folgen für den EU-Marktzugang durch das Votum sein werden. Aber nicht nur die Schweiz hat ein Interesse am EU-Marktzugang, auch für die EU ist die Schweiz ein attraktiver Handelspartner. Ich teile nicht den allgemeinen Pessimismus, dass nun das Ende der bilateralen Verträge zwingend folgen wird. Die Schweiz ist in den vergangenen Jahr sehr stark auf die Europäische Union zugegangen. Zuletzt wurde sogar der Schweizer Franken de facto an den Euro gekoppelt. Jetzt sagen die Schweizer: Es reicht.

Wie sollen denn die Beziehungen zur EU ihrer Meinung nach aussehen?

Ich stelle fest, dass das Schweizer System der direkten Demokratie nicht mit der Funktionsweise einer Europäischen Union kompatibel ist. Ich habe daher nie viel von der Schweizer Strategie gehalten, sich mit einer Fülle von Einzelverträgen an die EU zu binden. Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt, mit der EU ein umfassendes Freihandelskommen auszuhandeln, wie es die EU ja auch mit den USA anstrebt. Und in diesem Freihandelskommen ist die Zuwanderungsfrage natürlich ausgeklammert.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

11.02.2014, 08:22 Uhr

Das ist richtig, es werden auch weiterhin für wirklich qualifizierte Fachkräfte Arbeitsplätz in der Schweiz vorhanden sein.
Der rest kommt halt zu uns nach Deutschland und unsere Politiker werden nicht müde, uns zu erzählen, daß zugewanderte Arbeitslose unseren Wohlstand mehren, daß Menschen, die nicht lesen und schreiben können, ein Segen für unser Leben sind, daß unsere Kinder davon profitieren, wenn sie die Einzigen sind, die di Sprache können http://www.sueddeutsche.de/bildung/einwanderer-schulen-in-mannheim-manchmal-koennen-nicht-mal-die-eltern-lesen-1.1884117
und genau deswegn gibt es keine Volksabstimmung hier im Lande. Frau Merkel kann nicht zulassen, daß das Volk, das die Zuwanderung stemmen muss, auch noch darüber abstimmt, ob es das will.

RogersFan

11.02.2014, 08:41 Uhr

Gut mal eine diffenzierende Stimme zu hören, die das Votum abwägend sieht und nicht nur immer nur diese miesen, abwertenden Kommentare der Hassattacke reitenden deutschen und EU Politikkrawallerie.

Account gelöscht!

11.02.2014, 10:29 Uhr

Schön, dass man zu den meisten Schweiz-Artikeln hier keine Kommentar-Funktion hat.
Liebes Handelsblatt, nennt Euch doch in "Der Maulkorb" um.

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