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10.12.2016

15:19 Uhr

Exekution in den USA

Augenzeugen berichten von langem Todeskampf

Erneut ist es während einer Exekution in den USA zu Komplikationen gekommen. Der Todeskandidat keuchte und hustete während der Tötung minutenlang. Er war einer von mehreren Häftlingen, die gegen das Mittel protestierten.

Das umstrittene Betäubungsmittel wird in den USA bei Hinrichtungen eingesetzt – US-Häftlinge wenden sich schon länger dagegen. AP

Midazolam

Das umstrittene Betäubungsmittel wird in den USA bei Hinrichtungen eingesetzt – US-Häftlinge wenden sich schon länger dagegen.

AtmoreEin Häftling im US-Staat Alabama hat sich bei seiner Exekution durch eine Giftinjektion anscheinend 13 Minuten lang gequält. Der 45 Jahre alte Ronald B. Smith hustete und zuckte wiederholt, nachdem ihm in der Nacht zum Freitag in der Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von Atmore die erste von drei Drogen eingespritzt wurde, wie ein Augenzeuge berichtete.

Der wegen eines Raubmordes zum Tode verurteilte Mann wurde schließlich nach 30 Minuten für tot erklärt - ein „typischer Zeitrahmen“ für derartige Exekutionen, zitierte das Nachrichtenportal Al.com einen Sprecher der staatlichen Gefängnisbehörde.

Der Webseite zufolge bestand die erste Injektion, die Smith bewusstlos machen sollte, aus Midazolam. Dieses Mittel wird derzeit bei Hinrichtungen in den USA häufig als erste Droge eines Giftcocktails verwendet – anstelle des zuvor stets eingesetzten Pentobarbitals, das nicht mehr zur Verfügung steht. Hersteller auch im Ausland haben die Lieferung eingeschränkt, weil sie nicht wollen, dass das Mittel bei Hinrichtungen eingesetzt wird.

Welche Länder die Todesstrafe praktizieren

Todesstrafe weltweit

Die Todesstrafe existiert in insgesamt 96 Staaten, wobei sie in davon sechs Staaten lediglich in Sonderstrafverfahren wie beispielsweise im Kriegsrecht angewandt wird. 34 weitere dieser Staaten wiederum haben ein Hinrichtungsstopp verhängt, praktizieren die Todesstrafe also nicht aktiv, obwohl sie weiterhin gesetzlich festgeschrieben bleibt. In den folgenden 56 Staaten weltweit werden weiterhin Todesstrafen ausgesprochen und auch durchgeführt. (Stand: März 2015)

Afrika

Ägypten (letzte Hinrichtung fand 2011 statt), Äquatorialguinea (2010), Äthiopien (2007), Botswana (2013), Gambia (2012), Guinea (2001), Komoren (1997), Demokratische Republik Kongo (2003), Lesotho (1984), Libyen (2010), Nigeria (2013), Somalia (2013), Sudan (2013), Südsudan (2013), Tschad (2003), Uganda (2003)

Asien

Afghanistan (2013), Bahrain (2010), Bangladesch (2015), Volksrepublik China (2015), Taiwan (2013), Indien (2013), Indonesien (2015), Irak (2014), Iran (2015), Japan (2016), Jemen (2013), Jordanien (2015), Katar (2001), Kuwait (2013), Libanon (2004), Malaysia (2013), Nordkorea (2015), Oman (2001), Pakistan (2015), Palästina (Hamas: 2014; Palästinensische Autonomiebehörde: 2005), Singapur (2014), Thailand (2009), Vereinigte Arabische Emirate (2012), Vietnam (2013)

Europa

Weißrussland (2014)

Nordamerika

Antigua und Barbuda (1991), Bahamas (2000), Barbados (1984), Belize (1985), Dominica (1986), Guatemala (2000), Jamaika (1988), Kuba (2003), St. Kitts und Newis (2008), St. Lucia (1995), St. Vincent und die Grenadinen (1995), Trinidad und Tobago (1999), USA (2015)

Südamerika

Guyana (1997)

Smith war einer von mehreren Häftlingen, die sich gerichtlich gegen die Verwendung der Droge gewandt hatten. Ihr Argument: Midazolam sei ein Beruhigungsmittel, das anders als Pentobarbital nicht zuverlässig Bewusstlosigkeit herbeiführe. Das höchste US-Gericht hatte Smiths Hinrichtung in der Nacht zum Freitag zunächst zwei Mal ausgesetzt und dann schließlich doch gestattet.

Von

dpa

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