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11.04.2012

15:17 Uhr

Ex-Verteidigungsminister in Haft

Griechischer Politiker soll Schmiergeld für deutsche U-Boote kassiert haben

VonGerd Höhler

Der frühere griechische Verteidigungsminister Apostolos-Athanasios Tsochatzopoulos ist festgenommen worden. Er soll bei einem U-Boot-Deal Schmiergeld kassiert haben. Mittendrin: eine Firma aus Deutschland.

Akis Tsochatzopoulos ist am Dienstag festgenommen worden. AFP

Akis Tsochatzopoulos ist am Dienstag festgenommen worden.

AthenDie „große Woche“ nennen die Griechen die Tage vor dem Osterfest, das die orthodoxen Christen am kommenden Wochenende feiern. Doch für den 72-jährigen Apostolos-Athanasios („Akis“) Tsochatzopoulos markiert das diesjährige Fest wohl eher den Tiefpunkt seines langen Lebensweges.

Der frühere griechische Verteidigungsminister erlebt jetzt seine Kreuzigung, ohne dass er auf baldige Auferstehung hoffen darf. Am Dienstagmorgen fuhren Polizeiwagen in der Fußgängerzone vor dem hochherrschaftlichen klassizistischen Stadthaus auf, das Tsochatzopoulos gleich gegenüber der Athener Akropolis bewohnt.

Die Beamten hatten einen Haftbefehl dabei. Sie brachten den Ex-Politiker zunächst ins Polizeipräsidium. Von dort ging es weiter zum Ermittlungsrichter. Nicht nur der grandiose Blick, den Tsochatzopoulos aus seinem Wohnzimmer auf den Parthenon hatte, wird ihm im Hochsicherheitsgefängnis von Korydallos bei Piräus fehlen.

Nach der Verhaftung des Ex-Ministers wurden am Mittwochnachmittag zwei weitere Personen im nordgriechischen Thessaloniki Komplizen festgenommen, die in den Fall verwickelt sein sollen. Es handelt sich um einen Geschäftsmann sowie einen Cousin von Tsochatzopoulos, der mit einer Offshore-Firma in Zusammenhang gebracht wird. Nach Informationen aus Justizkreisen gibt es zwei weitere Haftbefehle gegen mutmaßliche Komplizen.

Geldwäsche, Bestechung, Steuerhinterziehung: es sind keine Kavaliersdelikte, derentwegen die Staatsanwälte Evgenia Kyvelou und Eleni Siskou seit dem vergangenen Jahr gegen Tsochatzopoulos ermittelten. Sein Name fiel im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von vier U-Booten des deutschen Typs 214 für die griechische Marine.

Der 2,85-Milliarden-Euro-Auftrag wurde im Jahr 2000 unter dem damaligen Verteidigungsminister Tsochatzopoulos vergeben. Die ehemalige MAN-Tochter Ferrostaal soll die Bestellung in Athen mit Schmiergeldern in zweistelliger Millionenhöhe an Land gezogen haben. Tsochatzopoulos bestreitet entschieden, zu den Schmiergeldempfängern zu gehören.

Aber der Lebensstil des Politikers gab schon lange Anlass zu der Frage nach möglichen „Nebeneinkünften“. Seine Athener Luxusimmobilien kann er mit seinem Ministergehalt oder den Abgeordnetendiäten jedenfalls kaum bezahlt haben. Das Objekt an der Akropolis, in dem er gestern verhaftet wurde, dürfte einen Marktwert von mehreren Millionen Euro haben. Tsochatzopoulos' Ehefrau will die Immobilie 2010 günstig von einer Offshore-Firma gekauft haben.

Kommentare (20)

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xristos

11.04.2012, 15:34 Uhr

tja leute er ist der erste gr.politiker der vorläufig festgenommen wird aber er war nicht der einzige der schmiergelder erhalten hat,übrigens fast alle deutsche firmen in griechenland haben geschmiert um aufträge zu bekommen,natürlich taaten sie es nicht nur in gr. fast auf der ganzen welt.und jetzt meine frage müssen deutsche französische ,griechische u.a .unternehmen keine entschädigung a n den griechischen staat zahlen?

Account gelöscht!

11.04.2012, 15:40 Uhr

Und wieso U-Boote wenn fast pleite?

Account gelöscht!

11.04.2012, 16:08 Uhr

Ist das nicht Klasse?

Wir subventionieren den Schiffbau, exportieren mit einem Packen Schmiergeld, kriegen die Boote letztlich nicht bezahlt, schnüren dafür ein Rettungspaket nach dem anderen und haften mit Steuergelden dafür, dass der Griechische Schmiergelempfänger auch künftig harte Euronen in der Tasche hat.

Wozu die ganze Schmierenkomödie, schenkt den Griechen doch einfach Bar-Cash. Am Besten die alten Drachmenbestände ....!

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